Canaletto – Meister der Stadtansicht

Canaletto-Blick
Canaletto-Blick über Dresden | Foto: Archiv

Dresden feiert den berühmten Veduten-Maler Canaletto, der vor 300 Jahren in Venedig geboren wurde.

Sie prägen die heutige Vorstellung vom barocken Dresden wie kaum ein anderes Zeitzeugnis: die 14 großformatigen Stadtansichten von Bernardo Bellotto, genannt Canaletto. Die als Veduten bezeichneten Gemälde geben Einblick nicht nur in die Architektur, sondern auch in Alltag und Repräsentation der blühenden sächsischen Residenzstadt. Besondere Berühmtheit erlangte das Meisterwerk „Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke“. Wer von dort auf die Stadt schaut, spricht wie selbstverständlich vom Canaletto-Blick.

Das Talent des 1722 in Venedig geborenen Bellotto wurde früh erkannt: Sein Onkel Giovanni Antonio Canal, ein bekannter Veduten-Maler, nahm ihn schon mit 14 in seine Werkstatt auf. Von seinem Lehrmeister erhielt der junge Mann nicht nur das künstlerische Rüstzeug, sondern übernahm auch den Künstlernamen – wie sein Onkel nannte er sich Canaletto. Mit Frau und Sohn verließ der 25-Jährige 1747 seine Heimatstadt und zog nach Dresden. Am Hof des Kurfürsten Friedrich August II. genoss er eine hohe Wertschätzung, perfektionierte seine Fertigkeiten und schuf neben dem Dresden-Zyklus auch mehrere Ansichten vom nahegelegenen Pirna und von der Festung Königstein.

Der Siebenjährige Krieg zwang Canaletto, sich anderswo Aufträge zu suchen: Insgesamt rund drei Jahre hielt er sich in Wien und München auf. Als er 1761 nach Dresden zurückkehrte, konnte der Maler nicht mehr an seine Glanzzeit anknüpfen: Der Zeitgeschmack änderte sich, seine wichtigsten Fürsprecher am Hof verstarben, die Kunstakademie lehnte seien Stil ab. Erst am polnischen Hof konnte sich Canaletto ab 1767 noch einmal entfalten: Er arbeitete an der Ausstattung des Schlosses Ujazdów und des Warschauer Königsschlosses mit und schuf unter anderem Gemälde, an denen man sich beim Wiederaufbau Warschaus nach dem Zweiten Weltkrieg orientierte. 1780 starb Canaletto in der Stadt an der Weichsel.

Retrospektive in den „Alten Meistern“

Zu Canalettos 300. Geburtstag haben sich Einrichtungen seiner beiden wichtigsten Wirkungsstätten zusammengetan: Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) und das Königliche Schloss in Warschau zeigen nacheinander die Retrospektive „Zauber des Realen – Bernardo Bellotto am sächsischen Hof“. „Mit rund 140 Exponaten eröffnet die Ausstellung einen einzigartigen Blick auf das Leben und Wirken Bellottos und nimmt dabei die wichtigsten Stationen seines künstlerischen Schaffens in den Blick“, kündigen die SKD an. „Die Retrospektive verfolgt das Ziel, den eigenen weltweit größten Bestand an Gemälden Bellottos in Dresden zu präsentieren und die unterschiedlichen Schaffensphasen anhand ausgewählter Leihgaben vorzustellen.“

Diese stammen aus Warschau sowie aus der National Gallery of Art in Washington, dem Rijksmuseum in Amsterdam, dem J. Paul Getty Museum in Los Angeles, der National Gallery of Ireland in Dublin, dem Kunsthistorischen Museum Wien und der National Gallery in London. Unter anderem Druckgrafiken, Zeichnungen und Bücher ergänzen die Gemälde und vermitteln den Besuchern eine eindrucksvolle Vorstellung von der Zeit Canalettos. In der Gemäldegalerie Alte Meister ist die Schau vom 21. Mai bis zum 28. August 2022 zu sehen.

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  1. Dresden mit der Linse einfangen

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