Als es den Dresdner Ferienpass noch im Pionierhaus gab

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Sylvia Lemm, kommisarische Leiterin des Dresdner Jugendamtes, zeigt den allerersten (li.) und den aktuellen Ferienpass. Foto: Pönisch

Ein Relikt aus DDR-Zeiten feiert dieses Jahr sein 40. Jubiläum und ist begehrt wie eh und je: Der Dresdner Ferienpass.

Im städtischen Sozialamt herrscht Ordnung, so viel steht fest: Alle 40 Ausgaben des Dresdner Ferienpasses sind fein säuberlich aufbewahrt worden, selbst das allererste Exemplar aus dem Jahr 1983 ließ sich finden.
Das Heftchen war damals nur halb so groß wie seine Nachfolger ab 1991 und von „bunt“ und „Gestaltung“ konnte keine Rede sein. Beigefarben mit blauer Schrift, bis 1985 schlicht mit dem Dresdner Stadtwappen und einem runden Logo mit Sonne auf dem Titelblatt kam es daher und blättert man darin, ist zu lesen, dass die Stadt für die Kinder viele „fetzige Sachen“ organisiert hat. Dazu zählten Preisangeln in der Elbe (wohlgemerkt 1983, als Fische nicht unbedingt als genießbar galten), eine Fahrt nach Rathen, Besuche im Verkehrsmuseum und im Zoo. Außerdem der Hinweis, dass es den Ferienpass in den Pionierhäusern jedes Stadtbezirkes gab – für eine DDR-Mark. Die Angebote selbst waren gratis.

Das sind die Ferienpässe der Jahre 1983 bis 1990 Foto: Pönisch

„Das Konzept ist geblieben: Kindern tolle Erlebnisse in den Sommerferien zu ermöglichen“

Im Laufe der Jahre hat sich das Heft natürlich gewandelt. Das Format änderte sich ab 1991 in A6, die Titelseiten wurden bunter, oft von Kindern gezeichnet, die Seitenzahl erhöhte sich, weil auch die Angebote von Jahr zu Jahr zunahmen. Statt einer Ost- kostete der Pass zunächst zehn Westmark, ab 2001 dann fünf, später acht und seit 2017 zehn Euro. In Spitzenzeiten wurden jährlich bis zu 13.000 Exemplare gedruckt, in den vergangenen zwei Coronajahren sank die Auflage erst auf 12.000, dann auf 8.000 Hefte. Allerdings bescherte die Pandemie dem Pass auch einen regelrechten Online-Schub, denn ab diesem Jahr gibt es das komplette Heft nur in digitaler Form, ergänzt um ein begleitendes gedrucktes Heft, in dem vor allem die beliebten Gutscheine, die Fahrkarte für den ÖPNV und eine Stempelseite für ein großes Gewinnspiel enthalten sind.

Vor 22 Jahren hielt ein neues Ordnungsprinzip Einzug in den Ferienpass – nun gab es Übersichten nach Ferientagen und Anbietern. Und schon 2001 ging der Ferienpass erstmals online. Die letzte umfassende Layout-Anpassung erfolgte 2006.

Was sich in den vergangenen 40 Jahren nicht geändert hat, bringt Jugendamtsleiterin Sylvia Lemm, auf den Punkt: „Das Konzept ist geblieben: Den Kindern tolle, spannende und abwechslungsreiche Erlebnisse in den Sommerferien zu ermöglichen“.

Ferienpass 2022 – das sind 1.200 Angebote von über 100 Veranstaltern

Die Sechs- bis 14-Jährigen, für die der Pass konzipiert ist, können in diesem Jahr aus rund 1.200 Veranstaltungen und über 100 Veranstaltern wählen. Darunter sind die Kinder- und Jugendhäuser, die Museen, Bibliotheken und Sportvereine in der Stadt, ebenso Parkeisenbahn, Panometer, die Filmnächte am Elbufer, einige Dresdner Kinos, Minigolf- und Bowling-Anlagen und der Dresdner Zoo. Und statt Preisangeln in der Elbe – mit heute durchaus genießbaren Fischen – geht es heutzutage ins Schülerlabor DeltaX, ins Medienkulturzentrum oder in den Waldseilpark Bühlau, steht der Flughafen für Blicke hinter die Kulissen bereit. Die Stadtteil-Feuerwehren locken ebenso wie das Schokoladenmuseum, Roboter können zum Tanzen gebracht und Wasserbomben-Katapulte unter fachkundiger Anleitung gebaut werden.

Als ein Highlight wirbt Sylvia Lemm für die Teilnahme am Gewinnspiel. „Wer vier Veranstaltungen besucht und sich das per Stempel bescheinigen lässt, nimmt an der Verlosung teil. Der Hauptpreis ist eine dreimonatige Tierpatenschaft für einen Pinguin.“ Auch das ein entscheidender Unterschied zum ersten Heftchen: Zwar gab es schon seit Anfang der 1970er Jahre Pinguine, doch an Patenschaften und Helfen beim Füttern war noch lange nicht zu denken.

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