Neuer Großwärmespeicher: 20 Meter kürzer, dafür dicker

Wärmespeicher
Die Gestaltungskommission favorisiert eine dunkle Farbgebung des Speichers, weil dunkle Gebäude besser im Stadtbild verschwinden als helle. Hier die Variante mit PV-Modulen. Visualisierung: Code UNIQUE Architekten

Auf dem Gelände des Heizkraftwerkes Nossener Brücke will SachsenEnergie einen Großwärmespeicher bauen. Nachdem bei der ersten Präsentation des Vorhabens im Sommer die Dimension des Bauwerks zu Diskussionen führte, hat das Unternehmen jetzt in der Gestaltungskommission neue Entwürfe für eine angepasste Variante vorgestellt.

Um 20 Meter gekürzt, dafür in der Breite gewachsen
Demnach wurde die Traufhöhe des Zylinders von ursprünglich 80 auf rund 60 Meter reduziert und gleichzeitig der Durchmesser auf 40 Meter (vorher 34 Meter) vergrößert. Der Wärmespeicher wäre in der Höhe dann vergleichbar mit der Dresdner Mühle (63m), dem Kühlturm des Heizkraftwerkes Nossener Brücke (55m) und dem World Trade Center (58m). Kleiner könne er nicht werden, da sonst die erforderliche Speicherkapazität von 3.000 Megawattstunden nicht zu erreichen sei, so das Energieunternehmen.
Der Speicher soll bis zu 50.000 Kubikmeter heißes Wasser mit einer Temperatur von 115 Grad Celsius schnell aufnehmen können, über Stunden oder Tage speichern und bei Bedarf im Fernwärmesystem verteilen. Im Sommer könnte die Stadt so mehrere Tage mit Wärme aus dem Speicher versorgt werden, im Winter bei Kälte wären es vier Stunden.

Umfangreiche Standortsuche

Insgesamt 26 Standorte hat SachsenEnergie untersucht. Ergebnis: Erste Wahl ist und bleibt das Gelände des Kraftwerks Nossener Brücke.
In der Begründung heißt es, der Standort sei die Drehscheibe der Dresdner Fernwärme, laufen hier doch fünf Hauptwärmeleitungen mit einem Durchmesser von bis zu 80 Zentimetern zusammen. Nur von diesem Knoten aus lassen sich die riesigen Mengen an heißem Wasser in das Netz einspeisen, um mit dem Speicher die gewünschten wirtschaftlich Effekte zu erzielen. „Nur das Gelände an der Nossener Brücke bietet Infrastruktur, Leitungskapazitäten und ausreichend Platz, um den Speicher im nötigen Umfang zu errichten“, heißt es seitens SachsenEnergie. Geprüft wird allerdings noch, ob der Zylinder in eine Mulde gesetzt werden kann und damit nicht ganz so hoch in die Landschaft ragen würde.

Hell oder dunkel – was passt am besten ins Bild?

Diskutiert wird derzeit noch über die Farbgebung. Die Architektenbüros Code Unique Architekten (CUA) und Knerer & Lang legten jeweils zwei Farbvarianten vor. Während Code Unique Architekten eine helle Schuppenstruktur und eine dunklere Version mit PV-Modulen vorschlägt, präsentiert Knerer & Lang ebenfalls eine helle und eine dunle Farbgebung. Die Gestaltungskommission hat signalisiert, dass sie eine dunklere Fassade bevorzugt, da dunkle Gebäude besser im Stadtbild verschwinden als helle. Mit den PV-Modulen könnte zusätzlich eine sekundäre Energiegewinnung möglich sein.

Muss es ein Riesenzylinder sein?

Muss der Großwärmespeicher unbedingt ein riesiger Zylinder sein? Um das zu beantworten, wurden vier weitere Varianten untersucht: die Verteilung auf mehrere Zylinder, eine geänderte Grundform, die Nutzung von 140 Druckbehältern und ein teilweise in den Boden eingelassener Zylinder. Mit Blick auf Kosten, Platzbedarf und Effizienz kamen die Experten zu dem Schluss, dass nur ein Zweizonen-Speicher mit 3.000 Megawattstunden Volumen und 60 Metern Mindesthöhe infrage kommt.

Warum braucht es den neuen Speicher?

Der Großwärmespeicher ist ein zentraler Baustein des Wärmetransformationsplanes der Stadt Dresden. Kombiniert mit Großwärmepumpen, Elektrodenheizkesseln und der thermischen Abfallverwertung kann SachsenEnergie mit seiner Hilfe bis 2040 das gesetzlich vorgeschriebene Ziel schrittweise erreichen, rund 80 Prozent des Fernwärmenetzes zu ergrünen.

Gebaut werden soll der neue Wärmespeicher bis 2029 für etwa 45 Millionen Euro. Bis zu zehn Millionen Euro könnten an Fördergeldern fließen.