100°C – Semperoper Ballett begeistert mit Uraufführungen

Donauwalzer mal anders - Corpse de Ballet Foto: Ian Whalen
Donauwalzer mal anders - Corpse de Ballet Foto: Ian Whalen

Ein 31-jähriger Tänzer gilt als der bedeutendste Ballettchoreograf der USA. Justin Peck, Solist aus New York, begann mit 22, Choreografien zu entwickeln. Sein Werk „Heatscape“ zum avantgardistischen ersten Klavierkonzert von Bohuslav Martinů kam in diesem Jahr an der Semperoper zur europäischen Erstaufführung.

In dem Fall sind die billigsten Plätze die besten. Vom letzten Rang aus hat man bereits für 8 Euro den vollen Überblick (Opernglas mitbringen) über die mandalaartig wechselnden Gruppierungen voller temporeicher Lebensfreude und sonnendurchfluteter Tanzlust. Perfekten Hörgenuss bereiten dazu zuverlässig die Musiker der Staatskapelle unter Gastdirigent Mikhail Agrest.

Im Mittelteil kommt „Gods and Dogs“ von Jiří Kylián zur Aufführung, der auch das Bühnenbild entworfen hat. Kein Wunder also, dass es mittanzt: Ein bühnenhoher und -breiter Vorhang aus schimmernden Metallketten bildet die durchlässige Grenze für Auf- und Abtritte. Er wird so bewegt und beleuchtet, dass er an Wasser, Wetter oder Reflexe erinnert. Oben drüber rennt in der Videoprojektion ein wolfähnliches Tier aufs Publikum zu. Kylian spielt hier mit dem Thema gesund – krank, verletzlich – robust und dem gewissen Schuss Verrücktheit, ohne den es zu Stillstand käme. Dazu erklingt Dirk Haubrichs einfühlsame Musik, basierend auf Beethovens erstem Streichquartett.

Den beeindruckenden Abschluss bildet „Corpse de Ballet“ von Hofesh Shechter. Aus dem Corps wurde Corpse, das englische Wort für Leichnam. In seiner Choreografie sind pantomische Talente gefragt. Da tanzen die Lebenden mit den Toten und umgekehrt, beispielsweise den Donauwalzer. Sie lassen einander schleifen, töten, auferstehen. Auf den Soundtrack, den Shechter selbst kreiert hat, fließen die Szenen ineinander zu einem unheimlichen, anmutigen, grotesken, zeitlosen Assoziationsangebot. Für und mit dem Semperoper Ballett hat der Israeli ein unkonventionelles Herantasten an menschliches Empfinden künstlerisch umgesetzt. „Wut kann eine treibende Kraft hinter meiner Arbeit sein. Ich möchte sie mit dem Publikum teilen, sie in etwas Konstruktives, Positives wenden“, so Shechter.

100°C, 13.9. und zum letzten Mal am 17.9., 19 – 21.30 Uhr, zwei Pausen, Karten ab 8 Euro, Tel. 0351 4911705 oder unter www.semperoper.de

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