Warum das Blaue Wunder in dieser Woche voll gesperrt ist

Blaues Wunder, Loschwitzer Seite: Hier begannen die Stahlarbeiten im Mai 2025. Foto: Pönisch

Vom 9. bis 20. Oktober ist die Loschwitzer Brücke über die Elbe voll gesperrt. Grund ist der Aufbau des zweiten Baugerüstet auf Blasewitzer Seite. Dort sollen demnächst die Sanierungsarbeiten am Stahlaufbau starten. Weitere Sperrwochenende sind im November geplant.

Auch wenn von außen betrachtet nicht viel zu sehen ist: Unter der sogenannten „staubdichten Schutzeinhausung“ geht es richtig zur Sache. Mitarbeiter der Firma Leonhard Weiss GmbH & Co. KG aus Langen verwandeln sich dafür Tag für Tag in Astronauten. Ihre Aufgaben: Aus dem Grauen wieder ein Blaues Wunder machen. „Dafür müssen sie luftundurchlässige Schutzanzüge mit belüftetem Helm und kleinem Sichtfenster tragen“, erläutert Weiss-Projektleiterin Franziska von Dreusche. Wer so verkleidet ist, kann nur zwei Stunden arbeiten, dann wird gewechselt.

Was unter den Planen geschieht

Seit Mai 2025 laufen die umfangreichen Instandsetzungsarbeiten am Korrosionsschutz und an den Stahlbauteilen auf der Loschwitzer Seite des Blauen Wunders. Dafür sind die ersten beiden von insgesamt 14 Teilabschnitte eingehaust. Mit Strahldüsen und Hochdruck wird die alte Beschichtung abgestrahlt – deshalb die luftdichten Arbeitsschutzanzüge. Das kontaminierte Material – feiner Staub aus Hochofen-Schlacke, Beschichtungsstoffen und Dreck – wird abgesaugt und entsorgt. „Rund 150 Tonnen waren das bis jetzt“, weiß Robert Bauch. Projektleiter im städtischen Bauamt. Nach dem Abstrahlen untersuchen die Fachleute die freigelegten Stahlteile. Ist etwas defekt, muss es ersetzt werden. Erst danach kommt der neue Korrosionsschutz drauf. Der besteht aus insgesamt vier Schichten: Die erste ist gelb, dann folgen rot und grau und erst die vierte Schicht ist das typische Brückenblau, wie es bereits im flachen Mittelteil der Brücke strahlt.

Die Arbeiten auf der Loschwitzer Seite dauern bis 2030, die Blasewitzer Seite soll 2031 fertig sein. Dafür wurde in dieser Woche unter Vollsperrung (noch bis 20. Oktober) das ausladende Baugerüst aufgebaut. Weitere Wochenend-Vollsperrungen sind vom 30. Oktober bis 2. November sowie an allen drei folgenden November-Wochenenden jeweils ab Freitag 21 Uhr bis Montag Uhr nötig. In der letzten Oktoberwoche will das Stadtbezirksamt Gewerbetreibende und Anwohner einladen, um über den weiteren Ablauf zu informieren.

Was das Blaue Wunder kostet

Marode Stahlteile ersetzen, vierfachen Korrosionsschutz aufzutragen – das kostet. Insgesamt sind dafür Stand jetzt 34 Millionen Euro veranschlagt. Rund die Hälfte davon muss die Stadt stemmen, die andere Hälfte kommt über Fördermittel. Ab 2031 soll Dresdens Wahrzeichen dann wieder im Originalfarbton von 1893 erstrahlen. Mindestens 30 Jahre muss das neue Blau halten.
Doch damit sind die Bauarbeiten an der Loschwitzer Brücke längst nicht beendet. „Das ist wie beim Zwinger, da hat die Zwingerbauhütte auch immer zu tun“, sagt Straßenbauamtsleiterin Simone Prüfer. Als nächstes müssen die Ankerkammern umfassend saniert werden.

Vollsperrungen:

9.- 20. Oktober, 30. Oktober bis 2. November, 6. – 9. November, 13.-16. November, 20.-23. November. jeweils freitags ab 21 Uhr bis montags 4 Uhr