Deutschlands erster Schlaganfall-Lotse nominiert für Motivationspreis 2026

Schlaganfall-Lotse
Uwe Helbig © Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe)

Lotsen navigieren traditionell über Gewässer oder unwegsames Gelände. Aber was bitte ist ein Schlaganfall-Lotse? Die Antwort lautet: Jemand, der Betroffene und ihre Angehörigen bis zu zwölf Monate lang nach ihrem Schlaganfall begleitet.

Und zwar von der Zeit des Klinikaufenthalts über die Reha bis hin zur häuslichen Nachsorge. Sie navigieren quasi durch die oft sehr komplexe, oft bürokratische und komplizierte Welt aus Therapie, Rehabilitation und Sozialleistungen. Das erste Schlaganfall-Lotsen-Projekt Deutschlands startete 2011 am Uniklinikum Dresden zusammen mit der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe.

Uwe Helbig, Lote der ersten Stunde

Uwe Helbig war von Anfang an dabei. Der gelernte Anästhesie- und Intensivpfleger arbeitete bereits vor Projektstart auf der anästhesiologischen Intensivstation der Uniklinik. Weil er außerdem zuvor eine Weiterbildung im Case Management (Arbeitsweise der Lotsen) absolviert hatte, wählte ihn sein Arbeitgeber als ersten Lotsen aus. Ein weiterer Vorteil: Mit der Akutversorgung von Schlaganfall-Betroffenen war Helbig durch seine Zeit auf der Intensivstation bereits vertraut. „Die Nachsorge war aber völliges Neuland für mich“, erinnert er sich an die Anfangszeit.

Das Dresdener Lotsen-Projekt gibt es bis heute – auch dank der Unterstützung der Klinikdirektion. Denn seit Auslaufen der ersten Fördergelder finanzieren sich die Dresdener Schlaganfall-Lotsen über Drittmittelprojekte oder eigene Mittel des Uniklinikums. Seit 2015 gibt es zudem einen sogenannten Selektivvertrag mit der AOK PLUS. Aktuell ist das Lotsen-Team um Uwe Helbig zu viert. Und sie betreuen nicht nur Schlaganfall-Patientinnen und -Patienten aus Dresden. „Wir haben verschiedene Kooperationen mit Kliniken in Ost- und Mittelsachsen“, erklärt Helbig. So können die Lotsen Betroffene aus einem Umkreis von bis zu 40 Fahrtminuten um die Landeshauptstadt herum begleiten.

Nominiert für den Motivationspreis 2026

Was reizt Uwe Helbig eigentlich an dieser Aufgabe? „Ein Unterstützungsnetzwerk für Schlaganfall-Betroffene zu initiieren und wachsen zu sehen, das bis heute Bestand hat“, sagt er. Zu diesem Netzwerk gehören neben Fachleuten aus Medizin und Therapie auch Selbsthilfegruppen und ehrenamtliche Schlaganfall-Helfer.
Ohne Helbig gäbe es mehrere dieser Angebote gar nicht. Zum Beispiel war er an der Umsetzung des Dresdener Helfer-Projekts beteiligt, ebenfalls eine Kooperation mit der Schlaganfall-Hilfe. Und 2012 gründete er eine Selbsthilfegruppe für Schlaganfall-Betroffene. Der Dresdener findet: „Es ist eine der schönsten Erfahrungen während meiner Zeit als Schlaganfall-Lotse, dass die Gruppe jetzt auf eigenen Füßen steht.“

Für sein Engagement ist Uwe Helbig nun für den Motivationspreis 2026 der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe nominiert. Die Gütersloher Stiftung verleiht den Preis alle zwei Jahre an Menschen, die sich als Betroffene, Ehrenamtliche oder Fachleute in herausragender Weise für das Thema Schlaganfall engagieren.