Mit einem großen Sektfestival feiert das Staatsweingut Schloss Wackerbarth zu Pfingsten ein besonderes Jubiläum. Konrad Scheerbaum, Chefverkoster und ein Urgestein bei Wackerbarth, wird dann viel zu erzählen haben.
Warum stößt man eigentlich bei jeder Gelegenheit mit Sekt an? Könnte dieses „Zum Wohl“ oder „Prosit“ an Weihnachten oder Silvester, bei Hochzeiten, Geburtstagen, Taufen, Firmenempfängen, Galas oder nach bestandenen Prüfungen nicht auch mit einem guten Glas Wein begossen werden? Nein, kann es nicht. Es würde der Situation nicht so angemessen sein, wie sie es verdient. Sekt ist und bleibt eben etwas Besonderes für besondere Anlässe. Sekt ist ein Versprechen: Er ist die Veredelung des Weins, die moussierende Krönung der Weinherstellung. Vermutlich sind die Deutschen deshalb auch Weltmeister im Sekttrinken. Rund 256 Millionen Liter Schaumwein schlürften wir 2024 weg.
Wie der Sekt nach Sachsen ins Elbtal kam
Die Kunst der Sektherstellung ist im sächsischen Elbtal seit genau 190 Jahren zu Hause. Im Jahr 1836, als in Frankreich die ersten Champagnerhäuser entstanden, hatten sächsische Winzer die findige Idee, in Radebeul eine Sektmanufaktur zu gründen. Gebaut wurde sie auf einem Hanggrundstück zwischen Moritzburger und Oberer Bergstraße. Ihr Name: Sektkellerei Bussard. Sie war der Grundstein für eine der ältesten Sekttraditionen Europas, die heute im Staatweingut Schloss Wackerbarth fortgeführt wird.
Die notwendige Expertise für die Produktion feinster Schaumweine holten sich die Gründer damals jedenfalls direkt aus Frankreich. Und zwar von Johann Joseph Mouzon, einem erfahrenen Sektfachmann. Der aus Reims stammende Kellermeister wurde quasi abgeworben. Vielleicht hat er auch geahnt, dass sein Name durch die Übernahme der Leitung der neu gegründeten Manufaktur für immer mit Sekt und Sachsen verbunden bleiben würde. Jedenfalls brachte er die klassische Flaschengärung, das ursprünglichste und bis heute hochwertigste Verfahren der Sektherstellung, aus seiner Heimat nach Radebeul.

Von der Flaschengärung zu Großtanks und zurück
Konrad Scheerbaum weiß alles über Sekt . Wobei dem prickelnden Getränk nicht nur sein Herz, sondern auch seine Seele gehört. Sein Lieblingsgetränkt? „Alles was aus Riesling im extratrocknen Bereich versektet wird“, schmunzelt er.
Wenn in diesem Jahr auf Schloss Wackerbarth 190 Jahre Sektherstellung gefeiert werden, dann kann der heute 73-Jährige mit Stolz behaupten, fast 60 Jahre daran beteiligt zu sein. Denn von der Winzer- und Weinküferlehre 1969 bis zur Rente und sogar darüber hinaus ist der Coswiger den edlen Getränken von Wackerbarth bis heute verbunden. Als er seine Ausbildung begann, wurde der Sekt bei Bussard noch „auf die Flasche“ gezogen und bis zur Reife hunderte Male per Hand gedreht. Konrad Scheerbaum, der im VEG Weinbau Radebeul (später Wackerbarth) lernte, erlebte dieses aufwändige Flaschendrehen dort nur ab und zu. Denn ab den 1970er Jahren wurde Sekt zur Massenware, reifte als Gemisch in riesigen 100.000-Liter-Stahltanks, ehe er in Flaschen abgefüllt wurde. Ende der 1980er Jahren waren das allein in Radebeul 7,3 Millionen Flaschen pro Jahr, bis zu 25.000 pro Tag. „Dafür reichten die Trauben aus dem Elbtal natürlich nicht. Deshalb wurde überall sogenannter Grundwein dazugekauft“, erinnert sich der Scheerbaum. „Überall“ meinte in diesem Fall Jugoslawien, Ungarn und Bulgarien, aber auch Frankreich, Italien und Spanien. „Cuvetieren“ nennt das der Fachmann. „Nach sechs Wochen war der Rohsekt fertig“, sagt er und legt Wert auf die Feststellung, dass trotzdem sehr auf Qualität geachtet wurde. Vor allem in der Hotellerie, insbesondere an Interhotels in Berlin, aber auch in der Sowjetunion war Wackerbarth-Sekt beliebt. Für Otto und Lieschen Normalverbraucher war die Flasche mit 23 bis 33 Ostmark nicht nur sehr teuer, sondern auch nur im „Delikat“ oder als Bückware verfügbar.
