Seit 25. September 2024 war die Brücke Rathenaustraße für Kraftfahrzeuge voll gesperrt. Jetzt, nach mehr als anderthalb Jahren, kann sie wieder befahren werden. Allerdings nur einspurig und tonnagebegrenzt auf Fahrzeuge bis neun Tonnen Gesamtgewicht.
Errichtet wurde das Bauwerk 1975 mit Henningsdorfer Spannstahl. Seit dem Einsturz der Carolabrücke in Dresden ist bekannt, dass bei dessen Herstellung kleine Anrisse entstehen. Diese wirken in Verbindung mit Wasser als Korrosionszelle und bewegen sich ganz langsam weiter ins Innere vor. Von außen ist dies – auch bei Brückenprüfungen – nicht ersichtlich.
Beim Brücken-TÜV im August 2024 hatte die Radeberger Brücke nur die Note 3,5 („ungenügender Zustand“) erhalten. Es folgten Materialprüfungen, bei denen unter dem Straßenbelag aus dem Brückenbauwerk Stahl entnommen und im Labor getestet wurde. „Dabei bestätigte sich, dass die Brücke ein Tragfähigkeitsdefizit hat“, hieß es aus der Stadtverwaltung. Zudem konnte Spannungsrisskorrosion nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Das mit der Prüfung beauftragten Ingenieurbüro aus Dresden empfahl, ein Monitoring zu installieren, das überwacht, ob es fortlaufende weitere Spannungsrisse an der Brücke gibt. Außerdem wurde eine ständige statische Nachberechnung empfohlen. Die Freigabe jetzt ist möglich, weil es im vergangenen Vierteljahr keine weiteren Auffälligkeiten gab. Die Brücke wird weiterhin überwacht. „Sollten Schäden aufgezeichnet werden, ist eine erneute Sperrung der Brücke erforderlich.“
Für die geplante Elektrifizierung der Strecke Dresden–Görlitz ist die bestehende Brücke 70 Zentimeter zu flach und kann nicht erhöht werden. Deshalb ist ein Neubau geplant, für den die Planungsvereinbarung mit der Deutschen Bahn bereits abgeschlossen ist.