Sachsens erster Wärmepumpen-Cube steht in Dresden

Wärmepumpen-Cube Vonovia
Christian Löhnert, Projektleiter Bauprojektmanagement (re) erläutert die Funktionsweise des Wärmepumpen-Cube auf der Karlsruher Str. 49/51 Foto: Pönisch

Von weitem sieht der schwarze Klotz im Hof der Häuser Karlsruher Straße 49/49a und 51/51a wie ein normaler 20-Fuß-Standardcontainer aus. So einer, wie man ihn auf Lkws tagtäglich sehen kann.
Doch der schwarze Container, der hier im Dresdner Süden steht, ist alles andere als eine metallene Transportbox.

Er ist eine Innovation voller Technik. Er ist der erste Wärmepumpen-Container, der in mehreren Gebäuden gleichzeitig für warmes Wasser und warme Heizungen sorgt. Kurz: Der EnerCube von Vonovia ist laut Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen „ein wichtiger Baustein für die kommunale Wärmewende“. So wichtig, dass er auf dem digitalen Energielotsen der Stadt als gutes Praxisbeispiel genannt wird.

Ein halber Tag Aufbau und der Cube ist startklar

Von außen wirkt der Wärmepumpen-Cube unscheinbar. Im Inneren ist er eine moderne Heizzentrale mit Wärmepumpe, Warmwasserbereitung, Hydraulik und Steuerungstechnik. Alle Komponenten wurden bereits in einem Werk in Aachen vormontiert und anschlussfertig geliefert. Per Kran wurde die Anlage im Mai in den Innenhof gehievt und auf ein Betonfundament gesetzt. Das Anschließen an die neuen Wasserleitungen in den Häusern dauerte einen halben Tag. „Auch die Einschränkungen für die Mieter waren kurz, sie mussten kaum zwei Stunden auf Warmwasser verzichten“, erklärt Vonovia-Regionalleiterin Juliette Kleffel.

Seitdem versorgt der Cube insgesamt 24 Wohnungen mit rund 1.450 Quadratmetern Wohnfläche mit Warmwasser und ab Herbst warmen Heizungen. Die Wärmepumpen arbeiten mit einer Gesamtleistung von 60 Kilowatt, der Strom dafür kommt von einer PVC-Anlage auf dem Dach des Hauses gegenüber. Statt 160.000 Kilowattstunden Gas wie bisher werden künftig etwa 42.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr benötigt. Das heißt, gegenüber der bisherigen Gasversorgung spart die neue Anlage jährlich rund 32 Tonnen CO2 ein „Das werden die Mieter an sinkenden Nebenkosten spüren“, verspricht Ingolf Stitz, Regionalbereichsleiter Dresden bei Vonovia. Allerdings würden natürlich die Investitionskosten für den Wärmepumpen-Cube auf die Miete umgelegt. Doch wie hoch diese „Modernisierungs-Umlage“ im konkreten Fall sein wird, das stehe noch nicht fest. „Das hier ist ein Pilotprojekt in Sachsen. Erst wenn alles abgerechnet ist, reden wir über die Summe“, so Ingolf Stitz.

Wärmepumpen-Cube Vonovia
Foto: Vonovia/A. Wirsig

Wann kommen die Wäschestangen zurück?

Nicht alle Mieter sind glücklich über den Fortschritt vor ihren Balkonen. So nutzte ein Mieter die Vorstellung der Anlage vor der hiesigen Presse neulich für eine spontane Frage: „Bekommen wir unsere Wäschestangen zurück?“ Und überhaupt: Statt auf Wiese und Bäume schaue man jetzt auf dieses schwarze Ding vor den Fenstern. „Wer hat denn diesen Standort entschieden?“ Der sei, so erläutert es Christian Löhnert, Projektleiter Bauprojektmanagement, sorgfältig ausgewählt. „Bei allen anderen Standorten hätten Bäume gefällt und mehr Leitungen umverlegt werden müssen.“

Dass die Wäschestangen zurückkehren, verspricht Juliette Kleffel. „Es werden weniger sein als vorher, aber alle Mieter haben ja einen Balkon, auf dem auch Wäsche getrocknet werden kann.“
Für das Nachbarhaus Karlsruher Straße 47b/c mit seinen zwölf Wohnungen schafft Vonovia im Juli noch eine separate Wärmepumpe an. „Denn nicht für jeden Standort ist der große Cube geeignet“, erläutert Christian Löhnert. Dennoch habe die große Heizquelle im Hof viele weitere Vorteile neben der schnellen Montage der vorgefertigten Anlage: Sollte mal etwas augetauscht werden müssen in vielleicht 25 Jahren, dann sei das leicht und jederzeit möglich. Denn die Anlage ist wartungsfreundlich, lässt sich an der Seite öffnen. „Heizungskeller dagegen sind oft sehr eng, da kann ein Kesseltausch manchmal sehr schwierig werden“, weiß Löhnert. Außerdem sei Fernwartung möglich.

Fünf bis zehn Wärmepumpen-Cubes will die Vonovia in den nächsten Jahren in Dresden anschließen, ab 2045 will der Wohnungskonzern seinen gesamten Wohnungsbestand „treibhausgasneutral“ haben.