Effektiver Jahreszins, Sollzins, Nominalzins?

Effektiver Jahreszins, Sollzins, Nominalzins?
Es ist nicht immer einfach alle Kosten eines Kredits aufzuschlüsseln. // Foto: © unsplash.com, Scott Graham

Wenn jemand für eine größere Anschaffung Geld benötigt, dann wird in der Regel ein Kredit dazu aufgenommen. Das ist beispielsweise beim Autokauf der Fall oder eben beim Kauf sowie dem Bau eines Häuschens. Dabei leihen sich Kreditnehmer Geld bei einem Kreditgeber. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Banken. Allerdings verleihen diese Banken ihr Geld nicht so ohne Weiteres. Immerhin möchten sie daran etwas verdienen. Deshalb müssen Kreditnehmer zusätzlich zur geliehenen Geldbetrag Zinsen auf die Summe zahlen. Doch das sind nicht die einzigen Kosten, die bei einem Kredit anfallen. Fast alle Kosten werden unter dem sogenannten effektiven Jahreszins zusammengefasst. Doch was verbirgt sich dahinter?

Was verbirgt sich hinter dem Effektivzins?

Der effektive Jahreszins lässt sich wohl am besten mit einem Vergleich erklären. Er lässt sich beispielsweise mit der Miete oder dem Gehalt vergleichen. Der Effektivzins ist quasi ein Brutto-Kredit. Bei einer Mietwohnung wäre er die Warmmiete inklusive aller effektiven Kosten, die auf einen dabei zukommen.

Im Gegensatz dazu steht der Sollzins, der auch Nominalzins genannt wird. Er stellt die Nettokosten für einen Kredit dar. Er bildet quasi eine Art Grundzins für die Finanzierung. Allerdings kommen noch eine Reihe weiterer Kostenbausteine hinzu, die dann zusammen mit dem Sollzins den effektiven Jahreszins bilden.

Wer nun einen Kredit beantragt sollte also nicht nur auf die Höhe des Sollzinssatzes achten, sondern vor allem auf den effektiven Jahreszins, um die gesamten Kosten für die Finanzierung im Blick zu haben.

Effektivzinssatz berechnen

Banken sind für gewöhnlich den Effektivzinssatz beim Kreditangebot anzugeben. Darauf gehen wir im weiteren Verlauf des Texts noch etwas genauer ein. Trotzdem kann es für Kreditinteressierte von Vorteil sein, wenn sie wissen, wie sich der Effektivzinssatz berechnen lässt.

Dazu ist es wichtig, die Zusammensetzung des Effektivzinssatzes zu können. Hier lohnt sich ein Blick ins entsprechende Gesetz, und zwar die Preisangabenverordnung §6. Es müssen als alle kreditbezogenen Kosten mit einfließen, die der Bank bekannt sind.

Allerdings gibt es daneben auch noch Kosten, die zwar in Verbindung mit dem Kredit stehen, jedoch nicht im Effektivzins enthalten sind. Zunächst konzentrieren wir uns an dieser Stelle auf die Posten, die den effektiven Jahreszins ausmachen.

Sollzinssatz oder Nominalzins

Es ist der wohl wichtigste Posten in der Zusammensetzung des Effektivzinses. Der Sollzinssatz stellt die Grundlage der Zinsberechnung für den Kredit dar. Diesen Zinssatz machen Banken von der Laufzeit des Kredits, der Höhe der monatlichen Raten und nicht zuletzt der eigentlichen Kreditsumme abhängig.

Der Zinssatz kann sich je nach Kreditart ändern oder über die gesamte Laufzeit auf einem konstanten Niveau bleiben. Ist letzteres der Fall spricht man von einer sogenannten Sollzinsbindung. Das gibt Kreditnehmern wiederum Planungssicherheit bei der Rückzahlung der Kreditsumme.

Insbesondere bei Immobilienfinanzierungen ist eine lange Sollzinsbindung nötig. Allerdings läuft diese Zinsbindungsfrist meist aus, bevor der Kredit komplett zurückbezahlt ist, weshalb ein neuer Zins vereinbart werden muss. Entweder wird der Kredit weitergeführt oder eine günstigere Finanzierung löst den bestehenden Kredit ab. Bei herkömmlichen Ratenkrediten ist eine Zinsbindung jedoch ebenfalls nicht unüblich.

