Dresdner Residenzschloss: Der Altan im Großen Schlosshof ist wieder zurück

Altan Großer Schlosshof Schloss Dresden

Der Altan im Hof des Dresdner Schlosses ist ein riesiger Balkon mit farbenfroher Bemalung. Er gilt heute als eine der bedeutendsten Renaissanceplastiken nördlich der Alpen. Heute wird es offiziell von den Restauratoren übergeben.

Am Ende ging es doch schneller als noch Ende Juni vermutet. Vielleicht trug ja auch der scheinbar nicht enden wollende Spätsommer dazu bei, dass die Künstlergruppe um Bauforscher und Restaurator Matthias Zahn so gut bei der Ausgestaltung des dritten Fresko am Altan im Schlosshof vorankam. Denn eigentlich sollte der prachtvoll ausgemalte Altan, ein vom Erdboden aus gestützter balkonartiger Balkon, erst Anfang 2024 in alter Pracht wieder strahlen. Nun wurde die Fertigstellung dieses einzigartigen Wandbildes schon am 1. Dezember gefeiert.


Geschichte des Altans

Diesen Altan mit der bildgewaltigen Farbenpracht, die jedem Besucher die Sprache verschlägt, sobald er den Schlosshof betritt – genauso wollte es Kurfürst Moritz von Sachsen haben. 1549 hatte er Italien bereist, prächtige Bauten mit prächtiger Malerei gesehen und sich wie so viele andere Herrscher Europas in die italienische Renaissance verliebt. Weil das Residenzschloss zwischen 1547 und 1556 ohnehin umgebaut wurde, war die Gelegenheit also günstig, hier etwas Großes und Modernes schaffen zu lassen. Das Schloss sollte nichts weniger werden als die modernste Residenz nördlich der Alpen.
Es waren die Brüder Gabriel und Benedict da Tola aus Brescia, die die Wand der 19 Meter breiten und 16 Meter hohen Loggi an der Rückseite des Hausmannsturms mit Szenen aus der biblischen Geschichte verzierten. Bis zu 5,70 Meter hoch sind die einzelnen Fresken, sie heißen „Die Königin von Saba besucht König Salomo in Jerusalem“, „Die Heiligen drei Könige, die den Heiland anbeten“ und „Saulus, der zum Paulus bekehrt wird“. Die Brüder nutzten damals Erdfarben wie Ocker, Grün und Rottöne, blaues Glaspulver, Holzkohle für Schwarz, Kalk für Weiß. Und sie wendeten die sogenannte Frisch-in-Frisch-Technik an, indem sie auf frisch aufgetragenem Putz malten.

Noch im Juni dieses Jahres wurde am großen Fresko von der Wandlung des Saulus zum Paulus gemalt. Foto: Pönisch

Die Pracht von Schloss und Schlosshof währte nur bis 1701. Ein Brand zerstörte Fresken und auch Sgraffiti (Putzkratzbilder mit schwarzer Kalkfarbe auf weißem Grund), die unter anderem aus dem Alten Testament erzählen. Ein Teil des Innenhofschmucks wurde Ende des 19. Jahrhunderts einfach übermalt und das Wenige, das übrig geblieben war, vernichteten 1945 die Bomben über Dresden.
Zum Glück war nicht alles verloren. Matthias Zahn wertete viele Jahre lang alte Modelle des Schlosses aus, studierte historische Stiche und Ölgemälde aus dem 17. Jahrhundert. Im Kupferstichkabinett fand er einige Skizzen der Gebrüder Tola und dann gibt es noch ein Foto des Dresdner Fotografen Hermann Krone aus dem Jahr 1865. Mit seinem siebenköpfigen Restauratoren-Team besuchte Zahn Villen, Kirchen und Paläste in Italien, um die Fresken des 16. Jahrhunderts zu studieren und herauszufinden, in welchem Stil die Tola-Brüder malten. Man habe lernen müssen, „zu arbeiten wie die Künstler im 16. Jahrhundert“, sagt der Bauforscher schon 2020, als das erste Fresko fertiggestellt war. Viel Wert legt er deshalb auf die Anmerkung, dass es sich bei der Altan-Malerei heute um das Nachempfinden der Malerei der Tola-Brüder handelt, nicht um die Restauration des Kunstwerks.


Nun also ist das letzte Altan-Bild, die Wandlung des Saulus zum Paulus, fertig. Allein in den Großen Schlosshof flossen bisher 13 Millionen Euro. In den Wiederaufbau des Schlosses insgesamt steckten Bund und Freistaat bisher 390 Millionen.

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