Das rund 3.500 qm große Areal hinterm Kristallpalast mit der Flurstücksnummer 934/80 auf der Prager Straße darf getrost als toter, öder und zubetonierter Platz bezeichnet werden. Aufenthaltsgrund und -wert: Null.
Zwischen Wohnkomplex Prager Zeile und St. Petersburger Straße ist einfach – nichts. Außer Beton. Im Sommer heiß, im Herbst und Winter einfach nur trist.
Schon 2020 gab’s erste Vorschläge
Gut Ding will Weile haben. Erst recht, wenn es um (UM)Bauvorhaben geht. Es ist jetzt fast sechs Jahre her, seit im Juni 2020 zwei Studenten erste Ideen für die Platzgestaltung der Betonwüste hinter dem modernen Kino vorstellten. Die Beiden wohnten damals nicht nur im direkten Umfeld, sondern saßen für die Grünen auch im Stadtbezirksbeirat Altstadt. „Hier könnte ein Spielplatz für Kinder gebaut werden, dazu Outdoor-Sportgeräte für Erwachsene, es sollten Bänke aufgestellt und ein sandgeschlämmter Weg zwischen Prager Straße und der Haltestelle Walpurgisstraße angelegt werden“, schlugen sie damals vor.
2021 nahm sich dann auch das Stadtplanungsamt dieses Themas an und beauftragte eine Freiraumplanung für das triste Areal. „Die Fläche soll entsiegelt, begrünt und so gestaltet sein, dass sie Anwohner und Passanten zum Aufenthalt und Verweilen einladen“, sagte Baubürgermeister Stephan Kühn damals.
Im September 2021 folgten dann ein Stadtspaziergang mit Stadtplanern und zwei Tage, an denen mit Infoständen vor dem Kino auf das Vorhaben aufmerksam gemacht worden war. Parallel liefen von April bis Oktober 2021 Bürgerbeteiligungen mit einer Online-Befragung, einer Postwurfsendung und Vor-Ort-Umfragen, an der 499 Bürger teilnahmen. Die Ergebnisse wurden Ende November 2022 in einer Planungswerkstatt vorgestellt.

Sechs Jahre später: Alles in Planung und sehr viel „soll“
Fast sechs Jahre nach dem ersten Pressetermin mit den beiden Studenten und dreieinhalb Jahre nach der Planungswerkstatt rückt die Betonwüste wieder ins öffentliche Bewusstsein. „Das Umfeld des Kristallpalastes soll grüner und schöner werden“, verkündete Mitte März Baubürgermeister Stephan Kühn bei einem Vor-Ort-Termin und präsentiert eine Visualisierung, wie es hier einmal aussehen soll. Auf der Freifläche in Richtung Hauptbahnhof sollen 21 Bäume gepflanzt sowie schattige Sitzmöglichkeiten, Spielgeräte sowie ein Trinkbrunnen gebaut werden. Anfallendes Regenwasser soll nicht mehr so schnell wie möglich in die Kanalisation abfließen, sondern zurückgehalten, gespeichert und für die Bewässerung von Bäumen und Grünflächen am Kristallpalast genutzt werden. Die Umwandlung des grauen Areals in ein grünes ist Stand heute mit 2,6 Millionen Euro geplant. Zwei Drittel davon werden aus der Städtebauförderung bereitgestellt. „Die ersten Bauarbeiten sollen 2028 starten und und 2031 soll alles rechtzeitig vorm Start der Bundesgartenschau fertig sein“, heißt es auf der Homepage der Stadt. Immerhin: Elf Jahre nach der ersten Idee könnte die versiegelte tote Fläche also tatsächlich lebendig und grün sein. Die Planung soll demnächst in den politischen Gremien beraten werden, ehe der Stadtrat abschließend über die Umsetzung entscheidet.
Umgestaltung der Haltestelle
Einen kleinen grünen Lichtblick gibt es allerdings schon etwas eher. Bereits vor der eigentlichen Platzgestaltung soll Ende dieses der Umbau der Haltestelle Walpurgisstraße zur Doppelhaltestelle beginnen. Die Haltestelle liegt auf einer wichtigen Nord-Süd-Achse durch die Innenstadt und wird von bis zu vier Straßenbahnlinien stark genutzt. Nach dem Ausbau können dort künftig zwei 45 Meter lange Straßenbahnen hintereinander halten. Entlang der Haltestelle sind zwölf neue Bäume und zusätzliche Begrünung geplant.
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