Eine wahre Geheimdienstgeschichte

Lukas Rüppel mimt Täter und Opfer. (Foto: Sebastian Hoppe)
Lukas Rüppel mimt Täter und Opfer. (Foto: Sebastian Hoppe)

Spätestens jetzt kennen Dresdner Theatergänger sein Gesicht: Lukas Rüppel. Wie der 33-Jährige – seit vorigem Jahr Ensemblemitglied – diesen Abend allein bestreitet, mit dieser Glanzleistung hat er sich in die Herzen gespielt. Lukas Rüppel improvisiert mit einem Bühnenbild voller Regale und Requisiten.
Eine Kamera, die das Treiben hinter den Kulissen filmt, zeigt Videos, in denen Laiendarsteller zu sehen sind. Vor allem aber spricht Rüppel in verschiedenen
Tonlagen und Lautstärken in ein als Kopf verkleidetes Mikrofon, umrundet es und kommt so direkt im Ohr des Zuschauers an.

Denn jeder Platz ist mit Kopfhörern ausgestattet. Und so erlebt man am eigenen Leibe, wie Machthaber mit Mitteln des Theaters mit Menschen spielen.  Widersprüchliche Infos, Einflüsterungen, Verdächtigungen und Unterstellungen, Beobachtung, Überwachung und Verfolgung – die ganze Palette, um Menschen zu verunsichern, nutzte der tschechoslowakische Geheimdienst 1948 bis 1951 gegen sogenannte Störenfriede, die er als Feindbilder brauchte.
Die Agenten schufen ein Klima der Angst, ließen Leute verschwinden, um deren Wissen zu erschleichen und so mit den vermeintlichen politischen
Gegnern abzurechnen.

Rund 300 Opfer zählt die perfide Operation Kamen: Verdächtigen Oppositionellen wird suggeriert, dass sie in Gefahr wären und Republikflucht offeriert. Schleuser führen sie nachts im Grenzgebiet durch den Wald. Im Grenzhäuschen werden ihnen unter US-Flagge und Präsidentenporträt Lucky Strike, Whisky
und Schweizer Schokolade angeboten.
Und schon plaudert man erleichtert in der Befragung Details über Freunde, Unterstützer und Familie aus, unterschreibt ein Protokoll und läuft weiter zur
verheißungsvollen Grenze. Doch alles war inszeniert. Ein paar Meter weiter wurden die Ahnungslosen von der Polizei verhaftet. (Una Giesecke)

Am 19., 23.11. und 12.12., jeweils
19.30 bis 20.45 Uhr im Kleinen Haus 2,
Staatsschauspiel Dresden, 

Bis 25.11. dokumetarische Ausstellung
dazu im Foyer, Kleines Haus,
Glacisstr. 28

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