Leiden Herz und Seele gemeinsam unter Stress und Ärger?

Universitätsklinikum Dresden. Foto: Oliver Killig/Archiv
Universitätsklinikum Dresden. Foto: Oliver Killig/Archiv

Es ist nicht nur so ein Spruch: „Sich etwas zu Herzen nehmen“. Forscher haben in mehreren Studien bewiesen, dass Herz und Psyche sich gegenseitig beeinflussen. Wer beispielsweise eine psychische Erkrankung wie eine Depression hat oder ständig unter Stress steht, bei dem steigt auch das Risiko, an Herz-Kreislauf-Problemen zu erkranken. Die Kardiologin Dr. Stefanie Katzke, Oberärztin der Klinik für Innere Medizin und Kardiologie des Herzzentrums Dresden Universitätsklinik, erklärt das Wechselspiel zwischen Herz und Psyche am Mittwoch, 7. März, ab 17 Uhr im Rahmen der Veranstaltungsreihe „HerzensangelegenheitenPLUS“, die das Herzzentrum Dresden gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden veranstaltet. Zum Thema „Herz und Psyche/Stress/Ärger – ein gemeinsames Leiden?“ spricht neben Dr. Katzke Prof. Dr. Kerstin Weidner, Direktorin der Klinik für Psychotherapie und Psychosomatik des Universitätsklinikums Dresden.

Frau Dr. Katzke, wie genau wirken sich denn psychische Störungen und Stress auf unseren Körper, speziell auf unser Herz aus?
Stehen wir unter einer dauerhaften Belastung reagiert unser Körper und schüttet verstärkt Stresshormone aus. Diese haben eine ungünstige Wirkung auf den Blutzucker und den Stoffwechsel – vor allem dann, wenn das Ganze einen längeren Zeitraum passiert. Und das wiederum beeinflusst die Gesundheit des Herzens und der Gefäß negativ.

Welcher Stress kann sich denn schlecht auf das Herz auswirken?
Eigentlich jeder, den wir uns besonders zu Herzen nehmen. Also nicht nur die derzeit immer wieder bemühte berufliche Überforderung bei einem Burnout. Es gibt andere Situationen, die wir je nach Typ als belastend empfinden, beispielsweise mangelnde Anerkennung, Konflikte mit Mitmenschen, soziale Isolation oder emotionale Probleme in der Partnerschaft. Es ist nicht umsonst so, dass etwa bei einem Drittel aller Herzinfarkte psychosoziale Belastungen eine Rolle gespielt haben. Sie sind selten alleiniger Auslöser, aber in Kombination mit den Klassikern Übergewicht, Rauchen oder Bluthochdruck steigt das Risiko auf einen Infarkt stark an.

Gibt es eine Herzerkrankung, welche hauptsächlich durch die Psyche ausgelöst wird?
Wie eng Herz und Psyche miteinander verbunden sind, zeigt sich bei kaum einer anderen Krankheit besser, als beim Broken-Heart-Syndrom, auch Stress-Kardiomyopathie genannt. Die Symptome sind die dieselben wie bei einem Herzinfarkt: Schmerzen in der Brust und Luftnot. Bei einer Herzkatheteruntersuchung werden dann aber keine verschlossenen Herzkranzgefäße gefunden. Stattdessen wird durch extreme psychische oder körperliche Belastung der Betroffenen das vegetative Nervensystem besonders stark aktiviert. Das bewirkt eine massive Ausschüttung von Stresshormonen ins Blut, was wiederum das Herz angreift und in seiner Auswirkung einem Herzinfarkt ähnelt. Die auslösenden extremen Situationen können schwere Schicksalsschläge, aber auch schwere OPs sein.

Können umgekehrt auch Herzprobleme die Psyche angreifen?
Das ist so. Es ist ein Wechselspiel. Wenn Menschen beispielsweise an einer Herzmuskelschwäche leiden oder einen Herzinfarkt hatten, ist die Chance größer, dass sie auch eine depressive Phase durcherleben. Sie sind verunsichert und verängstigt, weil sie auf einmal körperlich eingeschränkt sind. Das alles mindert das Selbstwertgefühl und wirkt sich negativ auf die weitere Genesung aus. Wir als Ärzte aber auch die Mitmenschen müssen da sehr verständnisvoll sein und die Betroffenen motivieren und auf sie eingehen. Es ist wichtig mit einer solch belastenden Situation richtig umzugehen und das Herz zu schützen.

Veranstaltungshinweis:
Innerhalb der Veranstaltungsreihe „HerzensangelegenheitenPLUS“ des Herzzentrums Dresden und des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden finden zum Thema „Herz und Psyche/Stress/Ärger – ein gemeinsames Leiden?“ am Mittwoch, 7. März, zwei Vorträge für medizinisch Interessierte statt. Oberärztin Dr. Stefanie Katzke vom Herzzentrum Dresden spricht zu „Herzrasen, Herzstolpern, Herzstiche – was Stress und Kummer mit dem Herzen machen können“. Prof. Dr. Kerstin Weidner, Direktorin der Klinik für Psychotherapie und Psychosomatik des Universitätsklinikums Dresden, referiert über „Herz und Seele“. Anschließend stehen die beiden Expertinnen für Fragen der Besucher zur Verfügung. Los geht es um 17 Uhr im Hörsaal 2 des Medizinisch-Theoretischen Zentrums (MTZ) der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden, Fiedlerstraße 42, 01307 Dresden. Der Eintritt ist frei. Es ist keine Anmeldung erforderlich.

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