Graffiti-Entfernung: Wo der „Tornado“ mit Walnussschalen auf Farbe schießt

Graffiti
Jens Ehlemann, Bereichsleiter der DB Service

Was tun gegen wilde Graffiti? Nicht jede Schmiererei kann mit Farbe übertüncht werden. An der Albertbrücke ist in den nächsten Wochen ein Spezialteam mit einem speziellen „Kollegen“ zugange, um den Sandstein von Farbe zu befreien.

Der „Tornado“ sieht aus wie R2-D2, der Roboter aus der „Star Wars“-Reihe von George Lucas. Im Unterschied zu jenem Astrodroiden aus dem Film kann das hiesige Gerät jedoch nicht direkt mit Menschen kommunizieren und es ist auch nicht gemacht, um die Außenhüllen von Raumschiffen zu reparieren. Der „Droide“, der hier an der Albertbrücke seinen Dienst tut, ist in gewissem Sinne eine fleißige Putzmaschine, die unter anderem mit Walnussschalen auf Sandstein schießt, um Farbe zu entfernen.

Stadt hat Geld und ein Graffiti-Konzept

„Graffiti ist nicht gleich Graffiti“, sagt Ordnungsbürgermeister Detlef Sittel. Zu unterscheiden sei der Kunstform Urban Art und wilder Schmiererei. Für die Kunstform gibt es offizielle Sprühflächen, sogenannte Legal Plains. Eins der besten Beispiele für kunstvolles Sprühen auf Legal Plains sind die Bahnbögen am Bahnhof Mitte.

Doch der Reiz liegt wie bei vielen anderen Dingen auch bei Graffiti im Verbotenen. Und noch vor drei, vier Jahren galt es unter den Sprayern als „no go“, historische Sandstein-Bauwerke zu besprühen. Doch die friedlichen Zeiten für das sensible Gestein scheinen vorbei. Zu sehen ist das besonders an den historischen Brücken in Dresden. Vor allem die Albertbrücke ist ein unrühmliches Beispiel dafür.

Deshalb hat die Stadt jetzt ein kriminalpräventives Graffitikonzept vorgestellt, im Doppelhaushalt dafür 150.000 Euro pro Jahr eingestellt und mit der DB Services, einem Tochterunternehmen der Deutschen Bahn, eine auf Graffiti-Entfernung spezialisierte Firma gefunden, die die illegalen Wandbilder in den nächsten zwei Jahren entfernen soll.

Beschuss mit Granulat aus Walnüssen oder Glas

Hier kommt der „Tornado“ ins Spiel, jener R2-D2-ähnliche, rund 1,20 Meter hohe Metallkübel. Er enthält verschiedene chemiefreie Granulate, die mit bis zu 150 bar Hochdruck auf die bemalten Stellen „geschossen“ werden. Mittels Unterdruckverfahren werden die so gelösten Farbpartikel und das Granulat wieder eingesaugt, so dass die Graffiti-Entfernung staubfrei erfolgt. „Das Strahlgut selbst kann 60 bis 80 mal wiederverwendet werden“, sagt Servicebereichsleiter Jens Ehlemann.

Für die Reinigung eines Quadratmeters Sandstein braucht sein dreiköpfiges Team etwa anderthalb Stunden. „Es kommt darauf an, ob die Farbe komplett von der Wand verschwinden oder nur heller werden soll“, so Jens Ehlemann. Nicht vergessen dürfe man jedoch, dass Sandstein ein weiches, offenes Gestein sei, dessen Oberfläche bei jeder Hochdruckbehandlung abgelöst werde. Irgendwann, so der Experte, könne dann nicht mehr sandgestrahlt werden, auch wenn der „Tornado“ sehr schonend arbeiten würde.

Wettrennen: Wer ist schneller?

2.142 Straftaten in Zusammenhang mit illegalem Graffiti wurden 2020 bei der Polizei aufgenommen, das waren 20,5 Prozent mehr als 2019. Tendenz für 2021? Steigend. Die Dunkelziffer dürfte bedeutend höher liegen, denn längst nicht jedes hingeschmierte Bild wird angezeigt. Das Problem ist: Wo Flächen gereinigt oder komplett neu gestrichen werden, fühlen sich Schmierfinken umgehend aufgefordert, sie erneut zu „verzieren“. Was wiederum einem Wettlauf zwischen Reinigungsteams und Sprayern gleichkommt. Die Schmierfinken ihr Werk selbst wieder entfernen lassen? „Bin ich dafür“, sagt Detlef Sittel. „Nur müssen sie zuvor gefasst werden.“ Was leider selten passiert.

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