Ein Hafen in den Naußlitzer Hügeln ohne Gewässer – aber mit viel Liebe zum Fußball

Der FV Hafen
Stolz auf die moderne Sportanlage mit der neuen Zuschauertribüne: FV-Hafen-Präsident Tobias Jäschke (li.) mit seinen Mitstreitern im Verein Pia Marie Claus und Holger Kleminski. // Fotos: EKG

Der FV Hafen Dresden pflegt Fußball-Tradition seit 1949.

Die Stadt Dresden hat viele Sportvereine mit langjähriger Tradition. Einer davon hat im Dresdner Westen sein Domizil: der FV Hafen. Hafen??? werden sich viele fragen, die Spielstätte des FV ist doch auf dem Sportplatz Saalhausener Straße, ist also in den Stadtteilen Leutewitz und Naußlitz im Stadtbezirk Cotta beheimatet. Außerdem gibt der Vereinsname auch keine Auskunft, in welchem Stadtteil er angesiedelt ist.

Der FV Hafen Dresden ist älter als Dynamo

„Das ist historisch bedingt“, erklärt Tobias Jäschke, der Vereinspräsident. „Die BSG Hafen fand nach dem Zweiten Weltkrieg in Dresden eine jahrzehntelange Heimat in der Nähe der Elbe im Ostragehege. Nach dem Jahrhundert-Hochwasser musste der Fußball-Verein 2002 in den Westen der Stadt umziehen. Gegründet wurde die Betriebssportgemeinschaft Hafen Dresden 1949, also gibt es uns sogar vier Jahre länger als die SG Dynamo Dresden.“

Tobias Jäschke blättert ein wenig im Geschichtsbuch des Fußballvereins: 1949 erfolgte die Gründung der BSG Hafen Dresden, mit einer Sektion Fußball. 1967 erfolgte der Zusammenschluss mit der Fußballsektion Dresden-Mitte unter Beibehaltung des Namens BSG Hafen Dresden. Im November 1990 erfolgte die Gründung der FV Hafen Dresden e.V. aus der Sektion Fußball der BSG Hafen Dresden. Die traditionsreichere Wurzel des heutigen Vereins ist allerdings der VfB 90 Dresden, der sich zum 1. Juli 2019 selbst auflöste und dem FV Hafen Dresden beitrat. Der VfB 90 Dresden war ein Nachfolgeverein des 1888 gegründeten TV Jahn Cotta und des 1903 gegründeten VfB Dresden 1903. Heimstätte des VfB 90 Dresden war die Sportanlage Am Leutewitzer Park in Leutewitz, welche nun der FV Hafen Dresden als Rechtsnachfolger mit bewirtschaftet.

Die Jahrhundertflut spülte Platz und Vereinsheim weg

Nachdem die Hafen-Fußballer über 50 Jahre im Ostragehege kickten, spülte die Flut Platz und Vereinsheim weg. Sie mussten auf das Sportgelände Saalhausener/ Williamstraße umziehen. Aus der Interimslösung ist inzwischen ein Dauerquartier geworden. „Heute trainieren und spielen fünf Herren- und vier Nachwuchsteams für den FV Hafen: die 1. Männermannschaft in der Stadtliga B, die 1. und 2. Altherrenmannschaft in der 2. und 3. Stadtklasse sowie zwei Freizeit- Teams, dazu Junioren von der A- bis zur E-Jugend.“

Eine „Dritte“ gibt es übrigens beim FV Hafen nicht, obwohl ein Spruch des damaligen Dynamo-Sportchefs Ralf Minge vor reichlich zwei Jahren für etwas Aufruhr sorgte. „Wir sind hier nicht bei Hafen Dritte…“, meinte der auf die Frage eines Journalisten, warum die Verpflichtung von Trainer Maik Walpurgis so lange gedauert hatte. Damit wollte Dynamos Sportchef nur verdeutlichen, dass Personalentscheidungen bei einem Profiverein nicht von heute auf morgen entschieden werden. Den Spruch kenne er schon seit Jahren, meinte Minge damals. Er wolle weder den FV Hafen oder den Breitensport geringschätzen und kam zur Entschuldigung persönlich auf dem Trainingsplatz im Dresdner Westen vorbei – mit zehn Fußbällen und fünf Kisten Bier im Gepäck.

„Wir haben unser Hauptaugenmerk auf den Fußball- Nachwuchs gelegt“, betont Vereinspräsident Jäschke. „Insofern sehen wir auch eine soziale Aufgabe im Stadtteil. Die Kinder sollen vor allem Spaß an Spiel und Sport haben. Das steht auf jedem Fall vorm Erfolgszwang. Dafür suchen wir immer wieder interessierte Jungen und auch Mädchen ab sechs Jahren, die zum Kicken im Verein Lust haben. Mehr als Fußballschuhe und gute Laune müssen sie nicht mitbringen.“

Neues Vereinsgebäude und moderner Kunstrasen

Mit seiner „neuen“ Sportanlage ist der FV Hafen nun noch attraktiver für seine und auch zukünftige Vereinsmitglieder geworden. Auf der Sportanlage Saalhausener Straße 30 ist ein neues, zweigeschossiges Funktionsgebäude entstanden. Es befindet sich direkt neben dem Spielfeld und ersetzt eine bisher als Vereinsräumlichkeit genutzte abseits stehende Baracke. Im Erdgeschoss befinden sich zwei Vereinsräume, Vereinsbüros, Schiedsrichterräume, Ballräume und teils barrierefreie Toiletten für die Besucher. Im Obergeschoss sind neun Kabinen sowie ein Raum für den Platzwart untergebracht.

Auch der verschlissene Kunstrasenplatz und die Platzbeleuchtung wurden modernisiert. Das Fußballfeld ist einer der ersten unverfüllten Kunstrasenplätze in Deutschland. Er besteht aus drei verschiedenen Faserarten: einer geraden Faser, einer gekräuselten Faser und einer gekräuselten Stützfaser. Letztere ersetzt das Granulat.

„Runderneuerte“ Sportanlage wird feierlich übergeben

Die neue Anlage, die der FV Hafen künftig mit dem FV Löbtauer Kickers 93 e. V. nutzt, wird am 9. September feierlich eingeweiht werden. Die Kosten der Stadt für das Gebäude betragen rund 1,3 Millionen Euro und für die Sanierung des Kunstrasenplatzes weitere rund 1,4 Millionen Euro. 346.000 Euro kommen als Fördermittel vom Freistaat Sachsen.

EKKI GARTEN

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