Mit dem MOBIshuttle zur nächsten Haltestelle

Mit dem MOBIshuttle zur nächsten Haltestelle
Odai Alsaid Ali ist einer von derzeit 25 Shuttlefahrern, die seit diesem Mittwoch im Dresdner Norden mit sieben Elektrobussen unterwegs sind. // Foto: Sven Ellger/SZ

In den Stadtteilen Klotzsche, Pieschen und Neustadt ist jetzt ein DVB-Pilotprojekt gestartet, das den ÖPNV noch attraktiver machen soll.

Wer Weg von oder zur nächsten Bus- oder Bahnhaltestelle ist zu weit oder zu beschwerlich? Das Wohngebiet zu abgelegen? Kein Problem: Ab sofort gibt es speziell dafür den MOBIshuttle, der quasi als Zubringer fungiert.
Beschlossen hatte der Dresdner Stadtrat das Projekt im Dezember 2021. Die Laufzeit ist auf drei Jahre angelegt, ab 2023 wird auch Weixdorf einbezogen.
Anfang 2024 erfolgt eine Auswertung, auf deren Basis der Stadtrat über eine Fortsetzung entscheiden wird.

Wo gibt’s den MOBIshuttle und wie funktioniert’s?

MOBIshuttles sind elektrisch betriebene Kleinbusse, die „on demand“, also bei Bedarf, bestellt werden können. Das geschieht per App, die man für alle gängigen Handys herunterladen kann. Nach einer einmaligen Registrierung in der App können sofort Fahrten gebucht werden. Demnächst soll es auch telefonisch bestellbar sein.
Die MOBIshuttle verkehren täglich von vier Uhr morgens bis ein Uhr nachts sowie an den Wochenenden durchgehend. Gefahren wird in den Testgebieten ohne festen Linienweg oder Fahrplan. Maximal vier Fahrgäste können mitgenommen werden. Auch Rollstuhlfahrer werden befördert.

Damit die Fahrzeuge möglichst effektiv unterwegs sind, optimiert eine Software im Hintergrund alle Bestellungen und fasst Fahrtwünsche ähnlicher Strecken zu einer Tour zusammen. „Pooling“ nennen das die Entwickler. Die Fahrgäste werden nach und nach abgeholt und zum gewünschten Ziel gebracht. Die MOBIshuttle halten jedoch nur an den in der App ausgewiesenen virtuellen Haltepunkten sowie an vielen Haltestellen, aber nicht direkt vor der Haustür. Ein kurzer Fußweg ist also nach wie vor nötig.

Wann wird bestellt und was kostet es?

Die Bestellung des Shuttles erfolgt direkt vor Fahrtantritt. Je nach Verfügbarkeit soll es in 10 bis 15 Minuten an dem gewünschten Haltepunkt sein. In der App kann die Ankunft des Fahrzeugs sogar live verfolgt werden. Kurz vor Ankunft meldet sich das Handy noch einmal beim Besteller mit dem Hinweis auf das sich nähernde Fahrzeug. Dann heißt es pünktlich sein, denn lange warten können die MOBI-Fahrer am Haltepunkt nicht.

Der Preis berechnet sich dynamisch anhand verschiedener Kriterien. Gibt es beispielsweise auf der gewählten Fahrtstrecke keine Straßenbahn- oder Busverbindung, bleibt es günstig. Dabei genießen Abo-Kunden deutliche Preisvorteile, im besten Falle fallen keine zusätzlichen Kosten an. Wird dagegen der Fahrtweg parallel zu einer Straßenbahn- oder Buslinie gewählt, steigt der Preis deutlich an. „Damit soll ein Anreiz geschaffen werden, das MOBIshuttle tatsächlich nur als Zubringer oder Ergänzung zu Straßenbahn und Bus zu benutzen“, so DVB-Finanz- und Technikvorstand Andreas Hemmersbach.
Der Fahrpreis wird in der App vor der Buchung verbindlich angezeigt, so dass man zwischen den angebotenen Alternativen wählen kann. Wer bestellt hat, bezahlt gleich bargeldlos in der App. Beim Einsteigen zeigt man dem Fahrer des MOBIshuttles nur noch die gültige Buchung auf dem Handy.

Wie wurden die Stadtteile ausgewählt?

Besiedelungsstruktur, Bevölkerungsdichte, Durchschnittsalter und Verkehrsmittelwahl sind die Merkmale, nach denen die Stadtteile für einen praxistauglichen Test ausgewählt wurden. Weil zunächst nur sieben Fahrzeugen im Einsatz sind, sollten die Testgebiete möglichst nebeneinander liegen. Mit den Stadtteilen Klotzsche, Neustadt, Pieschen und ab 2023 Weixdorf klappt das. Alle verbindet dabei eine Gemeinsamkeit: Sie weisen noch „kleinräumige Erschließungsdefizite durch den ÖPNV“ auf. Damit sind sie für den Test am besten geeignet.

Welche Partner sind mit an Bord?

Mit der Bereitstellung der Fahrzeuge und der Realisierung des Fahrdienstes wurde die Firma CleverShuttle beauftragt, die Software kommt von Via. Das Sächsische Landesamt für Straßen und Verkehr hat bundes-weit eine der ersten Genehmigungen nach dem neuen Paragrafen 44 des Personenbeförderungsgesetzes zum Linienbedarfsverkehr erteilt.

Der dreijährige Testbetrieb kostet einschließlich Fahrzeugbeschaffung und Softwareprogrammierung insgesamt 6,5 Millionen Euro. Davon werden knapp 3,3 Millionen Euro durch das Bundesverkehrsministerium gefördert, weitere rund 780.000 Euro kommen vom Freistaat Sachsen.

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