Auf zur Igel-Stadtpartie: in die Johannstadt

Persönlichkeiten auf dem Trinitatisfriedhof, Details an alten Villen und viel Neues stellt Claudia Innerhofer in der Dresdner Johannstadt vor. Foto: Una Giesecke

Die Johannstadt ist geprägt von ihrem Schicksal. In dem mit 90 Prozent fast flächendeckend zerstörten Stadtteil sind die Wunden des Zweiten Weltkrieges noch weithin sichtbar. Hochhäuser und Plattenbauten bestimmen die Skyline. Doch lässt sich an einigen Orten die einstmalige Schönheit nicht verleugnen. Der Igeltour-Rundgang taucht ein in die verschiedenen Gesichter und Zeiten dieses Viertels und stellt sich ebenso der dynamischen Entwicklung heute.

Der Rundgang beginnt am Güntzplatz. Er trägt den Namen eines prominenten Dresdners, der sich Verdienste für seine Heimatstadt erworben hat: Justus Friedrich Güntz, erfolgreicher Verleger und Herausgeber des Dresdner Anzeigers, gründete 1856 die Güntzstiftung, die eine Vielzahl von städtischen sozialen und kulturellen Projekten, wie das von ihm gegründete Güntzbad sowie verschiedene Skulpturen und Brunnenanlagen, welche die Innenstadt schmücken, finanziert hat.

Begraben liegt Justus Güntz auf dem an den Güntzplatz grenzenden Eliasfriedhof, der zwar streng genommen nicht mehr auf der Gemarkung Johannstadt liegt, jedoch unbedingt an dieser Stelle zu erwähnen, wenn auch nur selten zu betreten ist. Denn er ist der älteste noch vorhandene, aber nicht mehr genutzte Friedhof Dresdens.

Schaut man nun zur Elbe, wird die offene Bebauung der Sachsenallee gewahr. Auch hier findet sich nicht der Bauzustand aus der Vorkriegszeit wieder: Das mondäne Gebäude des Landes- und Amtsgerichtes Dresden im florentinischen Stil stand ursprünglich in der zweiten Reihe, verdeckt von den Vordergebäuden am Sachsenplatz. Ebenso fehlen auf der gegenüberliegenden Seite jegliche Spuren der historischen Bebauung. Die Hochhäuser von Johannstadt-Nord nehmen wiederum die zweite Bebauungslinie auf.

Einen der größten und ältesten städtischen Begräbnisplätze hingegen sucht dieser Rundgang auf: den Trinitatisfriedhof. Als „Weiter Kirchhof“ geht seine Gründung auf die Zeit der Napoleonischen Kriege zurück. 1813 lieferten sich die Truppen hier starke Gefechte, die Tausende Menschenleben forderten. Nachfolgende Krankheiten, insbesondere Typhus, bedeuteten oft das Todesurteil. Die vorhandenen Friedhöfe reichten nicht aus, um die vielen Opfer beerdigen zu können. So suchte die Stadt nach einem neuen Grundstück und wurde am Weg zum Blasewitzer Tännicht fündig. Den Auftrag zur Gestaltung der Begräbnisstätte erhielt Hofbaumeister Friedrich Gottlieb Thormeyer. 1816 entstand die schlichte Anlage.

Alles, was Rang und Namen hatte und evangelisch war, wurde im 19. Jahrhundert hier bestattet. Caspar David Friedrich, Carl Gustav Carus, Friedrich Wieck, Ernst Rietschel, Paul Gustav Leander Pfund und Wilhemine Schröder-Devrient sollen stellvertretend für eine Vielzahl an Prominenz genannt werden.

Autor: Claudia Innerhofer
(unter Verwendung des Buchs: Dresden – Auf Spurensuche mit Igeltour, 136 S., 10,90 Euro, editionSZ,
ISBN: 978-3-943444-24-7)

Termin:
Sa., 19.11., 11 Uhr ab Güntzplatz, Eingang Sparkasse, Karten zu 8/6 Euro ohne Voranmeldung am Treffpunkt

 

Veranstalter: Igeltour Dresden, Bautzner Str. 46b,
Mo.– Do., 10 bis 16 Uhr und Fr. von 10 bis 14 Uhr,
Tel. 0351 8044557;
www.igeltour-dresden.de

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