Genormt, geformt, bewohnt: Ausstellung in Hellerauer Werkstättengalerie

Hellerau
Aus "Fotoprojekt Plattenbau privat", Ausstattung mit Serie 602, Fotos von Susanne Hopf und Natalja Meier

Wie wird aus genormtem Wohnraum ein privater Lebensraum? Dieser Frage geht eine interessante Ausstellung in der Werkstättengalerie der Deutschen Werkstätten Hellerau nach. Bis 6. August bringt sie zwei Perspektiven zusammen: Hellerauer Montagemöbel aus DDR-Zeiten und ein Fotoprojekt von Susanne Hopf und Natalja Meier, das persönliche Wohnwelten in und mit jenem Möbelsystem zeigt.

Modulare Möbel für ein neues Wohnen

Ein Teil der Ausstellung widmet sich den modularen Systemmöbeln der Deutschen Werkstätten. Seit Ende der 1960er Jahre sollten in der DDR nicht nur neue Plattenbauten den Wohnbedarf decken und neue ästhetische Maßstäbe setzen. Auch das Innere der Wohnungen sollte diesem Anspruch folgen. Gefragt waren variable Möbel für unterschiedliche Bedürfnisse, gestalterisch anspruchsvoll und zugleich erschwinglich. Rudolf Horn und Siegfried Hausdorf als Entwerfer setzten mit ihren Systemen neue Maßstäbe, in den Deutschen Werkstätten wurden ihre Möbel produziert.

Wenn Norm auf Eigensinn trifft

Der zweite Teil der Schau zeigt Fotografien von Susanne Hopf und Natalja Meier. Beide fotografierten 2002 insgesamt 60 Wohnzimmer im experimentellen Hochhausbautyp P2, daraus entstand 2004 das gleichnamige Buch, später auch ein Ausstellungsprojekt. Die Fotos sind ein außergewöhnliches Zeitdokument. Sie zeigen, wie stark die Räume über die Jahre durch persönliche Vorlieben, Erinnerungsstücke, Möbelbiografien und Alltagspraktiken geprägt wurden.

Die Ausstellung in Hellerau steht in direkter Verbindung zur aktuellen Sonderausstellung Platte OST / WEST. Wohnen und Bauen in Großtafelbauweise im Stadtmuseum Dresden. Dort wird der Plattenbau als Architektur-, Stadt- und Sozialgeschichte mit vielen persönlichen Zugängen und Aneignungen dargestellt.

Zu sehen bis 6. August, Deutsche Werkstätten, Moritzburger Weg 68, 01109 Dresden, Montag bis Freitag, 9 bis 16 Uhr