Dostojewski ist wieder da. Nur woanders

Dostojewski Denkmal
Foto: SIB/Müller

Im Juli 2025 wurde das Denkmal für den berühmten Schriftsteller abgebaut. „Zum Schutz aufgrund der Baumaßnahmen zur Erweiterung des Sächsischen Landtages“, wie der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) mitteilt. Jetzt steht es für fünf Jahre am neuen Interimsstandort.

Da sitzt er und schaut. Nicht auf Kathedrale und Schloss wie bisher, sondern eher etwas versteckt an der Fritz-Löffler-Straße, im Areal der wunderschönen Russisch-Orthodoxen Kirche. Mindestens bis zum 1. Quartal 2031 soll er hier ausharren, danach wieder an seinen alten Standort am Ostra-Ufer zwischen Sächsischem Landtag und Kongresszentrum zurückkehren. Dort musste er im Juli 2025 zu seinem eigenen Schutz wegen der anstehenden Bauarbeiten zur Erweiterung des Sächsischen Landtages weichen, wie die SIB-Niederlassung Dresden I informierte. Die Suche nach einem Interimsstandort sei intensiv gewesen, heißt es.

Viel Spekulation: Wo ist Dostojewski

Das Denkmal ist Eigentum des Deutsch-Russische Kulturinstitut (DRKI). Seit 2006 stand es am Elbufer, geschaffen vom berühmten russischen Bildhauer Alexander Rukawischnikow. Zur feierlichen Enthüllung waren damals Kanzlerin Angela Merkel, Ministerpräsidenten Georg Milbradt und Wladimir Putin angereist. Schließlich hatte der russische Schriftsteller zu Dresden zeit seines Lebens eine besondere Beziehung und deutsch-russische Beziehungen vor 20 Jahren eine völlig andere Konstellation.
Als Statue und Sockel Ende Juli 2025 abgebaut war, in der Steinmetzfirma von Paul Hempel eingelagert wurde und die „intensive Suche“ nach einem neuen Standort lief, schien die Angelegenheit seinen Gang zu gehen. Doch Monate später fragte die Berliner Zeitung unter der Überschrift „Wurde der Weltliterat in Dresden still gecancelt?“ nach dem Verbleib von Dostojewski. Keiner wüsste, wo es sei und schnell machte sich in sozialen Medien der Verdacht breit, das Denkmal sei aus politischen Gründen versteckt worden. Sogar der russische Botschafter in Deutschland schaute Ende November in der Dresdner Steinmetzwerkstatt vorbei, um sich vom Wohlergehen des steinernen Dichters persönlich zu überzeugen.

Vielleicht hätte es die Aufregung nicht gegeben, wenn Stadt oder Land von Anfang an ein öffentliches Statement abgegeben hätten, warum das Denkmal abgebaut wurde und wo und wann es wieder aufgebaut wird. Zum Glück ist Dostojewski wieder aufgetaucht und in fünf Jahren kann er hoffentlich wieder auf Kathedrale und Schloss blicken.