Torsten Meisel sammelt Werbefiguren aus DDR-Zeiten. Über 900 hat er bereits gefunden. Im Elbepark Dresden ist ein Teil davon ab 23. April zu sehen.
Was fällt dem gelernten DDR-Bürger zum Thema Werbefiguren ein: Natürlich Minol Pirol, Messemann, Kundi aus dem Hygienemuseum und der Tele-Lotto-Otto. Das war’s. Oder gab’s da noch mehr? „Oh ja, noch sehr viel mehr“, lacht Torsten Meisel. Er sammelt seit fast 20 Jahren DDR-Werbefiguren und hat bis heute über 900 verschiedene in seinen privaten „Museumsräumen“ zusammengetragen – auf Flohmärkten, vor allem aber übers Internet. Um die 300 wird er nun erstmals öffentlich zeigen, ausgestellt vom 23. April bis 2. Mai in 17 Vitrinen im Elbepark Dresden.
Einmal vom Sammelfieber gepackt
… setzt sich der Virus fest und ist schwer wieder loszuwerden. Bei Torsten Meisel war es sogar ein echter Virus, der die Sammelleidenschaft so richtig befeuerte. Denn der Unternehmer (Barock Eventpark in Radebeul) hatte plötzlich in der Coronazeit sehr viel Zeit für Internetrecherche. Flohmärkte fanden ja nicht mehr statt. Und so kam er im Laufe der Jahre zu seinen Schätzen. Neben einer Reihe Messemännel und Minol-Pirolen finden sich in seiner Sammlung heute Bären der Weltfestspiele 1973 in Berlin, eine ganze Abteilung Reporter von Sächsischer Zeitung, BZ am Abend, Märkischer sowie Leipziger Volkszeitung, das „MMM-Raketchen“ der Messe der Meister von Morgen, stattliche kleine Thälmann-Pioniere sowie Ede und Edeltraud, die den Tierpark Berlin vertraten. Ille und Pille vom Turn- und Sportfest gibt es in mehreren Varianten, wie auch von den hölzernen gelb-roten FDGB-Feriendienst-Männlein und auch Turino und Turinchen „leben“ jetzt bei ihm.
Natürlich finden sich in Meisels Schatzkammer auch echte Raritäten. Dazu gehört auf jeden Fall der ein Meter hohe Tele-Lotto-Otto. Und wer kennt schon noch die Easy Rider von MZ (Motorradwerk Zschopau) oder die Blitzi-Figuren des VEB Farbenfabrik Wolfen? Dessen Slogan „Blitzi bringt Chemie ins Haus“ dürfte bei vielen Menschen heute eher Unbehagen hervorrufen. Auch den Schneider von Malimo (Textilien von Mauersberger-Limbach-Oberfrohna) dürften nur wenige Fans besitzen, ebenso wie die Fewa-Johanna (Waschmittel) oder den „Spezitex“. Der sieht aus wie Sherlock Holmes und war das Warenzeichen des DDR-Textilverbandes. Und so gut wie unbekannt dürfte heute der „Mux“ sein, der aussieht wie ein Flaschengeist und für „Mux Insektentod“ stand. Heute wäre Mux als Werbebotschafter wahrscheinlich der Tod für seinen Hersteller. „Für mich eine der Lieblingsfiguren“, lacht Meisel.
In den vergangenen vier Jahren ist der Dresdner zum Medienstar geworden. Der MDR war da, viele Zeitungen haben püber ihn geschrieben und auch im TV durfte er bei Kai Pflaume als Ratekandidat sitzen. Auch die DAWO! durfte 2022 seine stattliche Sammlung bewundern. Die ist seither um fast das Doppelte auf über 900 Figuren angewachsen und mittlerweile kontaktieren ihn sogar schon die Flohmarkthändler, um ihm die kleinen und großen Werbeträger anzubieten. Zu den Neuerwerbungen der letzten Jahre gehören Hans &Franz vom Senftenberger See, eine 60 Zentimeter große Hostess der Leipziger Messe, eine Figur des MC Hartha und ein 36 Zentimeter großer Kundi.
Sie alle repräsentieren nicht nur die Wirtschaftsentwicklung der DDR, sondern auch deren Politik. Denn als es mit dem Warenangebot knapp wurde, als selbst Hellerauer Schrankwände, Trabis, Fernseher und Waschmaschinen zur sprichwörtlichen Bückware wurden, da verschwanden auch die meisten Werbefiguren. Da es die Produkte kaum noch gab, brauchte man sie schließlich auch nicht mehr zu bewerben. Die meisten Werbefiguren „lebten“ daher nur in den 50-er bis Ende der 1970-er Jahre, danach war Schluss mit lustig. Nur der Messemann mit seinem Weltkugelkopf hielt sich noch einige Jahre.
Natürlich ist so eine Sammlung nie vollständig, das weiß Torsten Meisel längst. So ist er zum Beispiel noch auf der Suche nach der Robotron-Werbefigur, zwei Männeln aus der Sparte Pflanzenschutzmittel, auch die Zenusil-Werbefigur und der Kriminalkater Kurt eines Radiosenders fehlen noch. Letzterer steht aber leider schon im Berliner Kriminalmuseum.
DDR-Werbefiguren im Elbepark Dresden, 23. April bis 2. Mai, Eintritt frei
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