Wo die Sachsenring-Historie digitalisiert wird

SLUB ADAC
Robert Lommatzsch erfasst im Digitalisierungszentrum der SLUB alle 130 Programmhefte zu den Rennen am Sachsenring seit 1927. Foto: Pönisch

In der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB) werden derzeit 130 Programmhefte digitalisiert. Die Hefte dokumentieren das Renngeschehen am und die Geschichte des Sachsenring, der 2027 sein 100-jähriges Bestehen feiert.

Im Digitalisierungszentrum der SLUB geht es ziemlich ruhig zu. An speziellen Geräten – einer Mischung aus Scanner und Kopierer – sitzen Mitarbeiter und legen Seite für Seite all jener Dokumente ein, die der Nachwelt in digitaler Form erhalten bleiben sollen. Fast geräuschlos werden hier aus papiernen Dokumenten hochaufgelöste „Digitalisat“, wie es in der Fachsprache genannt wird.

Einer der Mitarbeiter in dem großen und schummrig wirkenden Raum ist Robert Lommatzsch. Seit einigen Monaten erfasst er an seinem Arbeitsplatz all die Programmhefte, die seit der ersten Ausgabe am 26. Mai 1927 zu allen großen Motorsportveranstaltungen am Sachsenring erschienen sind. Die 130 Hefte stammen aus dem Archiv des ADAC Sachsen, rund 50 Stück aus den Jahren 1927 bis 1990 sind bereits digitalisiert und auf dem Onlineportal „Sachsen.digital“ veröffentlicht. Die restlichen 80 Hefte will Robert Lommatzsch bis Ende des Jahres digital erfasst haben.

Historische Hefte in Papierformat Foto: cpö

100 Jahre Sachsenring: Ein Stück sächsische Identität

Die bunten Programmhefte in den Formaten A5 und A4 sind weit mehr als nur Sammlerobjekte – sie dokumentieren die Entwicklung der Rennstrecke Sachsenring von den Ursprüngen bis in die Gegenwart.
An ihnen lässt sich Zeitgeschichte festmachen, aber auch die Begeisterung für den Motorsport im Osten Deutschlands, vor allem in der Region um die Rennstrecke. „Das ist vergleichbar mit der Liebe zum Fußball im Ruhrpott, die Leidenschaft vererbt sich von Generation zu Generation. Heute sind junge Leute an den Rennwochenenden vor Ort, deren Urgroßväter hier schon den Fahrern zugejubelt haben“, sagt Klaus Klötzer, Vorstandsvorsitzender des ADAC Sachsen e.V. Wie groß die einzigartige Fankultur am Sachsenring ist zeigt sich allein schon dran, dass die kürzlich in die Sächsische Landesliste des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde.

Das Digitalisierungsprojekt von SLUB und ADAC ist in dieser Form einmalig in Deutschland. Finanziert wird es durch das Landesdigitalisierungsprogramm für Wissenschaft und Kultur (LDP) mit dem Ziel, sächsisches Kulturgut zu erhalten und öffentlich zugänglich zu machen. So konnten in den letzten Jahren über 18 Millionen Textseiten und Bilder aus ganz Sachsen weltweit online gestellt werden. Allein im vergangenen Jahr gab es rund sechs Millionen Zugriffe auf die Digitalisate.

Das gemeinsame Projekt von ADAC Sachsen und SLUB Dresden geht indessen weiter: „Aktuell prüfen wir weitere Zeitdokumente des Sachsenrings, darunter historische Postkartensammlungen sowie originale Filmaufnahmen aus den Anfangsjahren der Traditionsrennstrecke“, verrät Katrin Stump, Generaldirektorin der SLUB Dresden. Die Digitalisierung der historischen Filmaufnahmen soll über das Programm zur Sicherung des audiovisuellen Erbes in Sachsen (SAVE) erfolgen. SAVE wird vom Sächsischen Wirtschaftsministerium gefördert und von der SLUB Dresden zusammen mit dem Filmverband Sachsen koordiniert.

Das 100-jährige Jubiläum wird im kommenden Jahr ganz groß vom 7. bis 9. Mai mit der „ADAC Sachsenring Classic“ gefeiert. Dann sind auch Teile der umfassenden Programmheftsammlung sowie weitere Zeitdokumente ausgestellt – original auf Papier. Auf www.sachsen.digital/sammlungen sind dann auch alle 130 Programmhefte zu finden