Neue Stolpersteine gegen das Vergessen

Stolpersteine
Foto: Pönisch

Mit seinem Namen können vielleicht die wenigsten Dresdner etwas anfangen. Und doch hat Alfred Schwarz etwas Bleibendes hinterlassen: Er war Mitbegründer des „Dresdner Taubstummen Schwimmvereins 1920“, der seit August 1990 als Dresdner Gehörlosen-Sportverein 1920 e.V. wieder existiert. Dafür wurde Schwarz vor wenigen Tagen mit etwas Bleibendem geehrt: Einem goldenen Stolperstein vor dem Stadtforum Dresden an der Waisenhausstraße.

Wer war Albert Schwarz?

Alfred Schwarz wurde am 23. November 1892 in Hamburg-Altona in eine jüdische Familie geboren. Er hatte mehrere Geschwister, darunter seinen Bruder Iwan und seine Schwester Gretel. Beide waren wie er gehörlos, Alfred dazu noch gehbehindert. Die Familie wohnte auf der Blasewitzer Straße in Dresden. Nach der Schule erlernte Albert den Beruf eines Damenschneiders. Am 3. Juli 1920 gründete er gemeinsam mit seinem Bruder Iwan und weiteren Sportfreunden den „Dresdner Taubstummen Schwimmverein 1920“, in dem auch die Ehefrauen der beiden Brüder und Schwester Gretel Mitglieder waren. Mithilfe eines zinslosen Kredits des Bankhauses Arnhold konnte der Verein ein Grundstück in Königstein-Halbestadt kaufen und dort ein Wander- und Erholungsheim bauen. Später wurde er wie alle jüdischen Bürger aus dem Verein ausgeschlossen.

Weil Alfred Schwarz mit der Nichtjüdin Johanna Rolle verheiratet war und demnach in einer sogenannten „privilegierten Mischehe“ lebte, wurde er erst im Dezember 1944 zu schwerer Zwangsarbeit verpflichtet. Er musste in ein sogenanntes Judenhaus ziehen, zuerst in die Bautzner Straße 20, später in die Sporergasse 2. Wie seine Geschwister auch war Alfred Schwarz für die Deportation in ein Vernichtungslager am 16. Februar 1945 vorgesehen. Doch dazu kam es nicht mehr: Wie alle Bewohner des Hauses Sporergasse 2 kam er beim Bombenangriff auf Dresden am 13. Februar 1945 ums Leben, da es Juden verboten war, einen Luftschutzkeller aufzusuchen. Lediglich seine Schwester Gretel entkam diesem Schicksal, da sie sich zum Zeitpunkt des Angriffs in Berlin aufhielt und anschließend wahrscheinlich nach Spanien emigrierte. Die Suche nach ihr durch die Dresdner Sportfreunde blieb bisher ergebnislos.

Elf weitere Stolpersteine

Der Verein „Stolpersteine für Dresden“ verlegte am 6. und 7. Mai weitere Erinnerungssteine zum Gedenken an Opfer der nationalsozialistischen Diktatur. So zum Beispiel für Amalie Esser, die zuletzt in der Behrischstraße 32 wohnte. Oder für Ernst Wauer (Neumarkt 10), August Fehst (Stollestraße 28) und Helene Eyfe (Bernhardstraße 114). Vor dem Diakonissenhaus erinnern drei Stolpersteine an die Diakonissen Helene Grünert, Helene Rost und Emma Hartmann, ein weiterer ist in der Hoyerswerdaer Straße 10 zu finden für Therese Eicher, in der Prohliser Straße 12 (Christel Ute Neuber), am Lockwitzgrund 9 (für Berthold Heim) und in der Hermann-Conradi-Straße 7 in Lockwitz (Dr. Rudolf Ochs).

Mehr als 100.000 Steine in über 30 Ländern

Stolpersteine bringen die Namen der Opfer der NS-Diktatur an den Ort zurück, an dem sie gelebt haben. Der Initiator der Idee, Gunter Demnig (76), hat mittlerweile über 117.000 solcher Erinnerungsquader in ganz Europa verlegt. Sie erinnern an das Schicksal von Jüdinnen und Juden, aber auch an Antifaschisten, Zeugen Jehovas, Homosexuelle, Euthanasie-Opfer sowie an Sinti und Roma. Den ersten Stolperstein verlegte Demnig 1996 in Berlin, damals noch als „nicht genehmigte Aktion“. In Dresden kümmert sich der Verein Stolpersteine für Dresden e.V. um die Verlegung.

Der Dresdner Stolperstein-Verein gründete sich 2009. Im November desselben Jahren wurden die ersten fünf Steine verlegt. 2012 wurde Gunter Demnig für das Projekt Stolpersteine mit dem Erich-Kästner-Preis des Presseclubs Dresden ausgezeichnet. Insgesamt erinnern in Dresden jetzt 4099 Steine und eine Stolperschwelle an fast 180 verschiedenen Orten an Menschen, die einst hier lebten.