Die schlechteste Sängerin aller Zeiten

Die Florence Foster Jenkins Story

Sollte man sich das tatsächlich antun: einer alternden, albern überladen ausstaffierten Schrapnelle beim Falschsingen zuhören? Ja, man sollte. Wie Meryl Streep diese „Königin der Dissonanzen“, die steinreiche Kunstmäzenin Florence Foster Jenkins (1868 – 1944), spielt und wie sich Hugh Grant als Partner um sie sorgt, das ist sehenswert.

Die schlechteste Sängerin aller Zeiten wurde als Geheimtipp zum Erfolgsschlager und machte in extravaganten Garderoben in den New Yorker Clubs der zwanziger Jahre Karriere. 1944 brach ihr erster und letzter öffentlicher Auftritt mit weit über 70 Jahren in der berühmten Carnegie Hall alle Verkaufsrekorde. Da jedoch aus ihrem Freundeskreis und Publikum niemand es übers Herz gebracht hatte, der selbstbewussten Selfmade-Clubchefin die Wahrheit zu sagen,  warfen die vernichtende Kritik im Feuilleton Florence Foster Jenkins regelrecht um, sie erlitt einen Herzinfarkt, wenige Wochen später starb die Amateurdiva.

Der britische Regisseur Stephen Frears beherrscht die Balance von Komik und Tragödie perfekt. Deren Ursachen jedoch enthüllt erst die zugehörige Dokumentation. Als blutjunges Mädchen aus bestem Hause hatte die ambitionierte Kunstfreundin sich bei ihrem ersten Ehemann mit Syphilis angesteckt. Damals behandelte man die Geschlechtskrankheit mit Quecksilber und Arsen, woraufhin ihr alle Haare ausfielen, sie trug fortan Perücken. Vor allem aber wurden vermutlich Gehör und Nervensystem dauerhaft geschädigt. Die Schieflage der Töne konnte sie daher selbst nicht wahrnehmen.

Cinemaxx, Kino im Dach

Im Kino im Dach läuft zusätzlich die Florence Foster Jenkins Story am 11. Januar, um 16.15 Uhr.

 

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