Kosten für die Kreditvermittlung

Wird der Kredit über einen Vermittler abgeschlossen, hat der Anspruch auf eine Provision. Zwar zahlt die Bank diese Provision zunächst, allerdings wird die auf den effektiven Jahreszins aufgeschlagen. Die Höhe beträgt meist zwischen 0,5 und 1 Prozent des gewünschten Kreditbetrags.

 Allerdings muss dazu erst ein Kreditvertrag zustande kommen. Eine Beratung seitens des Kreditvermittlers ist meist kostenlos. Kommt am Ende kein Kreditvertrag zustande geht der Vermittler auch leer aus.

Allerdings bieten Kreditvermittler einige Vorteile für potenzielle Kreditnehmer. Sie können beispielsweise die Ausgangssituation und die Wahrscheinlichkeit den Kredit zu bekommen besser einschätzen. Außerdem verfügen sie über eine größere Angebotsvielfalt.

Ein Vergleich verschiedener Kredite und ihrer Konditionen lohnt sich immer.

Restschuldversicherungen

Hierbei handelt es sich um eine besondere Form der Lebensversicherung. Sie dient dazu die Zahlungsfähigkeit bei einem laufenden Kredit auch weiterhin zu gewährleisten. Sie greift dann, wenn ein Todesfall, Arbeitslosigkeit oder Arbeitsunfähigkeit die Rückzahlung eines unmöglich machen.

Wichtig zu wissen ist, dass die Verträge von Angebot zu Angebot unterschiedlich sind. Hier kann aber ein genauer Blick ins Kleingedruckte helfen. Bei kleineren Kreditbeträgen gilt es zudem abzuwägen, ob eine solche Versicherung überhaupt nötig ist und das Angebot nicht einfach nur verteuert.

Ist die Restschuldversicherung eine Voraussetzung, dass die Bank den Kredit überhaupt genehmigt, muss sie in den effektiven Jahreszins mit eingerechnet werden. Handelt es sich um eine freiwillige Restschuldversicherung, wird sie bei der Berechnung nicht berücksichtigt.

Zinsbindung und ihre Dauer

Wie bereits erwähnt, sorgt die Zinsbindung dafür, dass über den gesamten Darlehenszeitraum ein festgelegter Zinssatz entrichtet wird. Die Dauer der Zinsbindung muss ebenfalls in den effektiven Jahreszins miteinberechnet werden. Für die Dauer der Zinsbindung lässt sich der effektive Jahreszins genau bestimmen.

Läuft die Zinsbindung vor Ende der Kreditlaufzeit aus, so wie es oft bei Baufinanzierungen der Fall ist, werden die Karten wieder neu gemischt. Der effektive Jahreszins lässt sich also nicht genau für den gesamten Zeitraum der Finanzierung bestimmen.

Ähnlich kompliziert sieht es bei variablen Darlehen aus. Das sind Darlehen, die über keinerlei Zinsbindung verfügen. Die Zinsen passen sich alle drei Monate an den aktuellen Markt an. Der Nachteil hierbei ist, dass möglicherweise kurzfristig die Marktzinsen stark ansteigen und der Kredit dadurch teuer wird. Die Rückzahlung ist schlechter planbar.

Solche Finanzierungen eignen sich wirklich nur dann, wenn es innerhalb kurzer Zeit zurückgezahlt werden kann.

Es ist nicht immer einfach alle Kosten eines Kredits aufzuschlüsseln. © unsplash.com, Scott Graham

Tilgungsraten und Zinsraten

Die Tilgungs- und Zinsraten werden ebenfalls beim effektiven Jahreszins berücksichtigt. Je nach Art des Darlehens gibt es hier viel Variation und Spielraum. Zunächst sollten wir einen Blick auf die gängigsten Kreditarten werfen:

  • Annuitätendarlehen: Die monatliche Rate setzt sich aus einem Tilgungs- und einem Zinsanteil zusammen. Sie bleibt immer gleich, allerdings verändert sich das Verhältnis von Zins zu Tilgung. Anfangs ist der Zinsanteil größer. Er wird von Rate zu Rate kleiner, der Anteil der Tilgung wiederum größer.
  • Tilgungsdarlehen: Hier bleibt der Tilgungsanteil bei jeder Rate gleich. Hinzu kommt der Zinsanteil der mit jeder Zahlung kleiner wird.
  • Endfälliges Darlehen: Während der gesamten Laufzeit des Darlehens werden nur die Zinsen auf die geliehene Summe gezahlt. Die gesamte Rückzahlung folgt am Ende der Laufzeit auf einen Schlag.

Die Wahl der Darlehensform hat letztlich einen Einfluss auf den effektiven Jahreszins.

