Klangvoll und verwegen ist das Nomadenleben

Aus der Wüste ins Haifischbecken der Musikbranche – die Band Imarhan erfrischt mit einer zauberhaft-exotischen Klangwelt / Foto: PR
Aus der Wüste ins Haifischbecken der Musikbranche – die Band Imarhan erfrischt mit einer zauberhaft-exotischen Klangwelt / Foto: PR

Dass das Nomadenvolk der Tuareg keine Hauptstadt hat, passt ins Bild einer jeden Band, die ständig unterwegs sein möchte, um auf den Bühnen dieser Welt Heimat zu finden. Die algerische Band Imarhan fand u.a. auch Heimat in Deutschland, weil sich ein deutsches Label namens City Slang für die Exoten stark macht.

Kein Wunder, versprüht doch die Musik des Wüsten-Quintetts eine eigenartige Faszination mit einem hypnotischen, ja, fast meditativen Sound. Und laut Ankündigung wird man überwältigt von der Ekstase und dem Willen, das Tanzbein zu schwingen.

Feingefühl im Wüstenmeer

Die Musiker aus dem südalgerischen Ort Tamanrasset vermengen panafrikanische Rhythmen und traditionelle Tuareg-Musik mit globalem Funk-, Fuzz-, Pop- und Soul-Rock. Und ähnlich wie ihre seelenverwandten Stammes- und Musikerkollegen von Tinariwen gilt die Band Imarhan als Sprachrohr einer neuen, aufblühenden Generation ihres Wüstenvolkes – ein Weckruf, der die Menschen daran erinnern soll, „dass wir alle miteinander verbunden sind und dass wir nur durch die Akzeptanz dieser eigentlich untrennbaren Vereinigung die Probleme aller Kulturen lösen können.“

Dass das Sahara-Nomadenvolk der Tuareg ein fahrendes Berber-Volk ist, kann man hören, die Musik nimmt einen regelrecht mit auf eine Reise durch das Wüstenmeer, welches immer auch ein Schmelztiegel der Kulturen war. Von den Tuareg werden neben ihrer eigenen Sprache mehrere Verkehrssprachen gesprochen, von Songhai über Arabisch und Hassania bis Französisch; ihre Schrift ist das Tifinagh. Sie lebten jahrhundertelang nomadisch im Gebiet der heutigen Staaten Mali, Algerien, Niger, Libyen und Burkina Faso und zählen heute etwa zwei, nach Eigenangaben bis zu drei Millionen Menschen.

Imarhan repräsentieren eine neue Generation von Künstlern, denen es gelingt trockene Gitarrenriffs, Pop-Melodien, panafrikanische Rhythmen mit traditionelle Tuareg Musik zu verschmelzen um einen ganz eigenen Sound zu erschaffen, mit einer vielschichtigen Varianz in Rhythmen, Tempo und Gefühl.

Die Songs kommen durchaus komplex, poetisch, urban, aber auch etwas vertrackt daher, allerdings gespielt mit viel Feingefühl. Es gibt viel Raum in den Songs, zum Nachdenken und Abdriften aber gleichzeitig wirken sie sehr intim. In Tarmashek, der Muttersprache der Band steht Imarhan für „die, die mir etwas bedeuten/um die ich mich kümmere.“

Gut für die Konzertgänger, und auch die wüstenähnlichen Temperaturen dürften zur Authentizität des Ganzen im Dresdner Beatpol beitragen. (Tom Vörös)

Imarhan, 9.8., 21 Uhr, Beatpol, Dresden, Tickets ab 16,10 Euro gibt es online.

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