Das gibt es wirklich nicht oft in der Zwingerbauhütte Dresden: Eine Steinweihe. Sie ist unter Bildhauern und Steinmetzen üblich, wenn eine große und schwierige Arbeit für ein Bildwerk ansteht. Der Tradition nach bittet der ausführende Handwerker um gutes Gelingen der Arbeit.
Vor einigen Tagen fand so eine Steinweihe statt. Falk Reinhardt, der Technische Geschäftsführer des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB), war dabei, ebenso Ulrich Piets, der Kanzler der Hochschule Mittweida, sowie zuständige Denkmalpfleger und Verantwortliche der SIB-Niederlassungen Chemnitz und Dresden I. Und natürlich Hüttenmeister Ralf Schmidt, der die guten Wünsche für die anstehenden Arbeiten aussprach, sowie die Bildhauer Bärbel Hempel und Clemens Modrakowski, die mit einem ersten symbolischen Schlag auf den Stein diesen Wünschen Nachdruck verliehen.
Alles für Hephaistos und Elektra
Die Zeremonie war der Neuentstehung der beiden Skulpturen Hephaistos und Elektra gewidmet, die künftig ihren Platz im Alfred-Udo-Holzt-Baus der Hochschule Mittweida finden werden. Die beiden Originale wurden 1894 vom bedeutenden Bildhauer Heinrich Stockmann aus Karlsruhe für das “Electrotechnische Institut“ in Mittweida geschaffen. Sie symbolisieren den damaligen Fortschrittsglauben durch die Umdeutung antiker Mythengestalten mit modernen technischen Attributen. 2021 wurden die Skulpturen wegen Fassadenarbeiten an dem Gebäude abgenommen und in die Zwingerbauhütte verbracht. Nach umfangreichen Untersuchungen und Recherchen kamen die Experten zu dem Schluss, die über 130 Jahre alten Kunstwerke durch Kopien zu ersetzen.
Das wird nun Aufgabe von Bärbel Hempel und Clemens Modrakowski sein. Rund anderthalb Jahre werden die Beiden daran arbeiten. Zuvor waren jedoch noch über zweijährige Vorbereitungsarbeiten notwendig. So untersuchte die Fachgruppe Forensik der Hochschule Mittweida historische Fotos, um die ursprüngliche Handhaltung der Elektra zu ermitteln – ihr linker Arm war nämlich im Laufe der Zeit verloren gegangen ist. Andere Bauhütten und Fachkollegen wurden hinzugezogen, um den ungewöhnlichen französischen Kalkstein Lavoux für die Skulpturenkopien zu finden und einen Steinlieferanten zu gewinnen.
Wenn Hephaistos und Elektra Gestalt angenommen haben, werden sie wieder in den vorhandenen Nischen aufgestellt. Für die Originale wird noch nach einem geeigneten Standort gesucht