Erich Kästner hat Erlebtes aufgeschrieben

Historische Postkarte des Dresdner Albert-Theaters, wo Erich Kästner zahlreiche Vorstellungen besuchte.

Geboren 1899 in Dresden, verbrachte Erich Kästner die ersten zwanzig Jahre seines Lebens hier, was ihn später in seinem Buch „Als ich ein kleiner Junge war“ sagen ließ: „Und ich selber bin, was sonst ich auch wurde, eines immer geblieben: ein Kind der Königsbrücker Straße. Dieser merkwürdig dreigeteilten Straße mit ihren Vorgärten am Anfang, ihren Mietshäusern in der Mitte und ihren Kasernen, dem Arsenal und dem Heller, dem sandigen Exerzierplatz am Ende der Stadt.“

An der Königsbrücker Straße steht bis heute sein Geburtshaus. Natürlich kein Geburtshaus im heutigen Wortsinn, sondern damals waren Hausgeburten üblich.
Am 23. Februar meldete sich früh morgens auf dem Stubensofa in der billigen Wohnung unterm Dach ein neuer Erdenbürger zu Wort. „Jedesmal, wenn ich an dem Haus vorüberging, dachte ich: Hier bist du also zur Welt gekommen. Manchmal trat ich in den Hausflur hinein und blickte mich neugierig um. Doch er gab mir keine Antwort, es war ein wildfremdes Haus. Dabei hatte mich meine Mutter, mitsamt dem Kinderwagen hundert- und aberhundertmal die vier Treppen herunter- und hinaufgeschleppt! Ich wußte es ja. Aber das half nichts. Es blieb ein fremdes Gebäude. Eine Mietskaserne wie tausend andre auch.“

Den Erinnerungen hinterher

Andere Orte bedeuteten dem Schriftsteller mehr. Als er nach der Zerstörung Dresdens 1945 seine Heimat zum ersten Mal wieder besuchte, beschrieb er dies so: „Ich lief einen Tag lang kreuz und quer durch die Stadt, hinter meinen Erinnerungen her. Die Schule? Ausgebrannt… Das Seminar mit den grauen Internatsjahren? Eine leere Fassade… Die Dreikönigskirche, in der ich getauft und kon-firmiert wurde? Und die anderen Erinnerungsstätten, die nur mir etwas bedeutet hätten? Vorbei. Vorbei.“

Zu diesen privaten Erinnerungsstätten gehört auch das Grundstück seines reichen Onkels Augustin, das heute das Kästner-Museum beherbergt. Seine Aufenthalte dort beschrieb Kästner im Rückblick so: „(…) da sich Tante Lina in ihrer Villa recht fremd fühlte, war sie froh, wenn wir sie besuchten. Bei schönem Wetter kam ich schon nachmittags. Der Onkel saß in irgendeinem Schnellzug. Die Tante schrieb hinter ihrem Schreibtisch in der Hechtstraße Rechnungen und Quittungen. “

Theater ein zweites Zuhause

„Bald wurden die Dresdner Theater mein zweites Zuhause. Und oft musste mein Vater allein zu Abend essen, weil Mama und ich, meist auf Stehplätzen, der Muse Thalia huldigten. Unser Abendbrot fand in der großen Pause statt. In Treppenwinkeln. Dort wurden die Wurstsemmeln ausgewickelt. Und das Butterbrotpapier verschwand, säuberlich gefaltet, wieder in Mutters brauner Handtasche.

Wir bevölkerten das Alberttheater, das Schauspielhaus und die Oper. Stundenlang warteten wir auf der Straße, um, wenn die Kasse geöffnet wurde, die billigsten Plätze zu ergattern. Misslang uns das, so gingen wir niedergeschlagen heim, als hätten wir eine Schlacht verloren. Doch wir verloren nicht viele Schlachten. Wir eroberten uns unsere Stehplätze mit Geschick und Geduld. Und wir harrten tapfer aus. Wer jemals den Faust oder eine Oper von Richard Wagner buchstäblich durchgestanden hat, wird uns seine Anerkennung nicht versagen.“

Der Spaziergang mit Igeltour schaut hinter die Fassaden von Geburtshaus und Schulweg, reflektiert Episoden seines Buches vor den erhaltenen historischen Hauseingängen ebenso wie in den Hinterhöfen des Gründerzeitviertels. Die Führung entlang der Königsbrücker, Louisen- und Alaunstraße eignet sich daher auch für Familien, für Groß und Klein ab sechs Jahren.

25. Mai und 26.10., jeweils 17 Uhr, Karten zu 8/6 Euro am Treff „Schauburg“, Königsbrücker Straße 55, mehr Infos unter: www.igeltour-dresden.de

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