Bei Baufinanzierungen: Kosten für eine Immobilienbewertung

Baudarlehen nehmen grundsätzlich bei den Krediten eine Sonderform ein. Hier gibt es meist einige Punkte mehr zu beachten als bei herkömmlichen Ratenkrediten. Deshalb fließen beim Effektivzins einer Baufinanzierung noch weitere Faktoren ein, die die Kosten für die Finanzierung erhöhen können.

Oft muss eine Immobilie von einem Gutachter bewertet werden, damit die Baufinanzierung genehmigt werden kann. In diesem Fall müssen die Kreditnehmer die Kosten für diese Bewertung tragen. Die kann unter Umständen den Kredit um bis zu 2.500 Euro verteuern.

Allerdings sind die Kosten nur dann zu tragen, wenn sie für die Genehmigung des Kredits wirklich notwendig ist.

Vorsicht bei Verwaltungskosten für Darlehenskontos

Zwar dürfen laut dem bereits genannten Paragrafen 4 der Preisangabenverordnung die Kosten für die Eröffnung und Führung eines spezifischen Kontos in den effektiven Jahreszins miteingerechnet werden, allerdings muss das Konto als Voraussetzung dafür gelten, dass das Darlehen überhaupt zustande kommen kann.

Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn der Kreditnehmer kein Konto in Deutschland hat. Das ist jedoch zwingend notwendig, um hierzulande überhaupt einen Kredit beantragen zu dürfen.

Ist das nicht der Fall, sind diese Kosten sogar rechtswidrig. Gleiches gilt für im Kreditvertrag aufgeführte ominöse Verwaltungskosten für das Darlehen. Hier sollten potenzielle Kreditnehmer aufhorchen und beim jeweiligen Berater oder Kreditvermittler nachfragen.

Bearbeitungsgebühren für Darlehen und eine ganze Reihe weiterer Bankentgelte in Verbindung mit Krediten sind ebenfalls rechtswidrig. Hier kann es sich lohnen, das Kleingedruckte genau zu lesen.

Kreditnebenkosten müssen deutlich gemacht sein

Der effektive Jahreszins soll es Kreditnehmern ermöglichen, die Finanzen besser zu planen. Anders als beim Nominal- oder Sollzins sind hier bereits alle Kosten an einer Stelle zusammengefasst. Wird der Kreditvertrag aufgesetzt, müssen sämtliche Kreditnebenkosten, die in den Effektivzinssatz mit einfließen, kenntlich gemacht werden.

Allerdings können sich Banken hier ein kleines Schlupfloch zunutze machen. Werden einzelne Posten anders als in der Preisangabenverordnung genannt und beschrieben, müssen diese nicht hier mit ausgewiesen werden.

Dadurch können wiederum versteckte Kreditkosten entstehen, die die Finanzierung möglicherweise verteuern.

Diese Kosten stecken nicht im Effektivzinssatz

Es sind eben nicht alle Kosten im Effektivzinssatz enthalten, die beim Abschluss einer Finanzierung auf die jeweiligen Kreditnehmerzukommen. Vor allem optionale Kosten, die zwar mit dem Kredit zusammenhängen, aber kein Muss sind, spielen hier eine Rolle. Dazu gehört beispielsweise eine freiwillige Restschuldversicherung. Daneben gibt es noch weitere Kostenpunkte, die nicht in den effektiven Jahreszins mit einfließen:

  • Zinsen für die Bereitstellung
  • Gebühren, die auf das Konto anfallen
  • Gebühren für Teilzahlungen, wie es beispielsweise beim Hausbau vorkommen kann
  • Kosten für Vorfälligkeitsentschädigungen
  • Bei Baufinanzierungen: Die Kosten für die Grundbucheintragung der Bank

Fazit

Wer einen Kredit abschließen möchte, sollte nicht ausschließlich auf den Soll- beziehungsweise Nominalzins achten. Andernfalls könnte spätestens bei den ersten Rückzahlungsraten eine böse Überraschung drohen.

Um einen guten Überblick über die finanzielle Belastung durch einen Kredit zu bekommen, sollte immer der effektive Jahreszins genauer betrachtet werden. Hier sind alle wichtigen Kosten bezüglich des Kredits zusammengefasst.

Vorsicht ist jedoch bei versteckten Kosten geboten. Deshalb sollten die Verträge im Vorfeld genau überprüft werden. In jedem Fall ist ein Vergleich verschiedener Kredite und Anbieter sinnvoll, um am Ende von dem am besten passenden Angebot profitieren zu können.

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