Das Kapitel Stahltank endete mit der Wende. Die allerletzte Flasche Sekt, die vermutlich Ende September/Anfang Oktober 1990 vom Tank abgefüllt wurde, tauchte erst 2020 im Wein- und Sektarchiv des Staatsweingutes wieder auf. Statt des üblichen Etiketts (vermutlich war es „Schlossberg Sekt“) ist auf einem braunen Etikett handschriftlich „Die letzte DDR-Flasche“ vermerkt. Wahrscheinlich habe sie die Laborantin damals aus einer Laune heraus so beschriftet, vermutet Wackerbarth-Sprecher Martin Junge. Mit ziemlicher Sicherheit sei sie eine der zwei bis fünf Sektflaschen, die als Rückstellmuster und zur Qualitätskontrolle von der letzten Charge Wackerbarth-Sekt aus der DDR-Produktion aufbewahrt wurden.
Aus dem Keller ins Oberirdische
Mit der Wende verließ auch Konrad Scheerbaum den Wackerbarth-Keller. Seine zweite berufliche Karriere startete er als Vermarkter der Wackerbarth-Produkte. Führungen, Verkostungen, neue Vertriebswege und Kunden finden – es waren spannende Jahre für alle Mitarbeitenden nach dem Neustart. Statt Bückware und Masse kam die Flaschengärung zurück – die heute in Radebeul statt der vorgeschriebenen neun Monate doppelt so lange dauert, ehe der Sekt in den Handel kommen.
Konrad Scheerbaum führt als Minijobber noch immer mit großer Leidenschaft durch den Weinberg und zu Sektverkostungen in den Keller. Von den 600.000 Wackerbarth-Flaschen jährlich sind immerhin 250.000 feinstes Sprudelgetränk. Und es ist heute längst kein Geheimtipp mehr, sondern wird national wie international geschätzt. Erst in diesen Tagen fand im französischen Lyon der 16. Concours International de Lyon statt, wo die besten Weine und Sekte der Welt gekürt werden. Zum vierten Mal konnte sich Schloss Wackerbarth als einziger Sekterzeuger aus Deutschland gegen die namhafte Konkurrenz aus Champagner und Crémants behaupten und holte Gold für seinen 2020er Thonberg Riesling brut Jahrgangssekt. Von den besten, per Hand gelesenen Riesling-Trauben vom Thonberg gibt es nur 550 Flaschen limitierten Lagensekt, der nun mehr als 50 Monate im Manufakturkeller reift. Mit dem „Bussard Royal Réserve brut” und dem „2022er Riesling brut” erhielten zwei weitere Wackerbarth-Sekte beim Deutschen Sekt Award 2026 eine goldene Medaille.
Das 190-jährige Sektjubiläum wird übrigens zu Pfingsten ganz groß mit einem Sektfestival im Staatsweingut gefeiert. Konrad Scheerbaum wird auf jeden Fall dabei sein.
DAWO! verlost zwei Sektpakete und zwei Sektführung für je zwei Personen. Teilnahme per Kommentar bis zum 01.04., 12 Uhr.
Veranstalter des Gewinnspiels ist die DAWO! (SachsenMedien GmbH, Petersteinweg 19, 04107 Leipzig). Teilnahmebedingungen: Es gelten die Allgemeine Bedingungen für Gewinnspiele, die Sie hier abrufen können. Datenschutzhinweis: Ihre personenbezogenen Daten verarbeitet die DAWO! für die Gewinnspielteilnahme. Unsere ausführlichen Datenschutzhinweise finden Sie hier. Widerspruchsrecht: Wenn ich der Verarbeitung meiner personenbezogenen Daten für die Gewinnspielteilnahme widersprechen oder eine erteilte Einwilligung widerrufen möchte, genügt jederzeit eine kurze Nachricht per E-Mail an info@dawo-dresden.de oder SachsenMedien GmbH, Petersteinweg 19, 04107 Dresden.
Ein toller Gewinn, ein tolles Event.
Gläser hab ich schon hingestellt
Ich bin dabei
Hallo ich würde sehr gerne mal in den Hochgenuss kommen und die Korken platzen sehen.
Ich bin bereit
Das klingt nach besonderem Erlebnis,da wären wir gern dabei!!!