Warum die Polizei Dresden nach einem Jahr Citywache am Wiener Platz dennoch eine positive Bilanz zieht.
Am 8. Mai 2025, also vor genau einem Jahr, wurde im Komplex „Prager Spitze“ direkt am Wiener Platz die „Citywache – Zentrum für Prävention und Sicherheit“ eröffnet. Ende Januar zog Thomas Geithner, Kommunikationschef der Dresdner Polizei, im Dresdner Presseclub eine erste Bilanz: „Trotz intensiver Bemühungen sind die Probleme wie Drogenhandel und allgemeine Unsicherheit weiterhin präsent.“ Die reinen Kriminalitätsraten seien nicht wesentlich gesunken, dennoch habe sich die Situation auf dem Platz schon deutlich gebessert. So spiegelten zum Beispiel Gewerbetreibende, dass sich für sie die Situation nach der Eröffnung der Citywache tatsächlich verbessert hat. Ihre Mitarbeiter gehen mit einem höheren Gefühl von Sicherheit nach Hause, weil die Citywache bis zu den Schließzeiten der Geschäfte besetzt ist.
Jetzt nach genau einem Jahr sagt Polizeipräsident Lutz Rodig: „Das vergangene Jahr hat gezeigt, wie wichtig ein Kompetenzzentrum wie unsere Citywache direkt im Brennpunkt sein kann. Kurze Reaktionszeiten, die unmittelbare Erreichbarkeit und ein ganzheitliches Lageverständnis waren die Grundlage für unsere Erfolge.“ Und die sind durchaus in Zahlen messbar.
Weniger Gewalt, mehr Rauschgiftdelikte – wie passt das zusammen?
Die Polizeiliche Kriminalstatistik weist nach einem Jahr für den als gefährlich eingestuften Ort Wiener Platz/Prager Straße eine positive Entwicklung aus. Besonders deutliche Rückgänge im Vergleich zum Jahr zuvor gibt es bei der Straßenkriminalität, die um 37,5 Prozent zurückging, und der Gewaltkriminalität (-22,5 Prozent). „Wir sind auf einem guten Weg, den Raum zurückzugewinnen“, beschreibt das Lutz Rodig. Jetzt müsse man dranbleiben.
Diese Aussage gilt vor allem für die Rauschgiftkriminalität – denn die ist um fast elf Prozent gestiegen. Das liege jedoch an der stärkeren Polizeipräsenz – nach dem Motto „Wer mehr sucht, findet mehr“. „Die Dealer kalkulieren ihr Entdeckungsrisiko. Das heißt, wenn wir ihnen auf den Füßen stehen, müssen sie sich örtlich verändern.“ Schon im Januar zeigte sich, dass der Drogenhandel in Richtung Rundkino gezogen war und in der Seitenstraße zwischen Kugelhaus und Prager Carrée werde nach wie vor gedealt.
Raum gestalten, Raum beleben ist daher die Strategie, mit der Polizei und Citywache vorgehen. „Dealer brauchen bestimmte Strukturen: Sichtschutz, Dunkelheit, Rückzugsorte. Umbau zerstört diese Tatgelegenheit – der Ort wird unbrauchbar fürs Dealen“, weiß Jan Donhauer. Deshalb werden jetzt zwei Pflanzkübel am Wiener Platz zurückgebaut. Im Bereich der Reitbahnstraße wurden Leuchtmittel erneuert. Doch klar ist: Ohne dauerhafte Belebung des Areals l kehren die Dealer zurück. Da seien auch Einzelhandel und Citymanagement gefragt – jede Idee sei willkommen.