DDR-Werbefiguren: Weit mehr als Minol-Pirol und Messemännel

Mit einem Minol-Pirol begann die Sammelleidenschaft von Torsten Meisel. Fotos: Pönisch

Der Dresdner Torsten Meisel sammelt seit 15 Jahren DDR-Werbefiguren. Warum die ganz viel über die einstige Republik erzählen können und was Corona damit zu tun hat …

Werbefiguren aus DDR-Zeiten? Na klar, kennt man doch. „Minol-Pirol, Messemännel, Tele-Lotto-Otto“ kommt es gelernten DDR-Bürgern prompt über die Lippen. Manchem Ur-Dresdner fällt vielleicht noch Kundi ein, einst Maskottchen des Hygiene- Museums. Doch dann? Fragende Blicke: Gab‘s etwa noch mehr?

Über 440 Figuren und immer noch kein Ende

„Und ob“, lacht Torsten Meisel und verweist auf seine stattliche Sammlung von aktuell über 440 Figuren. Die stehen friedlich in zahlreichen Vitrinen in seinem Hobbykeller nebeneinander und erzählen ganz viel über das Land, aus dem sie einst kamen. Im Grunde repräsentieren die kleinen und großen Figuren nicht nur die Wirtschaftsentwicklung der DDR, sondern auch deren Politik. Denn als es mit dem Warenangebot knapp wurde, als selbst Hellerauer Schrankwände, Trabis und Waschmaschinen zur sprichwörtlichen Bückware wurden, da verschwanden auch die meisten Werbefiguren. Da es die Produkte kaum noch gab, brauchte man sie schließlich auch nicht mehr zu bewerben. Die meisten Werbefiguren „lebten“ daher in den 50-er bis Ende der 1970-er Jahre, danach war Schluss mit lustig. Am längsten hielt sich noch der Messemann mit Weltkugelkopf, Pfeiffe und Hut – die Leipziger Messe war schließlich das Tor zur Welt.

Wer einmal vom Sammelfieber gepackt wird …

… der hat den Virus in sich und kommt von den Objekten der Begierde schwer wieder los. Selbst ein echter Virus wie Corona spielte dem Sammler Torsten Meisel in die Karten. Denn der Unternehmer (Hotsoxx, Fortnoxx, Blackluxx im Barock Eventpark) hatte plötzlich viel Zeit für Internetrecherche. „Hier finde ich die meisten Figuren und die Suche ist entspannter, als frühmorgens über Flohmärkte zu streifen.“

Und so kam er im Laufe der Jahre zu seinen Schätzen. Neben einer Reihe Messemänneln und Minol-Pirolen finden sich hier Bären der Weltfestspiele 1973 in Berlin, eine ganze Abteilung Reporter von Sächsischer Zeitung, BZ am Abend, Märkischer sowie Leipziger Volkszeitung, das „MMM-Raketchen“ der Messe der Meister von Morgen, stattliche kleine Thälmann-Pioniere sowie Ede und Edeltraud, die den Tierpark Berlin vertraten. Ille und Pille vom Turn- und Sportfest gibt es in mehreren Varianten und auch von den hölzernen gelb-roten FDGB-Feriendienst-Männlein hat Torsten Meisel etliche Exemplare aufgetrieben, ebenso Turino und Turinchen vom DDR-Reisebüro.

Seltene Exemplare, für die Sammler fast alles geben

Natürlich finden sich in Meisels Schatzkammer auch echte Raritäten. Dazu gehört auf jeden Fall der ein Meter hohe Tele-Lotto-Otto. Und wer kennt schon noch die Easy Rider von MZ (Motorradwerk Zschopau) oder die Blitzi-Figuren des VEB Farbenfabrik Wolfen? Dessen Slogan „Blitzi bringt Chemie ins Haus“ dürfte bei vielen Menschen heute eher Unbehagen hervorrufen. Auch den Schneider von Malimo (Textilien von Mauersberger-Limbach-Oberfrohna) dürften nur wenige Fans besitzen, ebenso wie die Fewa-Johanna (Waschmittel) oder den „Spezitex“. Der sieht aus wie Sherlock Holmes und war das Warenzeichen des DDR-Textilverbandes. Und so gut wie unbekannt dürfte heute der „Mux“ sein, der aussieht wie ein Flaschengeist und für „Mux Insektentod“ stand. Heute wäre Mux als Werbebotschafter wahrscheinlich der Tod für seinen Hersteller. Wie sich die Zeiten doch ändern ..

Werbung war weiblich und damit politisch

Dass die DDR in Sachen Emanzipation der BRD weit voraus war, ist ja bekannt. Dass sich dies auch in den Figuren zeigte, sieht man in Torsten Meisels Keller. Hier stehen Stewardessen neben Feuerwehrfrauen, die Bergmannsfrau (oder Bergmännin?) neben der Zimmermännin.
Gibt‘s eigentlich eine Figur, die noch fehlt? „Ja, den Arbeitsschutz-Theo hätte ich gern noch“, lacht Meisel. „Aber er war wohl nur eine Fernsehfigur.“ Platz in einer Vitrine (sowie für ein, zwei weitere Vitrinen) hätte der Sammler noch …

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