Die Olympischen Winterspiele beginnen am 6. Februar. Während in Norditalien die Athleten aus aller Welt um Medaillen kämpfen, wird ein Dresdner die Wettkämpfe im Eiskunstlauf besonders interessiert verfolgen. Kein Wunder, denn der frühere Weltklasse-Eiskunstläufer Jan Hoffman ist mit den Olympischen Ringen über Jahrzehnte eng verbunden.
Bei sieben Olympiaden dabei
Viermal lief er zwischen 1968 und 1980 selbst übers olympische Eis, gab als jüngster männliche Teilnehmer in der Geschichte der Winterspiele mit nur zwölf Jahren 1968 in Grenoble sein Debüt. In Sapporo wurde er 1972 Sechster und belegte in Innsbruck den vierten Platz. Bei der vierten Teilnahme war er Fahnenträger für das DDR-Team und krönte seine Laufbahn 1980 in Lake Placid mit dem Gewinn der Silbermedaille.
Mit insgesamt 15 Medaillen, gewonnen bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften, darunter sieben goldene, ist Jan Hoffmann der erfolgreichste deutsche Eiskunstläufer aller Zeiten.
Nach dem Ende seiner sportlichen Karriere erlebte er noch drei weitere Olympische Spiele aus anderer Perspektive – als Preisrichter der Internationalen Eislauf-Union.
Aus dem internationalen Geschäft hat sich der 70-Jährige mittlerweile zurückgezogen. „Nach dem Rücktritt von der Wettkampfbühne musste ich mich erstmal neu erfinden“, blickt er heute zurück. Bis vor zwei Jahren praktizierte er als Orthopädischer Facharzt erfolgreich in seiner Praxis in Radeberg. Möglich war das durch ein Medizinstudium, das er bereits 1978 begonnen hatte. „1974 hatte ich mich schwer verletzt, ein Meniskusschaden. Die erfolgreiche Operation und die die nachfolgende Rehabilitation waren ganz gewiss ein bestimmender Faktor für meinen Entschluss, ein Medizinstudium aufzunehmen.“
Olympiamedaille trotz Doppelbelastung
Der „Professor“, wie ihn Reporter-Legende Heinz-Florian Oertel und seine Trainingskameraden einst nannten, hatte sich zum Facharzt für Orthopädie gewandelt. 1986 war das Studium abgeschlossen, doch die ersten zwei Jahre des Studiums absolvierte Jan Hoffmann die Doppelbelastung zwischen Hörsaal und Eishalle. Mit Erfolg, was der Gewinn der Silbermedaille von Lake Placid beweist. „Ich glaube, ich habe alles richtig gemacht und würde alles genauso wieder so machen“, lautet sein Fazit. „Ich war immer ziemlich ehrgeizig und habe durch den Sport Eigenschaften wie Willensstärke, beharrlich Ziele verfolgen und sich durchbeißen können auch für mein späteres Leben mitgenommen. Dazu gehört auch der erfüllte Wunsch, als Arzt für Menschen zu arbeiten, zu helfen und Schmerzen zu lindern.“
Mit 70 Jahren fühlt sich der ehemalige Eislauf-Star auf jeden Fall noch lange nicht alt. „Ich halte mich nach wie vor fit, wenn auch nicht mehr so oft auf dem Eis. Wir sind eine sportliche Familie. Im Winter geht’s auf Brettern gemeinsam zum Skilaufen und ab und zu werden auch schon mal die Schlittschuhe angeschnallt.“ Aktiv ist Jan Hoffmann derzeit noch beim Tennis zu erleben, im Sommer auf dem Platz und im Winter in der Halle. Im Ü60-Team bestreitet er auch noch das eine oder andere Punktspiel. Keine Frage, dass er auch jetzt bei den Olympischen Spielen vor dem Fernseher sitzt und die Eiskunstlauf-Entscheidungen verfolgt. Text: Ekki Garten
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