Abschied der Festungskommandantin

Heute ist Jutta Nestlers letzter Arbeitstag in der Festung. Foto: Una Giesecke

Heute ist Jutta Nestlers letzter Arbeitstag in der Festung Dresden. Seit dem 9. Januar ist das Tor wegen Umbaus verriegelt. Heute schloss die Kassiererin ein letztes Mal für die Presse auf. Ab 20. Januar gehört die im Schlösserland Sachsen Angestellte zum Team der Parkeisenbahn Dresden. „Ich darf noch gar nicht drüber nachdenken“, wischt sich die verabschiedete Festungskommandantin ein Tränchen aus dem Auge.

20 Jahre lang hatte sie im historischen Kostüm Besuchergruppen durch die unterirdischen Gemäuer geführt. „Die Figur der Annemarie Rußwurm habe ich erfunden, den Festungskommandanten Rußwurm hat es tatsächlich gegeben.“ Tausende Gäste aus nah und fern hatten ihren Geschichten gelauscht. „Sie sind alle recherchiert und belegt“, plaudert die 62-Jährige, die ihre Rundgänge stets mit Humor gewürzt hatte.

Erheitert habe die Gäste beispielsweise stets der historische Abort in der Wachstube. „Ob man den benutzen darf, wurde ich mal gefragt“, erzählt Jutta Nestler. Schlagfertig habe sie gekontert: „Leider nein, da läuft ja kein Graben mehr entlang.“ Klassen habe das Marschieren viel Spaß gemacht. Und über die Vokabel „Steinschmeiße“ hätten sich die Schüler lautstark amüsiert, wenn sie die Kinder gebeten habe, sich vorzustellen, „da hätte man das M vergessen“. Dennoch hat sich die gestandene „Führungskraft“ stets durchgesetzt. Selbst vorlauten Erwachsenen habe sie in der Rolle zurufen können: „Wenn die Festungskommandantin spricht, habt ihr das Maul zu halten.“

Die Zeit der Dialoge, Nachfragen und Stegreif-Witzchen ist nun vorbei. Nach dem Umbau soll laut Schlösserland-Geschäftsführer Christian Striefler ab November 2018 eine „in Europa einzigartige“ multimediale Inszenierung noch mehr Besucher anlocken. Bislang waren es rund 50.000 jährlich gewesen, die die Kasematten unter der Brühlschen Terrasse mit der Kommandantin oder einem Hörspiel-Audioguide erkundeten. Beides werde abgeschafft, sagte Kurator Dirk Welich, und ersetzt durch ein Zusammenspiel von Licht und Klang, Filmen und Musik, 2-D- und 3-D-Projektionen sowie Gerüchen.

Führungen mit echten Menschen sind dann nur noch möglich, „wenn man den Strom ausknipst“ und damit auch die Medien, so Welich. Der Baustart wird nicht zu übersehen sein. „Demnächst wird ein spektakulärer 400-Tonnen-Mobilkran vor dem Festungseingang auf dem Georg-Treu-Platz mit einem 28-Tonnen-Bohrgerät zwölf Meter tiefe Pfähle setzen“, verkündete Bauherr Ludwig Coulin vom SIB.
2,2 Millionen Euro fließen allein in die Hochwasser-Schadensbeseitigung und -vorbeugung.

www.festung-dresden.de

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