Vom Baum zum Hackschnitzelberg und im besten Fall zur Mulchschicht auf der Erde – das ist der Kreislauf, den bisher auch jene Bäume im Großen Garten durchlebten, wenn sie krankheitsbedingt der Kettensäge zum Opfer fallen mussten. Allein 600 waren das bisher in diesem Jahr.
Doch nun wird aus dem einfachen Häckselschnitt wertvolle Pflanzenkohle. Denn die Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gGmbH (SBG) besitzt als einzige Schlösserverwaltung bundesweit jetzt eine eigene Pyrolyse-Anlage zur Umwandlung von Restholz in wertvollen Dünger. Finanziert wurde die 340.000 Euro teure Anlage zu 90 Prozent über Fördermittel des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) im Rahmen des Projekts „Klimawandel in historischen Gärten“.
Wie funktioniert Pyrolyse?
Pyrolyse ist ein thermo-chemischer Prozess, bei dem organische Verbindungen – in diesem Fall die gehäckselten Bäume des Großen Gartens – bei hohen Temperaturen und unter weitgehendem Sauerstoffabschluss umgewandelt werden. Das heißt, Sauerstoffmangel verhindert eine vollständige Verbrennung – ähnlich wie bei der Herstellung von Holz- und Torfkohle. Nach Abtrennung der gasförmigen Bestandteile bleibt Pflanzenkohle zurück, die hauptsächlich aus Kohlenstoff besteht. Sie kann hervorragend Wasser, Nährstoffe und Kohlendioxid im Boden binden und ist damit ein Superdünger für neue Pflanzen.
Wie funktioniert die Anlage?
Zunächst muss das anfallende Holz jedoch erst einmal geschreddert und danach in einem Trocknungscontainer bei 60 Grad vorgetrocknet werden. Dafür wird die Abwärme genutzt, die die Anlage produziert. Die trockenen Hackschnitzel werden mit dem Radlader in den benachbarten Pyrolysecontainer gefüllt, wo dann der eigentliche Umwandlungsprozess stattfindet. Mit einer Förderschnecke werden die Hackschnitzel durch den Pyrolyse-Reaktor transportiert und pyrolysiert. Die fertige Pflanzenkohle wird anschließend in sogenannte Big Bags abgepackt. Ehe sie jedoch in den Boden eingebracht wird, mischen die Gärtner noch Komposterde zur Anreicherung mit Nährstoffen unter. „Aus etwa 80 Tonnen Biomasse entstehen so pro Jahr voraussichtlich 19 Tonnen Pflanzenkohle für den Eigenbedarf“, erklärt Dr. Claudius Wecke, Leiter des Bereichs Gärten der SBG. „Diese Menge reicht aus für unsere insgesamt 440 Hektar umfassende Fläche in den verschiedenen sächsischen Parks und Gartenanlagen.“
Mit der Pyrolyse-Anlage werden aber nicht nur Stoffkreisläufe geschlossen, sondern auch Einsparungen möglich. Denn den jährlichen Betriebskosten inklusive Personalkosten in Höhe von 15.000 Euro stehen jene 20.000 Euro gegenüber, die der Kauf handelsüblicher Pflanzenkohle kosten würde. Durch den Betrieb der Pyrolyseanlage entstehen zudem CO²-Zertifikate, die verkauft werden können. Und nicht zuletzt kommt die Pyrolyse-Anlage ohne Stromanschluss aus, da über einen Stirling-Motor die bei der Pyrolyse anfallende Abwärme zur Stromgewinnung genutzt wird.
Noch steht die Anlage auf dem Lagerplatz des Großen Gartens, künftig wird sie in den Neubau der Gartenmeisterei integriert. Dort soll die das Betriebsgebäude des Gärtnerteams mit ihrer Abwärme heizen.