Flüchtlingshilfe in Sachsen braucht klare Konzepte statt blinder Wut

v. l.: Albrecht Engelmann, Migrationsreferent der Diakonie Sachsens, Karlheinz Petersen und Christian Schönfeld, der bisherige und der neue Geschäftsführer der Liga der Freien Wohlfahrtspflege Sachsens sowie Rüdiger Unger, Sachsens DRK-Chef stellten den Bericht zu Flüchtlingen in Sachsen 2015 vor. Foto: Una Giesecke

Heute hat die Liga der Freien Wohlfahrtspflege Sachsens ihren Bericht zu Flüchtlingen in Sachsen vorgelegt. Die Herren im Podium im Landtag nahmen dabei kein Blatt vor den Mund.

So erzählte Rüdiger Unger, Sachsens DRK-Chef, von erschöpften Ehrenamtlern, denen auf ihren Einsätzen früher anerkennend auf die Schultern geklopft wurde. Seit 2015  stehen sie oft im Kreuzfeuer unqualifizierter Kritik vor Ort. „Von rechts schimpft es: Schämt euch, dass ihr denen helft! Und von links: Schämt euch, wie mies ihr denen helft!“ Der Riss gehe durch Familien und Freundeskreise.

Er selbst findet es charmant, sich aus der Politik heraushalten zu können, denn das Deutsche Rote Kreuz erfüllt einen ausschließlich humanitären Auftrag. „Wenn man sich aber hierzulande nicht mal mehr trauen darf, Menschen in Not zu helfen, dann haben wir ein Problem.“ Es dürfe nicht angehen, dass Bedürftige gegeneinander ausgespielt werden, meinte Christian Schönfeld, der neue Liga-Geschäftsführer. „Wieso bekommen wir es in unserem reichen Land nicht hin, Obdachlosen besser zu helfen?“

Unsachliche Debatten entbehren jeder Grundlage

Albrecht Engelmann, Migrationsreferent der Diakonie Sachsens, in der Unsachlichkeit der aus dem Bauch geführten Debatten, die oft jeder Grundlage entbehrten. „Wir brauchen erst mal eine nachholende Integration für die Mehrheitsgesellschaft“,  fordert er aus den Erfahrungen heraus, die er in ländlichen Gemeinden mache. „Es ist sehr anstrengend, das kleinteilig vom Kopf auf die Füße zu stellen, aber unumgänglich.“ Leute, die solche Aufklärungsarbeit leisten, müssten vom Bund unterstützt werden.

Von dem mit Spannung erwarteten neuen Asylpaket des Bundes erhofft sich die Liga einerseits mehr Geld für hauptamtliche Koordinatoren, juristisch geschulte Dolmetscher, qualifizierte Therapeuten und Berater; andererseits braucht es dringend klarere Konzepte und schnellere Reaktionen.

„Wir haben im Herbst 2015 in der gesetzten sportlichen Frist von zehn Tagen einen qualifizierten Antrag zu Vormundschaften für unbegleitete Minderjährige bei der Sächsischen Aufbaubank gestellt. Mit dem Bescheid dürfen wir im Herbst 2016 rechnen“, führte der bisherige Liga-Chef Karlheinz Petersen ein Praxisbeispiel an.

Die Flüchtlingshilfe werde auf den Rücken der Freiwilligen ausgetragen, merkte eine Diakonie-Sprecherin an. „Sie fühlen sich genauso wie Bürgermeister und Bevölkerung von der Landespolitik allein gelassen. Die duckt sich weg, während vor Ort die Wut hochkocht.“ (Una Giesecke)

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