Beinah-Katastrophe an der Kathedrale: Franz von Assisi muss vom Dach

Hofkirche
Dr heilige Franz von Assisi auf dem Dach der Kathedrale ist eingenetzt, muss zur Restaurierung demnächst abgenommen werden. Foto: Pönisch

Der Schreck war riesig, als es Mitte Januar direkt neben Beate und Rainer Specker knallte. Das Paar aus Oberschwaben war auf Kurzurlaub in Dresden und hatte gerade das Innere der Kathedrale besichtigt. Nun wollte es seine Stippvisite außerhalb fortsetzen, schaute sich gerade Zwinger und Semperoper an, als es fast erschlagen worden wäre. Und zwar vom rund 1,20 Meter langen und entsprechend schweren Sandsteinarm des Franz von Assisi, eine der 74 Heiligenfiguren auf dem Dach der Kathedrale. Wie konnte das passieren?

„Durch den Frost-Tau-Wechsel und die heftigen Winterstürme kam es möglicherweise zum Abbruch eines Sandsteinstückes der Skulptur. Die genaue Ursache wird noch ermittelt“, erklärt Alwin-Rainer Zipfl, Pressesprecher des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB).
Was passiert nun?
Die 3,50 Meter hohe Figur des Franz von Assisi gehört zu den 28 original erhaltenen Skulpturen auf dem Dach des Seitenschiffs , die der Bildhauer Lorenzo Mattielli im 18. Jahrhundert für das Äußere der Kathedrale schuf. Viele Figuren wurden im Februar 1945 zerstört und anschließend neu angefertigt, der heilige Franz indes hielt durch. Bis zu jenem 17. Januar. Ob er seinen Arm zurückbekommt, wo und von wem er angerfertig werden soll, steht noch nicht fest. Was laut Alwin-Rainer Zipfl bereits feststeht: „Die Skulptur des Franz von Assisi muss für die Restaurierungsarbeiten voraussichtlich heruntergehoben werden“.

Um eine Gefahr auszuschließen, wurden in der vergangene Woche auch alle anderen Originalfiguren am Turm und am Seitenschiff durch Fachleute auf ihre Standfestigkeit geprüft, obwohl die letzte Überprüfung erst im Mai 2025 erfolgte. „Die Untersuchung wird aktuell noch ausgewertet.“
28 der 40 Skulpturen auf dem Seitenschiff der Kathedrale, die bauzeitlich in den 1740er Jahren entstanden, erhalten in den kommenden Wochen vorsorglich aus Sicherheitsgründen ein Sicherheitsnetz übergestülpt. Franz von Assisi steckt bereits unter einem solchen Netz. Auch die gesamte Kathedrale wurde aus Gründen der Verkehrssicherheit vorsorglich absperrt. „Diese Bauabsicherung kann erst dann beseitigt werden, wenn alle Originalskulpturen ihr Sicherheitsnetz bekommen haben“, sagt Zipfl.
Ehepaar Specker denkt noch viel darüber nach, wie ihre beiden Leben „am seidenen Faden“ hingen. „Die Wahrscheinlichkeit geht mir nicht aus dem Kopf“, sagt Rainer Specker. „Die Kirche steht seit 250 Jahren dort. Wie wahrscheinlich ist es, dass der Arm genau dann herunterfällt, wenn wir davorstehen?“ Beide sind katholisch. Doch als ein direktes „Zeichen von oben“ interpretieren sie den Vorfall nicht.

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