Amüsanter Kampf gegen Windmühlen

Es ist wahr, so märchenhaft es klingt. Die Helden der Bürgerbühne spielen sich selbst. Und obwohl die jüngste Premiere bereits für sich erstaunlich durchkomponiert ist und das Motiv vom „Don Quijote und Sancho Pansa“ stimmig erzählt, berühren umso mehr die darin eingebauten Lebensgeschichten dieser ehrlichen Alltagshelden.
Allen voran ein ehemaliger Kulturjournalist, der sich an die Aufbruchjahre von 1989/90 erinnert als eine Zeit, in der alles möglich schien. Hans Kubach erntete für seinen trockenen Humor zahlreiche Lacher.
Den Windmühlenkämpfer begleitet die Griechin Susanna Pervana in ihrem zweiten Bürgerbühnenstück als Pendant zum Ritter von der traurigen Gestalt: Ihr Bericht von der Kindheit mit einer in Wahnvorstellungen gefangenen Mutter geht ebenso unter die Haut.
Der Kampf gegen Windmühlen, wie der von Miguel de Cervantes’ fahrendem Ritter und Anti-Helden, ist ein zeitloses Thema, seit der vor über vier Jahrhunderten in die Welt zog. Heute sind es die Nerds, die Fantasy-Spiele mit der Realität verwechseln, wunderbar gespielt von Caroline Hellwig. Auch der Traum vom ersten Kuss auf der Bühne (Greta Börke) geht zwar in Erfüllung, löst sich aber sogleich wieder auf in dem Satz „Tatsachen sind die Feinde der Wahrheit“.
Und so gerät der amüsante, kurzweilige Abend (Dramaturgie: Julia Fahle) zu einem Lob der Utopisten, die für ihre Zeit Unvorstellbares glauben und glaubhaft machen wollen, die scheitern und wieder aufsatteln und oft hart auf der Grenzlinie zum Wahnsinn balancieren.

Voller Fantasie

Schattenspiele und Drehobjekte untermalen die Szenen ebenso fantasievoll wie die Musik von Andreas Herrmann, vorgetragen von Anna Schulz, Frank Busch, Niklas Friedrich und Andreas Rudolph. Sie tragen im Gegensatz zu den schwarz-weiß-gewandeten Spielern bunte aufeinander abgestimmte Kleider (Bühne und Kostüm Jelena Nagorni).
Dem Regisseur und Autoren Tobias Rausch, der bereits „Weiße Flecken“ erfolgreich an der Bürgerbühne inszeniert hat, ist mit „Wind.Mühlen.Flügel.“ ein rundes sehenswertes Rechercheprojekt gelungen.
Una Giesecke

28.4., 17.5., 20 Uhr, 5.6., 19 Uhr, 17.6., 20 Uhr,
Karten ab 10 Euro unter
Tel. 0351 4913555

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