Epilepsiezentrum Kleinwachau: Klinikführung 3.0 – Dreierteam statt Chefarzt-Leitung

Epilepsiezentrum Kleinwachau
Prof. Dr. Felix von Podewils, Ärztlicher Direktor, Susan Rege, Dr. Peter Hopp (v.l.) Patrick Ziob/Epilepsiezentrum Kleinwachau

Eigentlich war alles klar: Dr. Felix von Podewils übernimmt als Nachfolger von Dr. Thomas Mayer die Chefarztstelle in Kleinwachau. Er war der Wunschkandidat aus sechs bis sieben Bewerbern, die für Geschäftsführerin Sandra Stöhr in die engere Wahl bei der Neubesetzung des Posten gekommen waren.

Doch dann kam plötzlich alles anders. Podewils Ehefrau, eine Neuropsychologin, bekam ein sehr gutes berufliches Angebot, das sie nicht ausschlagen konnte und wollte. Und so stand plötzlich der Umzug der Familie nach Dresden und damit auch die Besetzung der Chefarztstelle auf der Kippe.

Mutige Entscheidung. Und Modell für andere?

Besondere Situationen bedürfen besonderer Entscheidungen. Für das Epilepsiezentrum Kleinwachau hieß das: Wenn wir unseren Wunschkandidaten schon nicht als Vollzeit-Chefarzt an die Klinik bekommen, dann in Teilzeit und mit zwei kompetenten Experten an seiner Seite für das operative tägliche Geschäft vor Ort. Die Lösung heißt Dreierteam – im deutschen Klinikalltag ein innovativer und mutiger Schritt.

Seit kurzem ist Wunschkandidat Felix von Podewils nun also Teilzeit-Chefarzt in Kleinwachau, verantwortlich für strategische und fachliche Weiterentwicklung des medizinischen Bereichs. Der 47-Jährige ist ein anerkannter Experte auf dem Gebiet der Epileptologie und seit zehn Jahren Leiter des Epilepsiezentrums der Universitätsmedizin Greifswald. Und das wird er zu 70 Prozent dort auch bleiben.

Nach Kleinwachau kommt er inzwischen jeden Monat für jeweils eine Woche. An seiner Seite stehen Dr. Peter Hopp und Susan Rege für den medizinischen Klinikalltag. Während Dr. Hopp die medizinische Leitung übernimmt, verantwortet Susan Rege die Themen Organisation, Prozesse und Digitalisierung. „Anfangs war ich nicht so überzeugt, ob das klappt“, gibt Dr. Hopp zu. Doch mittlerweile sei er positiv überrascht und überzeugt, dass diese Lösung eine gute ist. „Ein Chefarztwechsel ist meistens mit einem Bruch im Klinikalltag verbunden. Hier in Kleinwachau ist das absolut nicht der Fall“, so seine Beobachtung.

Für Felix von Podewils gibt es dafür auch keinen Anlass: „Das Epilepsiezentrum Kleinwachau hat eine unglaubliche Expertise und ein sehr hohes Niveau auf dem Gebiet Epilepsie und Mehrfachbehinderung. Diesen Weg werde ich mit meinem Team natürlich fortsetzen.“

Auf die Frage, warum aus den eigenen Reihen kein neuer Chefarzt gewonnen werden konnte, gibt Geschäftsführerin Sandra Stöhr zu: „Es gab schlicht keinen Bewerber.“ Als Grund sieht sie vor allem die hohen Anforderungen, die neben der medizinischen Exzellenz gefragt sind. „Ein Chefarzt muss heute auch die strategische Entwicklung des Hauses im Blick haben, dazu noch das Organisationsmanagement, die Digitalisierung und er trägt die wirtschaftliche Verantwortung.“ Am Ende sei dieses Teilzeit-Chefarzt-Modell mit Verteilung der Leitung auf mehrere Schultern sogar das Modell der Zukunft für viele andere Kliniken, die inzwischen fast alle mit Personalproblemen zu kämpfen haben.

Klinikambulanz startet wiede

Zum 1. Dezember wird die Epilepsie-Klinikambulanz ihre Arbeit als sogenannte „ambulante Spezialfachärztliche Versorgung“ fortsetzen, so wie sie von Dr. Thomas Mayer gegründet wurde. Eine strikte Trennung zwischen ambulanter und stationärer Behandlung gibt es hier nicht, sowohl Erwachsene als auch Kinder mit Epilepsie können hier in Kleinwachau behandelt werden.