Wenn es in Dresden ein Beispiel für jahrzehntelange Umweltsünden und deren Folgen gibt, dann steht das Areal Rosenstraße 77 exemplarisch genau dafür. Allein die 1991 in mehreren Metern Tiefe entdeckten 18 Tanks mit flüssigen Chemikalien sprechen Bände.
Seit 1962 hatte die Fläche mehrere Eigentümer: Zu DDR-Zeiten diente das 15.000 Quadratmeter große Areal als Lager- und Umschlagplatz für Chemikalien des VEB Chemiehandel. Nach der Wende ging es an private Eigentümer über, zuletzt gehörte es dem Potsdamer Chemiehandel. Der sollte das Grundwasser reinigen, rutschte aber 2002 in die Insolvenz und hinterließ einen Schuldenberg in Millionenhöhe. Die Jahrhundertflut in jenem Jahr gab dem Areal den Rest. Bis heute ist die Erde belastet mit allen möglichen Ölen, Teer und weitere Chemikalien.
Seit 2018 ist die Stadt notgedrungen Eigentümerin des Grundstücks. Sie ließ die alten Lager- und Bürogebäude, Tanklager, Gleisanlagen, Verladerampen, Garagen und Werkstattgruben abreißen, Fundamente und Bauschuttreste unter dem ehemaligen Lagergebäude entfernen. Doch das eigentliche Problem liegt noch immer tief im Boden versteckt und heißt verseuchtes Grundwasser. Seit rund 20 Jahren wird es mit einer Reinigungsanlage behandelt, die Schadstoffe herausfiltert. Kosten: rund 220.000Euro jährlich. Doch diese Lösung ist nicht nachhaltig: Wie lange die Anlage betrieben werden muss und welche Kosten insgesamt dadurch entstehen, lässt sich nicht verlässlich absehen.

Neue Lösung heißt Mikrobiologische Sanierung
Nun scheint in eine Lösung in greifbarer Nähe. Statt den gesamten Boden großflächig auszutauschen, wird ein Verfahren angewendet, das sich nach achtmonatiger Testphase als geeignet erwies. Es ist das mikrobiologische In-Situ-Verfahren, bei dem spezielle Mikroorganismen die Schadstoffe direkt im Untergrund abbauen. Bevor die Mikroorganismen ihre Arbeit aufnehmen können, muss im Grundwasser ein sauerstofffreies Milieu entstehen. Dafür bringen Fachleute ein Gemisch aus Eisengranulat und Nährstoffen in den Untergrund ein. Sie nutzen dazu die sogenannte Direct-Push-Sondierung: Eine Injektionslanze führt den Wirkstoff direkt in den Boden und verteilt ihn in acht bis 15 Metern Tiefe.
Bis sich die erforderlichen Bedingungen im Grundwasser eingestellt haben, dauert es voraussichtlich etwa vier Monate. Im Frühjahr nächsten Jahres folgt dann die sogenannte Bioaugmentation. Dabei werden spezielle Mikroorganismen in den Untergrund eingebracht, die dort die leichtflüchtigen halogenierten Kohlenwasserstoffe abbauen, mit denen der Boden und somit das Grundwasser verunreinigt sind. Während der Sanierung entnehmen Fachleute regelmäßig Boden- und Grundwasserproben. Nach einem halben Jahr, also im Herbst 2027, wollen die Experten eine erste belastbare Einschätzung geben, wie lange die Sanierung insgesamt dauern wird.
Die Gesamtkosten für die mikrobiologische Sanierung belaufen sich auf rund 6,5 Millionen Euro, Freistaat und die EU stellen dafür 4,8 Millionen Euro bereit.
Wenn die Arbeiten abgeschlossen sind, soll ein Teil des Geländes begrünt, der größte Teil als neuer Gewerbehof der städtischen Tochter Technologiezentrum Dresden bebaut werden.