Mediendüker für neue Nossener Brücke ist fertig

Mediendüker Nossener Brücke
Seit 5 August ist der Mediendüker für das Neubauprojekt Nossener Brücke/Campuslinie fertig. Foto: SachsenEnergie

Im August 2025 begann er zu rotieren. 23 Tage lang fraß sich der 130 Tonnen schwere, sieben Meter lange und vier Meter hohe Riesenbohrer in 20 Metern Tiefe unter der Erde durch den Untergrund – , parallel zur Nossener Brücke unter den Bahngleisen bis zur Zwickauer Straße. So lange brauchte er, um die 280 Meter zurückzulegen und dabei 3.500 Kubikmeter Erd- und Felsmaterial auszuheben. Und während er vorn bohrte, wurden hinter der Maschine gleichzeitig die Stahlbeton-Tunnelsegmente eingebaut.

Genau ein Jahr hat es gedauert, um die neue Riesenröhre aus Stahlbeton in einen begehbaren Mediendüker zu verwandeln. In diesem unterirdischen, nun drei Meter hohen Tunnel liegen alle Fernwärme-, Strom- und Telekommunikationsleitungen, die bisher oberirdisch entlang der Nossener Brücke in einem großen Rohr geführt wurden. Doch weil dafür im künftigen Brückenbauwerk kein Platz mehr wäre, wurden sie in den Untergrund verlegt – in Summe 950 Meter Fernwärmerohre, 6,6 Kilometer Stromkabel und 3,2 Kilometer Telekommunikationsleitungen.

Sehr anspruchsvolles Arbeiten

Für die bauausführende ARGE Eiffage Mediendüker Dresden war der Bau des Mediendüker recht anspruchsvoll – schließlich wurde er unter mehreren stark frequentierten Bahngleisen gebaut, ohne den Bahnbetrieb obendrüber zu beeinträchtigen. „Arbeiten in großer Tiefe, schwierige geologische Bedingungen und die Unterquerung stark frequentierter Fernbahn- und Rangiergleise erforderten höchste Präzision. Dass der Tunnel planmäßig fertig werden konnte, ist das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit aller Beteiligten“, lobt Dirk Peuss, Geschäftsführer ARGE Eiffage Mediendüker Dresden. Gearbeitet wurde teilweise in verschiedenen quellfähigen Sedimentgesteinen, die sogenannten Pläner, sowie in Bereichen mit sehr wenig Erde zu den darüberliegenden Gleisanlagen. „Entsprechend hoch waren die Anforderungen an Planung, Vermessung und Bauüberwachung.“ 12.300 Tonnen Erd- und Felsmaterial mussten für Baugrube und Düker ausgehoben werden.
In Betrieb ist der Tunnel seit dem 5. August. Der Bau dauerte mit dem Ausheben der großen Baugrube für den Riesenbohrer insgesamt 27 Monate. Zeitplan und die Kosten von rund 30 Millionen Euro seien eingehalten worden, sagt Dirk Peuss.

Teil der neuen Campuslinie

Der Mediendüker ist ein wichtiger Teil für die neue Campuslinie, sozusagen ihre unsichtbare Grundlage. Denn um die neue, 1,7 Kilometer lange Straßenbahntrasse 7 von Löbtau in die Südvorstadt zu bauen, braucht es auch eine neue Nossener Brücke.

Der erste Spatenstich dafür erfolgte am 8. Juni dieses Jahres. Bis Mai 2028 werden die nördliche Straßenseite der Nürnberger Straße sowie der nördliche Brückenzug der Nossener Brücke neu gebaut. Bis Frühjahr 2030 schließt sich der Neu- und Umbau der südlichen Straßenhälfte der Nürnberger Straße sowie der Bau der neuen Straßenbahntrasse an.

Mit der Campuslinie sollen ab 2031 jährlich rund 1,4 Millionen Fahrgäste zusätzlich befördert und die Buslinie 61 entlastet werden. Die Trasse erhält einen eigenen Gleiskörper und kann damit unabhängig vom übrigen Verkehr fahren. Für den Kfz-Verkehr bleiben weiterhin vier Fahrspuren erhalten. An den Kreuzungen kommen zum Teil noch Abbiegespuren hinzu. Radfahrer fahren künftig auf abgesetzten und erhöhten Radwegen über die Nossener Brücke, entlang der Nürnberger Straße werden normale Radfahrstreifen markiert. Breite Fußwege und barrierefreie Haltestellen gehören ebenfalls zum Bauvorhaben.
Die Kosten für das Großprojekt liegen bei rund 324 Millionen Euro, einen erheblichen Teil von 77,7 Millionen übernehmen Bund und Land.