Sedisvakanz im Bistum Dresden-Meißen: Wie geht es nach der Amtsrückgabe durch Bischof Timmerevers weiter? Im Gespräch mit Christoph Pötzsch, ehemaliger Leiter des Katholischen Büros im Bistum.
Der purpurne Mantel von Bischof Heinrich Timmerevers, über Sitzfläche und Armlehne drapiert, ist ein Zeichen: Dieser Bischofsstuhl („Kathedra“ genannt) in der Dresdner Kathedrale ist unbesetzt. In der katholischen Kirche heißt das „Sedisvakanz“ und bedeutet „Zeit des leeren Stuhls“. Nachdem Bischof Heinrich Timmerevers Anfang September sein Amt zur Verfügung gestellt hat, beginnt nun die Suche nach einem Nachfolger. Christoph Pötzsch, der 30 Jahre lang im Bistum Dresden-Meißen unter anderem als Kanzler und Leiter des Katholischen Büros tätig war, erklärt das Procedere.
Zunächst die Frage: Warum ist es falsch zu sagen, Bischof Timmerevers ist zurückgetreten?
Weil ein katholischer Bischof formell nicht zurücktreten kann. Er muss dem Papst seinen Rücktritt anbietet und der Heilige Vater entscheidet, ab wann der Bischof nicht mehr im Amt ist. Normalerweise bleibt ein Bischof mindestens bis zum 75. Lebensjahr im Dienst, er kann nicht einfach kündigen. Er kann aber aus schwerwiegenden (zum Beispiel gesundheitlichen) Gründen sein Amt zur Verfügung stellen, wie es jetzt im Bistum Dresden-Meißen ist.
Nun ist also die Sedisvakanz eingetreten, die Zeit des leeren Stuhls. Wie lange dauert es, bis der wieder besetzt ist?
Das ist wirklich ein langwieriger Prozess. Dazu muss man wissen: In der katholischen Kirche kann man sich nicht um dieses Amt bewerben. Das Amt kommt zum Kandidaten. Und dieses Procedere ist geheimnisvoll und dauert eben. Grob geschätzt werden wir vielleicht in einem dreiviertel Jahr einen neuen Bischof haben, also im kommenden Sommer. Oder anders doppeldeutig gesagt: Alles was Hand und Fuß haben soll, dauert neun Monate.
Weihen Sie uns ein in diesen geheimen Vorgang?
Also: Solange ein Bischof im Amt ist, muss er jedes Jahr eine Liste mit Namen geeigneter Kandidaten für seine Nachfolge aufstellen. Diese Liste ist streng geheim und wird dem Papst übermittelt. Darauf können beliebig viele Namen oder auch nur ein einziger stehen und es können jedes Jahr andere Namen dazu kommen. Die Kandidaten können aus dem Bistum, aber auch von überall her kommen. Da sammeln sich in Rom also eine ganze Menge Namen an von Priestern, denen man das Bischofsamt zutraut. Wenn dann die Sedisvakanz eingetreten ist, werden all diese Listen in Rom hervorgeholt und alle Kandidaten geprüft. Am Ende dieser umfangreichen Analyse bleiben genau drei Namen übrig. Diese Dreierliste heißt Terna und wird mit einem päpstlichen Kurier nach Dresden geschickt. Das Domkapitel berät dann darüber und wählt einen der drei aus.
Wie geheim ist das Procedere bis zu diesem Punkt?
Immer noch sehr geheim, denn kein Priester weiß überhaupt, ob er auf einer dieser Listen steht und auch die drei finalen Kandidaten wissen es bis zum Schluss nicht. Derjenige, der das Amt übernehmen soll, erfährt das erst, wenn er vom Domkapitel angerufen wird. Nimmt derjenige das Amt an, muss die Sächsische Landesregierung informiert werden, ob es Einwände gibt und erst dann ist der neue Name in der Welt.
Mit Christoph Pötzsch sprach Carola Pönisch