Ein Denkmal mitten in Dresden, das viele Dresdner noch nie bewusst wahrgenommen haben? Ja, das gibt es. Es steht auf dem Theaterplatz, links vorm König-Johann-Denkmal. Allerdings nicht so imposant wie das Seiner Majestät, sondern ziemlich versteckt am Fuß einer historischen Gaslaterne. Gewidmet ist es Rudolf Sigismund Blochmann (1784-1871) – jenem Blochmann, nach dem 1874 in Dresden auch eine Straße benannt ist und der vor 155 in Dresden starb.
Blochmann war ein Multitalent, nach heutigen Maßstäben vielleicht sogar ein Genie. Nach seiner Lehre bei einem Mechaniker am Dresdner Palaisplatz zog es ihn nach München an ein Mechanischen Institut. In der bayrischen Metropole lernte er nicht nur Joseph von Fraunhofer kennen, mit dem er optische Instrumente entwickelte, die wiederum Wilhelm Gotthelf Lohrmann bei der Untersuchung der Topographie der sichtbaren Mondoberfläche nutzte. Blochmann stellte auch Apparate für die Mineralwasserbereitung, eine Maschine zum Prägen von Gewehrkugeln und eine zum Justieren von Münzplatten her. Er leitete eine Bierbrauerei, eine Tabakfabrik, forschte an der Gewinnung von Zucker aus Kartoffeln und baute eine Marmorschneidemühle.

Blochmanns Leidenschaft: Die Gasbeleuchtung
Blochmanns Leidenschaft gehörte allerdings der Gasbeleuchtung. Nachdem 1814 die ersten Gaslaternen in London leuchteten, war er davon überzeugt, diese Technologie auch nach Deutschland zu holen. Schon allein deshalb, damit selbige nicht nur der britischen Konkurrenz überlassen wurde.
1818 kehrte der Ingenieur und Unternehmer nach Dresden zurück, wurde hier Inspektor des Königlich Mathematisch-Physikalischen Salons und der Kunstkammer. Doch in seinem mechanischen Institut tüftelte er weiter an einer Gasbeleuchtung und schon 1819 wurde seine Werkstatt damit erhellt. Im selben Jahr erteilte Friedrich August der Gerechte den Befehl, den Platz zwischen Hofkirche, Hoftheater und Schloss durch Blochmann beleuchten zu lassen. Doch es dauerte tatsächlich bis 1828, ehe hier die ersten 36 Gaslaternen angezündet wurden. Zu groß war die Sorge der städtischen Behörden vor möglichen Gasexplosionen … 1840 war das Dresdner Opernhaus übrigens das erste Theater Deutschlands mit Gasbeleuchtung.
Auf den genialen Tüftler geht auch Dresdens erstes System zur Wasserversorgung mittels Sandsteinröhren zurück, für deren Herstellung er einen selbst schärfenden Bohrer erfand. Und er baute ein Kanalisationssystem für die Stadt. Rudolf Sigismund Blochmann starb im Mai 1871 in Dresden, er ist auf dem Trinitatisfriedhof beerdigt