Die fabelhafte Welt der Katja Tomzig

Katja Tomzig
Katja Tomzig in ihrem Atelier in der „Kö 9“, wo am 30. Juli ihre Ausstellung öffnet Foto: Pönisch

Vor elf Jahren zog die 47-Jährige von Dresden nach Köln. Geplant waren dort anderthalb Jahre. Nun ist die Ur-Dresdnerin wieder zu Hause und scheint tatsächlich angekommen zu sein. Auch bei sich selbst.

Da lag sie also 2019 mit einer schweren Erkältung wochenlang flach, verzweifelt an sich selbst und ein stückweit auch an der ganzen Welt. Und plötzlich waren sie da, diese Geschöpfe. Geboren aus ein paar Farbklecksen. Auf einem Blatt Papier, das eigentlich zum Abwischen einer farbverschmierten Glasplatte diente. Und ja: Diese Geschöpfe sind einfach der Knaller. Man schaut sie an und muss lächeln. Selbst wenn diese Wesen versuchen grimmig zu schauen wie die „Energiediebe“ – sie verbreiten trotzdem gute Laune. Die Energiediebe, der Advokatenvogel, die Krokodiva, der Delifant, die Wassergeister, der Bähmann, die intergalaktischen Hasen und wie sie alle heißen: Die Welt braucht mehr davon.

Katja Tomzig
Eine kosmische Geburt oder Sandmanns Feierabend Aquarellfarbe und -stift auf handgeschöpftem Papier, 71×50,2 cm

Der lange Weg von den Alten Meistern zu den Geschöpfen

Katja Tomzig kam 1975 in Dresden zu Welt. Ein echtes Neustadtkind sei sie immer gewesen. Eins, das sich früh schon für Bücher und das Malen interessierte. Das sich lauter lustige Gegenstände ausdachte, die es später einmal herstellen würde. Denn die kleine Katja wollte Formgestalterin werden, wie damals Designer genannt wurden.
Doch dann kamen zuerst die Wende und später ein Kunst- und Germanistikstudium auf Lehramt dazwischen, von dem sie bald merkte, dass das nicht ihre Berufung werden würde. Sie versuchte es als Zeitungsredakteurin, Fotografin und Presseverantwortliche eines Großveranstalters, bis es sie 2010 nach Köln verschlug. Und erst hier besann sich Katja Tomzig auf ihre Leidenschaft zur Malerei. Besuchte die Freie Kunstschule Köln, die sie mit dem Diplom im Fach Malerei und einem Semester Meisterschule abschloss sowie die Fine Art Academy Cologne, wo sie ihre Fertigkeiten bei internationalen Künstlern verfeinerte.

Und nun? Sie wollte ihr Handwerk immer bestmöglich beherrschen, um die Missstände, die sie in der Welt sieht, so deutlich wie möglich aufzeigen zu können. „Je näher ich mir selbst kam, desto klarer wurde mir, dass ich aufhören muss, gegen etwas zu sein. Dass ich Situationen, mit denen ich nicht einverstanden bin, nicht noch manifestieren muss, indem ich sie bildhaft festhalte. Und damit wiederum auch die Betrachter zwinge, sie durch ihre Aufmerksamkeit mit neuer Energie zu speisen.“

Das Universum, sagt sie lachend, habe sie deshalb vor drei Jahren mit jener schweren Erkältung zu einer Pause gezwungen. Und aus einer zufällig mit einem Blatt Papier abgewischten Glasplatte jene Geschöpfe zu ihr gebracht, die heute ihr Stil, ihr einzigartiges Markenzeichen sind.

Katja Tomzig
Der September 2020 zeigte sich hie und da noch recht garstig. Energiediebe allerorten. 2020-21 Eitempera, Aquarell- und Metallfarbe sowie Aquarellstift auf Finnpappe, 100x63cm

Bunte Welt der Fantasie: Wer sieht was?

Statt Öl sind es nun Eitempera, Aquarell- und Metallfarbe, hin und wieder ergänzt um einen Kaffee- oder Teefleck, aus dem die Tomzig-Wesen hervorkommen. Statt Alte Meister-Kunst schafft sie eine neue Fabelwelt – unglaublich bunt und vielfältig und fantasievoll und vor allem: Freude verbreitend. Denn wie gesagt: Der Betrachter muss zwangsläufig lächeln und darüber hinaus lässt sich mit der Künstlerin trefflich über diese Geschöpfe philosophieren. Ist das nun ein Wesen aus der Star Wars Trilogie, ein Urzeitfisch oder ein bis dato unbekannter Cousin von Pittiplatsch? „Darüber freue ich mich am meisten: Wenn jemand erzählt, was er oder sie in meinen Bildern sieht.“ Übrigens: die lustigen Bildtitel entstehen eigentlich schon gleich mit den Geschöpfen. „Ist ein neues Bild fertig, steht auch schon der Name des Motivs fest“, erklärt sie.


Nach elf Jahren Fernweh ist Katja Tomzig nun also zurück. Angekommen in ihrer Heimat und bei sich. Mit ihren „Facetten der Schöpfung“, die schon in Köln, Rom, London, Brüssel, Madrid, Zürich, Mailand und auf Fuerte Ventura zu sehen waren und nun ab 30. Juli endlich auch in Dresden. Hier im Kreativ-Standort „Kö 9“ auf der Kötzschenbroder Straße in Kaditz hat sie ihr kleines Atelier und bis 20. August ihre erste große Ausstellung, wo die Geschöpfe entdeckt werden wollen.

Ausstellung: 30. Juli bis 20. August, Mi. bis So. 15 bis 19 Uhr sowie nach Vereinbarung (0176-612 59 444)

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