Die Schwimmhalle im Dresdner Norden wurde 1935 gebaut. Sie ist so marode, dass eine Schließung ab September droht. Derzeit laufen materialtechnische Untersuchungen, die das Gutachten der MKP GmbH von April konkretisieren sollen. Mitte August sollen die Ergebnisse vorliegen.
Betonabplatzungen, Längsrisse im Becken, Korrosion und ein Becken, das längst schon von unten mittel Stahlstützen gehalten wird: Die 1935 gebaute Schwimmhalle in Klotzsche ist mehr als marode, sie ist längst über ihre Zeit. Jetzt ist auch noch das große Schwimmbecken leer. Am vergangenen Montag wurde hier das Wasser abgelassen, um weitere Untersuchungen vornehmen zu können. Das empfiehlt auch das zweite Gutachten zum Hallenzustand, das vom Dresdner Ingenieurbüro Marx Krontal Partner GmbH (MKP) im April vorgestellt wurde. Zur Erinnerung: Das sind jene Experten, die mit den Untersuchungen zur Ursache der eingestürzten Carolabrücke deutschlandweite Aufmerksamkeit bekamen und die derzeit auch den Zustand der Brücke Budapester Straße analysierten. Experten also, die sich mit Beton und Stahl bestens auskennen.
Was derzeit in der Halle passiert
Es ist laut, heiß und feucht dieser Tage im Keller der Schwimmhalle Klotzsche. Ein Bohrer frisst sich durch den alten Beton. Er legt die Stahl-Bewehrung frei und holt Proben aus der Beckenunterseite. Die sehen aus wie dicke Stöpsel mit einem Durchmesser von fünf Zentimetern. Insgesamt elf solcher bis zu zehn Zentimeter langen Bohrkerne werden dem Beckenboden entnommen und zur weiteren Analyse in die Labore der Bauhaus-Universität Weimar verschickt.

Die Arbeiten sind Teil des Auftrages an die MKP GmbH. Zum genauen „unter die Lupe nehmen“ gehört auch der Einsatz von Radar- und Ultraschallgeräten, mit denen die verschiedenen Materialschichten durchdrungen werden. Die Experten erhalten damit Informationen über die genaue Zusammensetzung des Beckens sowie die Verläufe der Stahl-Bewehrungen. Denn originale Bauunterlagen existieren für die gut 90 Jahre alte Schwimmhalle fast keine mehr. Umso erstaunlicher sei es daher, „dass die gelben Originalfliesen, abgesehen von einem nachgebesserten Bereich mit blauen Fliesen, nach wie vor im Schwimmbecken kleben und von außen betrachtet noch einen guten Eindruck vermitteln“, sagt Lars Kühl, Sprecher der Dresdner Bäder GmbH.
Wie geht es weiter?
Nach heutigen Maßstäben ist eine Schwimmhalle nach rund 20 Jahren sanierungsbedürftig. Diese Zeit hat das Klotzscher Objekt mehr als vervierfacht. Nun scheint ihr Ende aber gekommen. Die Hinweise auf eine nachhaltige Schädigung der inneren, nicht sichtbaren Bausubstanz haben sich in den vergangenen Jahren gehäuft.
Mitte August sollen die Laborergebnisse aus Weimar vorliegen, dann werden sie von den Mitarbeitern der MKP GmbH ausgewertet. „Die ermittelten mechanischen und chemischen Werte dienen als Entscheidungsgrundlage: Können befürchtete Szenarien ausgeschlossen werden? Oder erweisen sich Dinge, die im Raum stehen, als plausibel? Wie hoch ist der Korrosionsgrad? Die Druckfestigkeit und die Dichte des Betons werden genauso bewertet wie die Zugfestigkeit des Stahls“, erläutert Lars Kühl.
Es geht also um die Frage, ob die Schwimmhalle mit einer Notsanierung (für rund 3,8 Millionen Euro, Bauzeit 13 bis 18 Monate) noch etwas am Leben erhalten werden kann oder ob sie am 5. September für immer geschlossen wird. Dann steht die Frage eines Neubaus im Raum, der Stand heute um die 30 Millionen Euro kosten wird. Mitte August werden die Experten einer Antwort darauf näher sein.