„Ich werde später auch Plastinat bei den Körperwelten sein“

Vivien Lorenz aus Dresden vor dem Plastinat eines menschlichen Körpers in der am Freitag eröffneten „Körperwelten“-Ausstellung in der Zeitenströmung. Die 33-Jährige ist selbst Körperspenderin. Foto: Jens Fritzsche

Die 33-jährige Vivien Lorenz aus Dresden ist Körperspenderin und hat kein Problem damit, sich die aktuelle „Körperwelten“-Ausstellung in der Zeitenströmung anzusehen.

Nein, dieser Anblick macht ihr keine Angst. Ganz im Gegenteil, sagt Vivien Lorenz mit Blick auf einen der plastinierten menschlichen Körper in der neuen Körperwelten-Ausstellung in der „Zeitenströmung“. Es sei vielmehr wichtig, dass es Menschen gibt, die ihren Körper nach dem Tod der Wissenschaft oder solchen anatomischen Ausstellungen wie der Schau unter dem Titel „Am Puls der Zeit“ zur Verfügung zu stellen, die sich mit den Auswirkungen von Stress und Hektik auf den Menschen befasst.

Die Ausstellung feiert in Dresden ihre Deutschland-Premiere und ist eine von aktuell neun „Körperwelten“-Schauen, die derzeit weltweit unterwegs sind. Mit einem entspannten Lächeln macht die 33-jährige Dresdnerin klar, dass auch sie selbst irgendwann einmal in einer solchen Ausstellung zu sehen oder ein Präparat für die medizinische Ausbildung an einer Universität sein wird; denn vor allem für die Wissenschaft produzieren die „Körperwelten“-Macher ihre Präparate.

DAWO! verlost 2×2 Freikarten für „die Ausstellung „Körperwelten“ in der Zeitenströmung Dresden. Teilnahme bitte per Kommentar warum es sich lohnt zu gewinnen bis zum 16. Mai 2022. (Bitte beachten Sie vor Ihrer Teilnahme unsere Datenschutzhinweise, diese finden Sie hier.)

Schon mit 22 Jahren hatte sich Vivien Lorenz entschieden, Körperspenderin im Programm der „Körperwelten“ zu werden. Nach dem Besuch einer Ausstellung in Leipzig stand das für sie fest – aber gereift war die Idee natürlich schon länger, sagt sie. „Es ist doch eine wirklich sinnvolle Sache, dass Menschen an echten Präparaten lernen können, wie ein Körper aufgebaut ist, dass sie sehen können, wie Organe funktionieren oder was bei Krankheiten im Körper passiert“, beschreibt sie ihre Beweggründe. Und ist dabei spürbar mit sich selbst im reinen.

Aber natürlich weiß die junge Dresdnerin auch um die kritischen Vorbehalte gegenüber diesem Thema. Auch in der eigenen Familie war zunächst nicht jeder begeistert, dass sie sich zu diesem Schritt entschlossen hat. „Meine Mutter war schockiert, mein damaliger Partner war absolut dagegen“, verrät sie.

Mittlerweile hat sich ihre Mutter aber mit dem Gedanken arrangiert – und Vivien Lorenz‘ jetziger Partner steht bei diesem Thema absolut hinter ihr. Und doch bleiben Fragen, die auch Vivien Lorenz kennt. Wie die Frage nach dem fehlenden Ort, um trauern zu können. „Aber das stimmt ja nicht“, widerspricht sie. „Natürlich gibt es Orte, an denen man um mich trauern kann“, ist die 33-Jährige überzeugt. Schließlich gebe es Orte, an denen sie sich absolut wohlfühlt – „dort kann man dann an mich denken.“

An ihre jüngst verstorbene Oma denke sie beispielsweise viel lieber an deren Lieblingsplatz im Garten, als am Grab auf dem Friedhof. Dass in den Ausstellungen nicht zu erkennen ist, um wen es sich bei den Präparaten handelt, findet Vivien Lorenz jedenfalls absolut richtig. „Zum einen sind die Ausstellungen ja eben kein Friedhof, und zum anderen hat das ja auch etwas mit Privatsphäre und Respekt zu tun.“ Wobei sie ohnehin später am liebsten nicht als ganzer Körper zu sehen sein möchte; auch wenn sich die Körperspender das nicht aussuchen können. „Am liebsten würde ich es haben, dass meine Organe und mein Körper als Scheibenpräparate genutzt werden – denn dabei sieht man im Querschnitt so faszinierend, welch unfassbares Wunderwerk der menschliche Körper ist.“ 

Autor Jens Fritzsche

6 Kommentare

  1. Ich bin nächste Woche das erste Mal für ein paar Tage in Dresden, da wäre die Ausstellung auf jeden Fall ein Highlight

  2. Ich hatte mir schon oft vorgenommen eine solche Ausstellung zu besuchen…hatte aber bisher nicht wirklich die Gelegenheit gehabt. Vieleicht wird es ja nun was 🙂 Ich würde mich freuen.

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