Archiv der Kulinarik erhält Nachlass von Reinhard Lämmel

Archiv der Kulinarik
Reinhard Lämmel Foto: SLUB Dresden 7 Ramona Ahlers-Bergner

„Mein Mann war mit großer Leidenschaft Sammler. Er hat über Jahrzehnte hinweg mit tiefem Verständnis und großer Leidenschaft Speise- und Menükarten zusammengetragen, hat ihre Herkunft erforscht und seine Begeisterung für Esskultur mit anderen geteilt. Seine Sammlung ist weit mehr als eine Anhäufung von Dokumenten – sie bildet eine lebendige Chronik der Gastlichkeit und der kulinarischen Trends verschiedener Epochen ab“, sagt Liane Lämmel. Sie ist die Witwe des Dresdner Kochs Reinhard Lämmel, der letztes Jahr im Alter von 75 Jahren verstorben war.

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Aus dem Nachlass des Kochs und Sammlers Reinhard Lämmel Fotos: © SLUB Dresden/ Ramona Ahlers-Bergner

Einzigartige Sammlung von Menü-Karten

Sein kulinarisches Erbe wird nun im Deutschen Archiv der Kulinarik in der SLUB am Zelleschen Weg aufbewahrt und damit öffentlich zugänglich gemacht. Dazu gehören rund 1.500 historische Menü- und Speisekarten aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Darunter kunstvoll gestaltete sächsische Menükarten aus der Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert sowie Menü- und Speisekarten aus Dresdner Interhotels der 1960er und 1970er Jahre wie dem Hotel Bellevue Dresden, das seit 1985 die exquisite Küche der DDR prägte.
Nach seiner Lehre als Koch im Interhotel Astoria Dresden war Reinhard Lämmel viele Jahre lang Küchenchef in einigen der renommiertesten Häuser Sachsens, darunter im Hotel Bellevue Dresden. Nach Stationen im Interhotel Kongress in Karl-Marx-Stadt und als Maitre im Italienischen Dörfchen sowie Auslandsaufenthalten in Budapest und Istanbul führte er von 1996 bis 2001 die Schlossküche auf Schloss Weesenstein. Unter seiner Leitung wurde das Restaurant mit 14 Punkten im Gault Millau ausgezeichnet.
Darüber hinaus wirkte Lämmel auch als kritischer Geist und Publizist. In seinem 2007 erschienenen Werk „Das Sachsen-Kochbuch“ sowie in zahlreichen journalistischen Beiträgen setzte er sich fundiert mit dem „Mythos“ der sächsischen Nationalküche auseinander. Unter anderem schrieb er regelmäßig für die Rubrik Essen und Trinken in der Sächsischen Zeitung.

Das Deutsche Archiv der Kulinarik wurde 2022 gegründet. Etwa 50.000 historische und aktuelle Kochbücher, hunderte Handschriften, Zeitschriften sowie zigtausende Ephemera wie Menükarten, Gebrauchsgrafik, Fotografien und audiovisuelle Medien gehören mittlerweile zum Bestand. Zu den Highlights zählen die Sammlungen von Ernst Birsner, Walter Putz, Wolfram Siebeck und Eckart Witzigmann.

Deutsches Archiv der Kulinarik in der SLUB, Zellescher Weg 18, Dresden