Friedhofsführung für „Lichtblick“-Aktion

Urnenhain Tolkewitz
Der Urnenhain und das Krematorium (ein Erlwein-Bau) entstanden 1911. Foto: Pönisch

DAWO!-Anzeigenzeitung und Historiker Christoph Pötzsch laden am 3. Oktober zu einer besonderen Führung über den Urnenhain Tolkewitz ein. Alle Eintrittsgelder kommen komplett der Stiftung Lichtblick zugute

Friedhöfe sind Orte, die man eigentlich meidet. Schließlich sind sie in erster Linie durch Abschied, Schmerz und Trauer definiert.
Doch Friedhöfe haben eben auch noch eine andere Seite, die Christoph Pötzsch seit vielen Jahren zeigt. Der Dresdner Hobbyhistoriker hat die Geschichte vieler Dresdner Friedhöfe recherchiert, mehrere Bücher darüber geschrieben und lädt regelmäßig zu Führungen ein. Dabei rückt er vor allem vergessene Persönlichkeiten, die dort ihre letzte Ruhestätte fanden, wieder ins Licht der Öffentlichkeit. Das macht er so spannend, locker und unterhaltsam, dass diese Veranstaltungen immer sehr gut besucht sind – und der jeweilige Friedhof zum lebendigen Geschichtsbuch wird.

Tolkewitzer Urnenhain: Von Ponto bis Dixie Dörner

Mit einem Friedhof ist Christoph Pötzsch ganz besonders verbunden. Es ist der Dresdner Urnenhain in Tolkewitz. Zum einen befindet sich hier das Grab seiner Eltern (sein Vater Christian war Sänger an der Semperoper Dresden und Intendant der Landesbühnen Sachsen). „Zum anderen ist der Urnenhain vielleicht der interessanteste Friedhof, den es in Dresden gibt“, sagt Pötzsch. Entstanden ist er 1911 als Ergebnis eines neuen Zeitgeistes. Bis dahin war die Feuerbestattung in Deutschland ein im wahrsten Sinne des Wortes „heißes Eisen“. In Sachsen wurde sie erst 1906 zugelassen. Das Krematorium mit der Feierhalle nach den Plänen von Fritz Schumacher wurde ein moderner (Erlwein-)Bau im Stil der Reformbaukunst und ist heute ein prägnantes Zeichen der Zeit des frühen 20. Jahrhunderts.

Doch das Besondere an diesem friedlich-ruhigen Areal mitten in Tolkewitz sind die Persönlichkeiten, die hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Darunter befinden sich Schauspieler Erich Ponto (Prof. Schnauz in der „Die Feuerzangenbowle“) und Fußball-Legende Dixie Dörner. Aber auch der Bildhauer Edmund Moeller, der 1958 in Dresden verarmt und vergessen starb, jedoch in Südamerika bis heute verehrt wird. Sein Freiheitsdenkmal in Peru ist eines der wichtigsten Kunstwerke Südamerikas. Oder das Grab des tapferen Dresdner Arztes Willy Katz, der im 3. Reich unter persönlichen Gefahren vielen Juden das Leben rettete. Auch die versteckte Grabstelle von Zirkuslegende Hans Stosch-Sarrasani und ein geheimnisvolles leeres Grab sind auf dem Rundgang zu finden, die Christoph Pötzsch einmal jährlich für Interessenten macht.

Einmal im Jahr: Am 3. Oktober gibt’s besondere Führung

Die einzige Führung in diesem Jahr wird es am 3. Oktober geben. Und sie wird eine ganz besondere werden: Denn Christoph Pötzsch und DAWO! Dresden am Wochenende laden alle interessierten Dresdner ein, zugleich etwas Gutes zu tun. Alle Gelder, die durch Eintritt an diesem Tag eingenommen werden, gehen 1:1 an die Stiftung Lichtblick der Sächsischen Zeitung. Sie wurde 1996 ins Leben gerufen und hilft seither Menschen, die in Not geraten sind. Allein im Spendenzeitraum November 2025 bis Januar 2026 spendeten knapp 7.500 Menschen und Institutionen aus unserer Region 773.991 Euro. Und in diesem Jahr soll auch ein Friedhof zu einem „Lichtblick-Ort“ werden…

Führung am 3. Oktober, 14 Uhr, Dauer 2 Stunden, Treff Eingang Wehlener Straße 15 (ggü. Restaurant „Athen“), Eintritt 10 Euro, Spende an SZ-Aktion „Lichtblick“