Ideen für ehemaligen Robotron-Bau am Hygiene-Museum

Blick in den großen Saal A am Ende der achtziger Jahre Foto: Eberhard Wolf

In den Konflikt um den genehmigten Abriss des ehemaligen Robotron-Flachbaus hinter dem Deutschen Hygiene-Museum (DAWO! berichtete) kommt Bewegung. Das umstrittene Haus wurde aus dem Bebauungsplan der Immovation AG herausgelöst, sodass der Investor auch ohne den genehmigten Abriss die 3 000 Wohnungen in der „Lingnerstadt“ errichten kann.

Bis zum August ist nun Aufschub gewonnen, um alternative Nutzungsmöglichkeiten zu prüfen, bevor die umstrittene DDR-Architektur der teilweisen Wiederherstellung des historischen Blüherparks Platz machen müsste. Diese favorisiert das Umweltamt aufgrund der raren Grünzüge in Citynähe.

Den Frischluft- und Erholungseffekt durch Wiederaufforstung bezweifelt allerdings Eberhard Wolf. Der Schöpfer der bildhauerischen Wandgestaltung im Inneren des Würfels verweist auf den unangefochtenen Verbleib des versiegelten Skaterparks in der Luftschneise. „Zudem sind die jungen Leute da recht laut“, meint er mit Rücksicht auf die neuen Mieter. „Ich hänge an dem Gebäude“, gesteht der 79-Jährige. „Es wird zu Unrecht als Kantine bezeichnet, das ist doch keine Imbissbude.“

Auch marode, wie die Tagespresse schreibt, sei die Bausubstanz keineswegs. „Im geräumigenKeller sind Toiletten, Strom- und Wasseranschlüsse vorhanden.“ Noch bis Dezember 2016 befand sich darin eine Probebühne der Semperoper. Für die beiden Säle hatte Eberhard Wolf die raumhohen Wandverblendungen auf jeweils zehn mal 4,60 Metern Länge entworfen.

Im Gegensatz zu den republikweit uniformen Betonformsteinen waren diese Fassadenelemente Einzelanfertigungen. „Ich hatte eine Grundform gefunden, bei der durch Drehen oder Kippen verschiedene Muster entstehen.“ Im großen Saal wurde mit Kalksteinsplit versetzter polnischer Weißzement verwendet. „Das edle Weiß sah marmorartig aus. Leider hat man später Dübel eingebracht, was dann noch später repariert und in einem Ockerton überstrichen wurde.“ Eine Erhaltung des Siebziger-Jahre-Baus biete sich an, auch wenn er nicht unter Denkmalschutz steht, „weil kaum noch große, bezahlbare Säle im Zentrum zur Verfügung stehen“, sagt der Dresdner Bildhauer.

Auch das „Netzwerk ostmodern“, das zuerst Bewegung in die Debatte um die Kantine gebracht hatte. Die Bürgerinitiative schlägt in einem Aufruf (http://bit.ly/2kNFwcD) eine kulturelle Nutzung des Gebäudesvor, gepaart mit Gastronomie und Soziokultur: „Mit der ehemaligen Betriebskantine des robotron-Kombinats gibt es in dem Gebiet mindestens ein markantes Gebäude, das nicht auf einem zukünftigen Baufeld steht. Als eleganter Solitär steht sie in spannungsvollem Verhältnis zum benachbarten Hygiene-Museum, eingebettet in eine lockere Parklandschaft. Hier ließe sich eine hervorragende Kultur-Perlenkette vom Großen Garten in die Innenstadt etablieren“, sagt Matthias Hahndorf vom Netzwerk ostmodern.

Weitere Ideen reichen von einem Kulturhauptstadt-Begegnungszentrum bis zum Umzug des Kunsthauses von der Rähnitzgasse. Dessen Domizil könnte durch Verkauf den Umbau und die Sanierung der DDR-Architektur finanzieren, meinen deren Verfechter. „Und warum zieht das künftige Archiv der Avantgarden der Staatlichen Kunstsammlungen ins Blockhaus? Würde solch eine Sammlung der Moderne nicht viel besser auch in ein Gebäude der Moderne passen?“, fragt Marco Dziallas vom Netzwerk ostmodern.

Die Gesellschaft Historischer Neumarkt schlägt für den Blüherpark die Rekonstruktion des Palais Kaskel-Oppenheim von Gottfried Semper vor. Die repräsentative Villa des jüdischen Bankiers stand bis 1945 an der Bürgerwiese.

1 Kommentar

  1. Höchste Zeit wird’s, endlich an die historische Bausubstanz des Gebietes rings um den Blüherpark zu erinnern! Das Palais Oppenheim-Kaskel – von Gottfried Semper entworfen – war einzigartig. „Seine“ Villa Rosa am Neustädter Elbufer ist für immer verloren. Also: nun könnte gebaut werden! Es könnte darin eine Galerie in Zentrumsnähe entstehen! Die armseligen Relikte des Palais der Sekondogenitur am Hygienemuseum würde ebenfalls mit aufgewertet werden.

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