Busbahnhof endlich in Sicht: Aus „Network-Hub“ wird SIMMEL-Terminal

Fernbusterminal Simmel Terminal
Baubürgermeister Stephan Kühn, Investor Peter Simmel, Architekt Thomas Knerer Foto: Pönisch

Mal ist die Rede vom „Network-Hub“, mal vom Fernbusterminal und aktuell vom „SIMMEL Terminal“. Gemeint ist der neue zentrale Busbahnhof hinterm Dresdner Hauptbahnhof zwischen Zug- und Straßenbahngleisen gegenüber des Simmel-Einkaufsmarktes. Schon seit den 1990er Jahren gibt es dafür Pläne und Bedarf. Im Frühjahr 2027 soll das Bauvorhaben nun endlich starten.

Fernbusterminal
Fläche zwischen Zug- und Bahngleisen Foto: Pönisch

Das Projekt ist ambitioniert: Auf einem Streifen von 220 Metern Länge und 25 Metern Breite entsteht bis Mitte 2030 an der Westseite des Wiener Platzes ein moderner Gebäudekomplex aus vier miteinander verbundenen Baukörpern, die zwischen 20 und 30 Meter hoch sind und der mit einem knapp 46 Meter hohen Hochhaus direkt am Platz abschließt. Das überdachte Fernbusterminal erhält zehn Bussteige mit einer Kapazität von 440 Busbewegungen pro Tag. Ergänzt wird das Terminal von Ladenflächen für einen Flixbus-Shop sowie für Reisebedarf und Gastronomie.

Im Hochhaus stehen vom 2. bis zum 9. Obergeschoss jeweils ca. 1023 m² Grundfläche zur Verfügung, die je nach Bedarf des Mieters flexibel gestaltet wird. Pro Etage könnten zum Beispiel 48 Einzelbüros oder bei offener Nutzung etwa 64 Arbeitsplätze entstehen.
In den drei angegliederten Baukörpern sind weitere Büroflächen geplant sowie ein Boardinghaus mit 150 möblierten Appartements und ein Fitnesscenter. Das unterirdische Fahrradparkhaus wiederum wird 800 Stellplätze haben, darunter auch für 25 Lastenräder. Der Zugang erfolgt über eine Rampe und wird an einen zweispurigen Fahrradweg angebunden, der direkt am Gebäude entlangführen und in den öffentlichen Radweg münden wird. Für das Fahrradparkhaus gibt die Stadt einen Zuschuss von 2,5 Millionen Euro dazu, um ein wirtschaftliches Betreiben zu ermöglichen. Das gesamte SIMMEL-Terminal ist mit rund 100 Millionen Euro Baukosten veranschlagt.

Fernbusterminal Simmel Terminal
Peter Simmel Foto: Pönisch

Warum Kaufmann Peter Simmel das Fernbusterminal baut

Der gebürtige Bayer Peter Simmel bezeichnet sich selbst als „Krämer“, betreibt in Bayern, Sachsen und Thüringen 25 Edeka-Märkte, macht damit 300 Millionen Euro Jahresumsatz und beschäftigt 1.600 Mitarbeiter. Auf die Frage, warum er in Dresden nun als Investor in das Projekt Fernbusterminal einsteigt, hat der 67-Jährige eine einleuchtende Erklärung: Am Wiener Platz, direkt gegenüber des künftigen Busbahnhofs, eröffnete er 2022 einen großen Gebäudekomplex mit Lebensmittelmarkt, Büros und Hotel – in der Hoffnung, die 65-Millionen-Investition rechne sich zügig in Verbindung mit dem „Network-Hub“ und dem anvisierten Passagieraufkommen. Die S&G Development GmbH aus Leipzig/Frankfurt am Main hatte bereits 2021 die Baugenehmigung für das Projekt erhalten, bekam aber infolge ständig steigender Baukosten die Finanzierung nicht hin. „Von unserem Markt aus konnten wir über Jahre beobachten, dass auf dem Grundstück nichts passierte“, erklärt Peter Simmel. „Als ich 2025 bei der Stadt nachfragte und erfuhr, dass der bisherige Investor das Vorhaben veräußern will, habe ich die Initiative ergriffen. Mir liegt der Wiener Platz und seine Belebung sehr am Herzen. Daher nehmen wir die Dinge jetzt in die Hand und engagieren uns als Investor und Bauherr.“ Bereits im April hat Simmel der S&G Development das 7.142qm große Grundstück für zehn Millionen Euro abgekauft.

Simmel-Terminal
Visualisierung: Architekten Knerer und Lang

Die Planungen für das Gebäude werden durch das Architekturbüro Knerer und Lang fortgeführt. Von den Dresdner Architekten stammt auch der bisherige Entwurf für das Vorhaben der S&G Development GmbH. Mit Peter Simmel hatten Knerer und Lang bereits das Simmel Gebäude am Wiener Platz geplant und realisiert. Jetzt wurden sie von ihm beauftragt, das neue Vorhaben „SIMMEL Terminal“ punktuell anzupassen. „Bisher sind schon 48 Prozent der Flächen vermietet“, freut sich Peter Simmel. Baubürgermeister Stephan Kühn ist vor allem froh darüber, dass „nicht nur endlich eine dauerhafte und leistungsfähige Lösung für den Fernbusverkehr geschaffen, sondern zugleich eine der letzten großen Brachflächen am Wiener Platz geschlossen wird“. Das werte den Bereich rund um den Hauptbahnhof städtebaulich deutlich auf.