Residenzschloss hat zwei neue Festsäle zurück

Residenzschloss
Blick in den Thronsaal (Propositionssaal) Foto: Matthias Hultsch

Im Frühjahr 2026 werden Propositions- und Großer Ballsaal für die Öffentlichkeit zugänglich / Wiederaufbau des Dresdner Residenzschlosses neigt sich langsam dem Ende zu

„Masken und Kronen. Festkultur und Machtrepräsentation am Dresdner Hof“ heißt die neue Ausstellung, mit der im Frühjahr (ein genauer Termin ist noch nicht genannt) die beiden gerade fertiggestellten Festsäle im Nordflügel des Dresdner Schlosses an die Öffentlichkeit übergeben werden. Zu sehen sein werden herausragende Objekte wie der einzig noch erhaltene barocke Kurfürstenhut, die Krönungsfigurine Augusts des Starken, seine berühmte Sonnenmaske von Johann Melchior Dingliner sowie ein prachtvolles, mit über 500 Schellen besetztes Schlittenzeug Friedrich Augusts II.

Orte der Macht und der höfischen Festkultur

Bei der 2023 begonnenen Rekonstruktion des Propositionssaals als auch des Großen Ballsaals haben sich die Fachleute am historischen Umbau der Jahre 1838 bis 1854 unter Hofbaumeister Otto von Wolframsdorff orientiert. Die damaligen Arbeiten sind durch umfangreiche Archiv- und Bauunterlagen gut dokumentiert. Auf die Wiederherstellung der einstigen Vergoldungen an Decken und Wänden und der monumentalen Gemälde von Eduard Bendemann wurde allerdings bewusst verzichtet, dafür erhielten beide Räume wieder das überlieferte diagonale Versailler Tafelparkett aus Eichenholz.
Der Propositionssaal war im 19. Jahrhundert ein zentraler Ort staatlicher Macht. Hier wurde 1831 die erste sächsische Verfassung überreicht. Später diente der Raum als Thronsaal und Versammlungsort des Vorläufers des heutigen Sächsischen Landtages. Fünf originale Leuchter, darunter ein großer Kronleuchter, kehrten gerichtet und gereinigt an ihren historischen Ort zurück. Ihre Engelsfiguren symbolisieren die Erleuchtung von König und Ständen bei der Gesetzgebung. Charakteristisch für den Saal ist die vollständig rekonstruierte hölzerne Ausstattung von Wänden, Decke und Boden. Die Kassettendecke aus Kiefernholz wurde in historischer Lasurtechnik gefertigt, um Eichenholzfurnier zu imitieren.

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Blick in den Großen Ballsaal. Foto: Hultsch

Vom Großen Ballsaal blieben nach der Zerstörung 1945 nur Außenwände und einige stark verwitterte Originalteile der inneren Wandverkleidungen und der Stuckdekoration erhalten. Die Wiederherstellung begann nicht nur mit einer akribischen Sicherung, sondern auch einer intensiven und aufwendigen Suche historischer Spuren. So mussten alle Ornamente und Profile von den Bildhauern und Stuckateuren neu geformt werden. Eine ganz besondere Herausforderungen waren dabei die nach dem Brand 1945 deformierten Wände. Sie erforderten von den Handwerkern besonderes Geschick und ein hohes Maß an Erfahrung, um den historischen Verlauf des rekonstruierten Stucks insbesondere am Übergang zwischen Wand und Decke so zu vermitteln, dass sich für die künftigen Besucher ein ausgewogenes Bild ergibt.
Das, was vom Großen Ballsaal nach der Kriegszerstörung übrig blieb – dunkle Schmuckgitter über den Fenstern, zwei Wandleuchter mit Kristallbehang sowie vier vergoldete Ballustradengitter – wurde gründlich aufgearbeitet und wiederverwendet werden.

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Originaler Kronleuchter (aus der Schlossbergung) im Thronsaal Foto: Hultsch

Noch ein großes Bauvorhaben bis 2027

In die Rekonstruktion der beiden Festsäle investierte der Freistaat 21 Millionen Euro. Wenn der Wiederaufbau des Residenzschlosses im kommenden Jahr beendet sind wird, haben Bund und Freistaat rund 407 Millionen in eins der Dresdner Wahrzeichen investiert.
Als letzte Etappe steht bis dahin noch der Ausbau der Räume im Erdgeschoss des Ostflügels – die sogenannte Gotische Halle – für die geplante neue Ausstellung zur Schlossgeschichte an. Der Staatsbetrieb Immobilien- und Baumanagement (SIB) plant dafür aktuell den Ausbau und bei den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) wird bereits am Ausstellungskonzept für die Gotische Halle gearbeitet. Noch in diesem Jahr beginnt die Neugestaltung des Großen Schlosshofes, der ebenfalls pünktlich 2027 übergeben werden soll.