Steigt der Gaspreis – oder fällt er?

Der Zähler zählt – die Rechnung wird vom Gasanbieter verschickt. Wie sich die Preise in den kommenden Monaten entwickeln werden, ist noch nicht sicher. Foto: Pixabay

Die Lage für 2020 ist ziemlich uneindeutig. Ab 2021 wird Gas auf jeden Fall teurer – wegen der Klimapolitik.

Im vergangenen Jahr zeigte die Preiskurve bei Gas für die Endverbraucher klar nach oben. Doch zu Beginn dieses Jahres ist dieser Trend nicht mehr so eindeutig, und auch die Experten sind sich uneins, ob die Gasheizung in diesem Jahr eher teurer oder vielleicht doch billiger wird. Argumente gibt es für beide Szenarien.

Zum einen sind die Großhandelspreise für Gas zwischen Januar und November um 35 Prozent gesunken. Davon haben die Verbraucher allerdings nichts gemerkt. Hunderte Preiserhöhungen der Gasversorger in ganz Deutschland führten zu einem durchschnittlichen Anstieg der Endpreise um 3,3 Prozent auf 1 256 Euro für einen Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 20000 Kilowattstunden. Das sind die Zahlen des Vergleichsportals Check24; die Kollegen von Verivox kommen auf 1 206 Euro jährliche Kosten. Sie weisen darauf hin, dass der Preisanstieg schon 2018 einsetzte: Zwischen Oktober 2018 und April 2019 zogen die Verbraucherpreise um rund neun Prozent an.

Die Gasversorger begründeten den zurückliegenden Preisanstieg mit dem Anstieg der Großhandelspreise 2017 und 2018 – und mit den sinkenden Preisen für die Endverbraucher in den Vorjahren. Tatsächlich kannten die Gaspreise für Haushalte jahrelang nur den Weg nach unten, zumindest seit 2014. Auch I heute liegen sie im Durchschnitt nur wenig höher als vor zehn Jahren. Rund die Hälfte aller Haushalte in Deutschland heizt mit Gas; sie wurden so entlastet.

Anbieterwechsel kann sich lohnen

Jetzt zeigt sich ein gespaltenes Bild: Laut Verivox haben für Januar und Februar 44 Gasversorger Preiserhöhungen angekündigt, die im Schnitt vier Prozent betragen und zu einer Mehrbelastung von 51 Euro im Jahr führen. Das sind noch Spätfolgen aus dem zurückliegenden Preisanstieg. Gleichzeitig haben jedoch auch 35 regionale Gasversorger ihre Preise zu Jahresbeginn gesenkt, ebenfalls um vier Prozent im Durchschnitt. Das würde zu einer Entlastung um 56 Euro im Jahr führen.

Die Analysten von Check24 nehmen einen längeren Zeitraum ab August 2019 bis heute in Augenschein und kommen auf 83 Unternehmen mit Preiserhöhungen und 36 Grundversorger mit Preissenkungen. Angesichts von rund 700 Versorgungsunternehmen in Deutschland heißt das auch: Für viele Verbraucher hat sich nichts geändert. Die Prognosen für dieses Jahr sind ebenso gespalten wie das aktuelle Lagebild. „Angesichts der gesunkenen Großhandelspreise werden viele Gasversorger im Laufe des Jahres günstigere Angebote machen können, um Kunden zu halten oder neu zu gewinnen“, sagt Valerian Vogel, Energieexperte bei Verivox. „Wir gehen tendenziell von einer Senkung der durchschnittlichen Preise im Jahresverlauf aus.“ Die Versorgung scheine gesichert, die Speicher voll und das Angebot umfangreich.

Zu einem anderen Schluss kommt Lasse Schmid, Geschäftsführer Energie bei Check24. „Die steigenden Netznutzungsentgelte lassen darauf schließen, dass die Gaspreise in diesem Jahr steigen werden.“ Im Schnitt werden die Netzbetreiber ihre Entgelte um rund zwei Prozent anheben; lediglich in vier Bundesländern, darunter Sachsen, ist ein leichter Rückgang angekündigt. Auf jeden Fall teurer wird es für die Heizkunden im nächsten Jahr, wenn zusätzliche Abgaben nach dem gerade verabschiedeten Klimaschutzgesetz fällig werden. Durch den Preis von 25 Euro je Tonne kommen auf den Musterhaushalt mit 20000 Kilowattstunden Verbrauch Mehrkosten von rund 119 Euro im Jahr zu, hat Check24 berechnet.

Entsprechend ihrem Geschäftsmodell sind sich die beiden Betreiber von Vergleichsportalen einig, dass die Verbraucher die Preise der verschiedenen Anbieter vergleichen sollten. Mit einem Wechsel von einem Tarif der Grundversorger zu einem alternativen Anbieter ließen sich mehrere Hundert Euro im Jahr einsparen. „Alternative Tarife sind derzeit rund 30 Prozent günstiger als die örtliche Grundversorgung“, sagte Schmid.

DAWO

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