Schlüsseldienst-Abzocke im Visier

Verbraucherzentrale, Polizei und Politik in Sachsen wollen betrügerischen Schlüsseldiensten an den Kragen.

Für Profis oft ein Kinderspiel: das Öffnen von verschlossenen Türen. Doch oftmals nutzen Schlüsseldienste die Not ihrer Kunden schamlos aus. // Foto: dpa

Wer sich aussperrt kann oft nur noch den Türnotdienst rufen. Oftmals wird das zu einer teuren Angelegenheit, Argumente gegen eventuelle Wucherpreise gibt es wenige. In manchen Fällen verlangen die „Helfer in der Not“ über 400 Euro für den bloßen Einsatz einer sogenannten Türspirale. Verbraucherzentrale. Polizei und Politik haben Wuchern und Betrügern nun den Kampf angesagt und wollen Betroffene besser schützen.
Oft sind die Schadenssummen hoch und das Zurückholen des Geldes schwieriger, sagt Rechtsreferentin Stefanie Siegert von der Verbraucherzentrale Sachsen. Oft sei es auch schwer, überhaupt eine ladungsfähige Adresse der Firmen zu finden. In vielen Fällen seien die Unternehmen zudem zahlungsunfähig.

Betrug wird salonfähig

Das Landeskriminalamt Sachsen (LKA) verzeichnet eine steigende Anzahl von Betrugsfällen mit Schlüsselnotdiensten. Im Jahr 2017 habe es 350 solcher Fälle gegeben, sagt Kriminalhauptkommissar Dirk Möller – ein Plus von 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Für das Jahr 2018 gehe er von einem weiteren Plus aus. Das sei aber nicht nur auf die Zunahme der Fälle zurückzuführen, sondern auch auf die gestiegene Sensibilisierung der Bevölkerung durch die Verbraucherzentrale und die Polizei. Dadurch hätten mehr Menschen Schlüsseldienstbetrug angezeigt. Oft haben diese Schlüsseldienste ihren Sitz in westlichen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen und arbeiten in einigen Fällen mit Partnern vor Ort zusammen, sagt Möller.

Allianz für Verbraucher

Verbraucherzentrale, LKA, Polizei und die Rechtsanwaltskammer haben nun in Sachsen eine Initiative zum Schutz der Verbraucher ins Leben gerufen. „Wenn die Mitarbeiter das Display des EC-Kartengerätes zuhalten oder die Betroffenen nötigen oder erpressen, ist das strafrechtlich relevant“, sagt Andreas Eichhorst, Vorstand der Verbraucherzentrale Sachsen.
Der Schlüsseldienst-Betrug ist nur ein Bereich der Zusammenarbeit. Auch Abzocke bei Haustürgeschäften, Partneragenturen oder Kaffeefahrten soll bekämpft werden. Ein erstes Ergebnis der Initiative ist eine Liste mit betrügerischen Schlüsseldiensten, die gerade in verschiedenen Städten in Sachsen abkassieren. Bei allen Unternehmen auf dieser Liste liegen der Verbraucherzentrale zufolge mindestens zehn dokumentierte Fälle vor, bei denen sie mindestens knapp das Doppelte des ortsüblichen Preises abgerechnet haben. Gegen andere Firmen auf der Liste existiert ein Gerichtsurteil infolge eines sittenwidrigen wucherähnlichen Rechtsgeschäftes.

Schwarze Schafe überall

Was die Abzockerfirmen gemeinsam haben: Sie landen in Suchmaschinen wie Google oben auf den ersten Plätzen, wenn man entsprechende Suchbegriffe eingibt. Sie werben dort mit Lockangeboten wie Schlossöffnung für sechs Euro. Dabei ist oft nur der Millimeterpreis beim Aufbohren eines Schlosses gemeint. Wenn sie erst einmal vor der Wohnung sind, nutzen sie die Notsituation aus und verschleiern gegenüber Betroffenen die Preise.
Generell ist es deshalb wichtig, bereits am Telefon einen verbindlichen Komplettpreis für die Türöffnung zu vereinbaren – inklusive Anfahrt und Zuschläge, rät die Verbraucherzentrale Sachsen. (dawo)

Weitere Informationen sowie die Abzocker-Liste im Internet unter
www.verbraucherzentrale-sachsen.de

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